Tischtennis

Boll gewinnt deutsches EM-Endspiel gegen Baum

Deutschlands Tischtennis-Star Timo Boll hat sich zum fünften Mal den Europameistertitel gesichert. Die Berlinerin Irene Ivancan verpasste Gold.

Foto: dpa/DPA

Timo Boll ballte erst die Siegerfaust und streckte dann erleichtert beide Arme in die Luft: Europas Tischtennis-König hat sich dank majestätischer Überlegenheit zum fünften Mal die kontinentale Krone aufgesetzt. Im Endspiel der EM in Danzig besiegte der Ausnahmespieler wie im Vorjahr seinen Düsseldorfer Teamkollegen Patrick Baum mit 4:1 und feierte damit nach dem Mannschaftsgold am Mittwoch seinen insgesamt 15. EM-Titel.

Eine weitere Silbermedaille durch Überraschungsfinalistin Irene Ivancan sorgte für einen glänzenden deutschen Schlusstag der Titelkämpfe in Polen. Die Berlinerin, erstmals seit ihrem Debüt 2005 bei dieser EM wieder in der DTTB-Auswahl, musste sich erst im Endspiel der topgesetzten Niederländerin Li Jiao nach großem Kampf mit 3:4 geschlagen geben.

Boll erleichtert

Für Boll, der sich nach einem anstrengenden China-Engagement im Sommer und mit Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele 2012 in London nicht gezielt auf die EM vorbereitet hatte, wäre trotzdem alles andere als die erfolgreiche Titelverteidigung eine Enttäuschung gewesen. „Ich habe gesagt, wenn ich hier antrete, möchte ich den Titel, ganz klar“, sagte der WM-Dritte, gab aber zu: „Ob das Level diesmal reicht, das war mir vorher selbst ungewiss. Von daher bin ich sehr erleichtert.“

Sein Klubkollege forderte ihn im Finale bei offenen Ballwechseln, vor allem im zweiten Durchgang, den Baum 11:6 für sich entschied. „Patti hat verdammt gut gespielt, hätte er das Niveau gehalten, wäre es eng geworden“, sagte Boll. Der Gelobte konnte mit Platz zwei gut leben. „Ich hatte mir mehr vorgenommen, aber ich habe gekämpft bis zum Schluss. Von daher freue ich mich, dass ich meine Leistung vom Vorjahr bestätigt habe“, sagte der 24-Jährige.

Ivancan nicht traurig

Für Ivancan glänzte nach einem tollen Turnier Silber trotz der knappen Niederlage golden. „Ich bin überhaupt nicht traurig, sondern einfach nur glücklich. Mich wurmt angesichts der 3:2-Führung nur, wie ich verloren habe“, sagte die Abwehrspezialistin und sprintete zur Dopingkontrolle, um ihren Flieger gen Heimat am frühen Abend nicht zu verpassen.

Mit der Final-Niederlage Ivancans, Nummer 55 der Welt, endete eine Serie deutscher Spielerinnen in EM-Endspielen: In Agnes Simon (1962), Nicole Struse (1996), Qianhong Gotsch (2000) und Jiaduo Wu (2009) hatten vor Ivancan bislang vier DTTB-Spielerinnen das EM-Finale erreicht und jeweils als Siegerin den Tisch verlassen.

Die gebürtige Stuttgarterin Ivancan, bereits beim fünften Platz im Team-Wettbewerb beste deutsche Akteurin, kehrte in Danzig nach sechsjähriger Abstinenz in die DTTB-Auswahl zurück. Ihr zuvor einziges Länderspiel hatte sie bei der EM 2005 in Aarhus absolviert.

Probleme mit der Orgnaisation in Danzig

Vor dem Medaillenregen hatte der DTTB am Schlusstag ein zwiespältiges EM-Fazit gezogen. „Sportlich gesehen waren das hier super Tage für uns, organisatorisch ist noch viel zu tun“, sagte DTTB-Präsident Thomas Weikert. Vier Medaillen in sechs Wettbewerben seien angesichts der nicht gezielten Vorbereitung auf die EM in der olympischen Saison ein gutes Ergebnis, wenn auch nicht absolut zufriedenstellend.

Sowohl in den beiden Doppelwettbewerben als auch von Dimitrij Ovtcharov (Orenburg/Russland) und Bastian Steger (Saarbrücken) wurden gute Medaillenchancen liegengelassen. „Wir sind aber nicht allein in Europa, es gibt auch noch andere Nationen, die Tischtennis spielen können“, sagte Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig.

Unisono kritisierten Schimmelpfennig als auch Weikert erneut die organisatorischen Mängel in Danzig. „Das hatte etwas von 1962“, sagte Weikert und nahm die ETTU in die Pflicht: „Das liegt in erster Linie an den Verantwortlichen, die diese Veranstaltung vergeben.“

18 Tische in einer Halle, parallel zum Team-Halbfinale ausgetragene Spiele an Nebentischen, wenig Zuschauer und Zeitpläne, die nicht eingehalten und immer wieder umgeändert werden mussten, stießen Spielern und Funktionären sauer auf.