"Auszeit"

Die Formel 1 entdeckt in Indien die Langsamkeit

Eselskarren, Rikschas und dösende Chauffeure: Der Hochgeschwindigkeits-Zirkus erhält in Indien eine Lektion in Sachen Langsamkeit.

Für eine Zugfahrt mit einem indischen „Super-Fast Train“ braucht man für 200 Kilometer leicht drei Stunden. Ochsen, Esel und Pferde karren auf Holperstraßen gutmütig einen ganzen Hausstand in Schrittgeschwindigkeit hinter sich her, Motor-Rikschafahrer stehen gelassen im Stau, Chauffeure warten auf ihre Kunden dösend bis zum Sonnengang unterm Baum, um den Fahrgast zurück zum Ausgangspunkt zu kutschieren.

Die Vielfältigkeit und Kreativität des indischen Transportsystems nötigt manch einem Europäer Hochachtung ab, auch wenn es für ihn die Entdeckung der Langsamkeit bedeutet. Wie das mit der Formel 1 zusammenpasst, bei der die Rennställe um Tausendstelsekunden feilschen und die in Indien gerade erstmals Station macht ? Gar nicht.

Wenn das Adam Parr schon hört. Immer diese Vorurteile. Deswegen hat der Williams-Teamchef an der Rennstrecke in Greater Noida ein für allemal klargestellt: Die Formel 1 ist für Millionen da und kein elitärer Sport.

Inder und Europäer, Ingenieur und Billigarbeiter, Schumi-Fan und Bretterbudenbewohner, alle sind aus demselben Holz geschnitzt. Der Mechaniker, der vor Vettels rechtem Hinterrad sitzt, arbeitet schließlich hart für sein Geld. Und der Rennfahrer ist auch nicht besser bezahlt als ein Vorstandschef.

Adam Parr schaute bei seinem Hohelied der Formel 1 ziemlich griesgrämig drein, was vielleicht daran lag, dass seine Rennautos nur noch Mittelmaß sind. Im Training sprang ein 15. und 16. Platz für Williams heraus.

Er sollte sich die Sache mit der Langsamkeit nicht so sehr zu Herzen nehmen. Indien lehrt: Probier's mal mit Gemütlichkeit.