Vorwurf der Lüge

Schalkes "Handballer" Raul fühlt sich unschuldig

Nach der Niederlage auf Schalke regten sich die Hoffenheimer über Rauls Handspiel vor dem 1:0 auf. Torwart Tom Starke nannte den Spanier sogar einen Lügner.

Da stand Senor Raul vor der Kamera und lächelte. Ohne rot zu werden, keiner Schuld bewusst. Der Fußball-Weltstar wusste ganz genau, dass er das 1:0 beim 3 :1 (1:0)-Erfolg seines Klubs Schalke 04 gegen 1899 Hoffenheim mit der Hand erzielt hatte, er machte auch gar keinen Hehl daraus. „Das war ein klares Tor. Ich spiele den Ball zwar mit der Hand. Aber es war keine Absicht. Da ist es egal, ob der Ball ans Knie, an die Brust oder an die Hand springt“, sagte der 34-Jährige beim TV-Sender "Sky".

Da mag Raul sogar irgendwie recht haben. Der Gegner fühlte sich aber auf jeden Fall gehörnt, besonders Hoffenheims Torhüter Tom Starke warf dem großen Spanier – eigentlich der Inbegriff der Fairness auf dem Feld – unehrenhaftes Verhalten vor. „Er macht das Tor ganz klar mit der Hand, deswegen ist es ein irreguläres Tor. Der Schiedsrichter hat es nicht gesehen, er hat ihn gefragt. Raul hat dann verneint. Selbst so ein Sportsmann hat es nötig zu lügen“, kritisierte Starke.

Schiedsrichter Tobias Welz (Wiesbaden) sprach in der Tat erst mit Raul und entschied dann auf Tor. Zustimmung gab es von Schiedsrichter-Lehrwart Lutz Wagner. „Der Schiedsrichter hat richtig entschieden. Die Hand ging nicht aktiv zum Ball. Das war keine Absicht“, sagte Wagner. Das sah Trainer Holger Stanislawski nicht so: „Es wird jetzt wieder von 1.000 Schiedsrichter-Experten auseinander gepflückt, sodass der Schiedsrichter Recht bekommt. Das ist ein Klientel, das unantastbar ist.“

Die Hoffenheimer Reaktionen spiegelten aber vielmehr den Ärger über die schwache Leistung und die Tatsache wider, dass sie von den ausgebufften Torjägern Raul und Klaas-Jan Huntelaar (73. Foulelfmeter, 76.) als Deppen zurück in den Kraichgau geschickt wurden. „Es wäre zu einfach, die Niederlage am Schiedsrichter festzumachen. Wir müssen stabiler, aggressiver und durchsetzungsfähiger werden. Eine Woche hui, die nächste pfui, das zermürbt“, sagte Stanislawski.

Die Kurve bei Schalke zeigt dafür stetig nach oben. Sechs Siege in sieben Pflichtspielen unter Trainer Huub Stevens, kontrollierter, konsequenter und zuweilen attraktiver Fußball brachten die Königsblauen nun auf den zweiten Platz hinter Bayern München. Dazu steht man im DFB-Pokal-Achtelfinale und kann am Donnerstag mit einem Sieg gegen AEK Larnaka (21.05 Uhr) die nächste Runde in der Europa League klarmachen. Und das alles mit „gutem Klima“ (Benedikt Höwedes), viel Talent a la Julian Draxler und einem Haudegen Raul.

Der Vertrag des Stürmerstars auf Schalke läuft am Saisonende aus. Schalke will gerne um ein Jahr verlängern, kann aber wohl nicht die Konditionen bieten. Spekuliert wird bei Raul von einem Grundgehalt von fünf Millionen Euro plus üppiger Prämien. Ironischerweise sorgt Raul selbst dafür, dass die Chancen der Königsblauen im Vertragspoker steigen.



„Es macht Spaß, hier zu spielen. Ich genieße es und mache meine Tore. Wichtig ist aber, dass Schalke gut spielt“, sagte er. Na klar. Stand jetzt nimmt Schalke im kommenden Jahr an der Champions League teil – sein Wettbewerb. Dreimal hat Raul mit Real Madrid die Königsklasse gewonnen (1998, 2000, 2002). Schafft S04 die Qualifikation für die Gruppenphase, wären schon einmal Einnahmen in einer Größenordnung von 20 Millionen Euro sicher. Und ein Verbleib von Raul vielleicht ein Selbstläufer.

„Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, um über den Vertrag zu sprechen“, sagte der Vollprofi dazu. Das weiß auch Sportdirektor Horst Heldt, Gespräche sollen in der Winterpause beginnen.

Raul genießt wie seine Kollegen die derzeitigen Erfolge. Trainer Stevens richtete aber vor allem an die jüngere Gilde in seinem Team den Appell, sich nicht blenden zu lassen: „Ich sage: Bayern München ist uns meilenweit voraus. Wir sind glücklich über die Momentaufnahme. Bitte keine Überheblichkeit, das passt nicht zu Schalke“, erklärte er.