Eiskunstlaufen

Hecken nach schwieriger Zeit Achte in Kanada

Als Teenager lief Sarah Hecken noch unbeschwert über das Eis, beeindruckte mit ihrer furchtlosen Art. Mit 18 Jahren steht sie vor dem Abitur, sorgt sich um ihre Familie und schwächelt beim Grand Prix in Kanada.

Sarah Hecken steckt zum Saisonstart im persönlichen Tief. Abgelenkt von familiären Problemen, wurde die deutsche Eiskunstlauf-Meisterin bei ihrem ersten Grand Prix im kanadischen Mississauga nur Achte – meilenweit entfernt von der erst 14 Jahre alten Premierensiegerin Elizabeta Tuktamyschewa (Russland). Die vier Jahre ältere Hecken kämpft in Mannheim derzeit mit dem Lernstress vor dem Abitur, hilft bei der Pflege ihrer Tante und Großmutter – nur zum Eislaufen ist sie meist zu erschöpft.

„Ich habe schon gemerkt, dass ich nicht 100 Prozent Power für mein Training hatte“, erzählte Hecken nach der Kür am Samstag (Ortszeit) in Mississauga bei Toronto: „Ich habe in der Kür gekämpft und gezeigt, dass ich eine gute Kürläuferin bin, wie ich es eigentlich immer war.“ Die Lieblingskombination aus zwei dreifachen Toeloops wollte allerdings wie schon im Kurzprogramm wieder nicht gelingen.

Heckens Saisonstart war schwer. Gerade zur Nebelhorn Trophy Ende September lag ihre Mutter für zwei Wochen im Krankenhaus. Plötzlich war die Gymnasiastin allein für die pflegebedürftige Großmutter und Großtante zuständig. „Ich musste viel für die Schule lernen, einkaufen, kochen und trainieren“, zählt sie auf. „Bis nachts um halb zwölf habe ich gelernt und morgens um sechs bin ich wieder aufgestanden.“ Das schlauchte so sehr, dass sie manches Mal auf das Eislaufen verzichtete.

Nun soll es wieder aufwärtsgehen. Nach den Herbstferien darf sie sich auf ihre Leistungskurse Sport und Biologie konzentrieren und das eine oder andere Fach hin und wieder ausfallen lassen, um morgens zu trainieren. „Ich muss angreifen, es geht nicht anders. In Kanada habe ich meinen Kampfgeist wieder gefunden, und das gibt mir Sicherheit.“

Mit nur 130,71 Punkten ist der Weg zur Spitze für die WM-Elfte aber weit. Mehr als 40 Zähler Vorsprung hatte die zierliche Tuktamyschewa (177,38). Und sie ist nur eines von mehreren Talenten aus der wieder auflebenden Eislaufgroßmacht Russland, die ihre jungen Läuferinnen aus der Provinz in die Zentren von St. Petersburg oder Moskau holt. Allein in der russischen Hauptstadt gibt es ein gutes Dutzend Leistungszentren für Eiskunstlauf, mehr als in ganz Deutschland.