Heimpleite gegen Werder

Mainzer Minusserie geht weiter – Tuchel flippt aus

Zwei Jahre sonnte sich Thomas Tuchel im Erfolg. Die erste Mainzer Krise nagt an seinen Nerven: Schuld an neun sieglosen Spielen seien auch die Schiedsrichter.

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Dünnhäutig, unwirsch und ein Stück weit ratlos - Thomas Tuchels Strahlemann-Image ist weg. Nach der Mainzer 1:3 (1:1)-Heimpleite gegen Werder Bremen , dem neunten sieglosen Spiel in Serie, rastete der 05-Coach erneut aus und legte sich mit Gott und der Welt an. „Ich kann diesen Mist nicht mehr hören. Neun Wochen erzählen wir den gleichen Mist und im Endeffekt holen wir keinen Sieg“, wetterte der 38-Jährige. Er habe keine Lust mehr, über das gute Spiel zu reden. Auch das Lob des gegnerischen Trainers interessiere ihn nicht: „Was ist schon Statistik? Wir belohnen uns nicht und das ist auch eine Wahrheit, die zählt und der wir uns stellen müssen.“

Wahrheit ist auch, dass die Mainzer nach der langen Durststrecke in der Fußball-Bundesliga und der fünften Heimniederlage in Serie tief im Abstiegssumpf stecken. „Gut, dass wir den kennen und können“, meinte Manager Christian Heidel mit Galgenhumor. Für Tuchel sind die unteren Regionen Neuland. Sein Vor-Vorgänger Jürgen Klopp, die Mainzer Ikone, steckte in der zweiten Erstliga-Saison eine solche Negativserie weg und schaffte den Klassenverbleib. Ein Jahr später waren es 16 Spiele am Stück ohne Dreier, und die 05er stiegen ab.

Tuchel wirkt in der derzeitigen Krise überfordert. Kritiker werfen ihm vor, keinen Plan B zu haben, keinen Matchplan für seinen berühmten, aber derzeit nicht funktionierenden Matchplan. „Ich bleibe dabei. Ich kenne keinen anderen Weg, als über Leistung dreifach zu punkten.“ Tuchel ist ein Sturkopf. Deshalb wird in Training und Vorbereitung gleich weitergearbeitet. Sein Team sei konkurrenzfähig.

Dafür bekamen diesmal die Schiedsrichter eine mit. „Zum fünften Mal im elften Spiel führte ein nicht gegebenes Foul zu einem direkten Gegentor. Wir müssen damit umgehen, dem Schiedsrichter ist das egal, er pfeift nächste Woche irgendwo anders“, ereiferte sich Tuchel. Aushalten muss den harschen Wortschwall meist der vierte Unparteiische – am Samstagabend traf es Bibiana Steinhaus. So ist aus dem Sonnyboy inzwischen der „Motzki“ geworden. „Wer bestimmt denn das Bild, das ich abgebe?“, sagte Tuchel, „ich habe jedes Recht, nach einer Fehlentscheidung meine Meinung zu sagen.“

Fragen nach Alternativlösungen für seine schwächelnde Mannschaft wich er aus. „Wir müssen uns mental und körperlich so aufstellen, um daran zu glauben, ein Spiel gewinnen zu können“, heißt das Motto für das nächste Heimspiel am Freitag gegen den VfB Stuttgart. Leidenschaftlich kicken die Mainzer immer noch, läuferisch und kämpferisch ist ihnen kein Vorwurf zu machen, doch es fehlt die Überzeugung. Auch gegen Bremen reichte das 1:0 durch Niko Bungert (23. Minute) nicht zum dringend benötigten dritten Saisonsieg. „Wir müssen gemeinsam cleverer werden“, empfahl Bungert.

Nur sechs Minuten konnte sich Tuchel über Bungerts Führung freuen, dann strapazierte der überragende Werder-Angreifer Claudio Pizarro sein Nervenkostüm. Der schnelle Ausgleich war gleichzeitig der 150. Bundesliga-Treffer des Peruaners, der zum wichtigen 2:1 von Aaron Hunt (47.) zudem die Vorlage gab. Geschäftsführer Klaus Allofs attestierte Pizarro eine Weltklasseleistung. „Von einem wie ihm sind wir gerne abhängig.“ Den Schlusspunkt setzte Sebastian Prödl mit dem 3:1 (78.) – Tuchel konnte es nicht mehr mitansehen. Völlig bedient hämmerte er am Ende gegen das Dach der Trainerbox.