Gegen Valencia

Bayer Leverkusen nach Erfolg auf Achtelfinal-Kurs

Nach einer desaströsen ersten Hälfte meldete sich Leverkusen gegen Valencia innerhalb von nur vier Minuten zurück. Damit festigte Bayer Platz zwei in der Gruppe.

Erst unterirdisch, dann obenauf: Bayer 04 Leverkusen hat die Tür zur K.o.-Runde in der Champions League in einem verrückten Spiel ganz weit aufgestoßen.

Der deutsche Vizemeister gewann gegen den FC Valencia dank einer enormen Leistungssteigerung in Hälfte zwei glücklich 2:1 (0:1) und weist damit nach drei Spieltagen als Zweiter der Gruppe E bereits vier Punkte Vorsprung gegenüber den Spaniern auf, die im Schatten von Topfavorit FC Chelsea härtester Konkurrent der Werkself um Platz zwei gelten.

Toller Pass von Ballack

Andre Schürrle (53.) und Sidney Sam nach genialer Vorarbeit von Michael Ballack (56.) drehten kurz nach der Pause mit ihren jeweils ersten Treffern in der Königsklasse eine Begegnung, in der die Hausherren vor der Pause deutlich unterlegen waren und von Glück sagen konnten, dass sie durch einen Treffer von Jonas (24.) nur 0:1 im Hintertreffen waren.

„Die Mannschaft hat ab der 35. Minute eine Höchstleistung gebracht. In der ersten halben Stunde war das nicht sehr schön anzusehen. Dann haben wir das Heft in die Hand genommen, das war in der zweiten Halbzeit ein richtiger Sturmlauf. Ich habe die Mannschaft in den vergangenen Wochen in Schutz genommen, heute hat sie es zurückgezahlt", sagte Coach Robin Dutt.

"Valencia ist eine super spielstarke Mannschaft, wir haben uns hinten rein drücken lassen. Wir wollten in der zweiten Halbzeit drauf gehen, das haben wir geschafft", sagte Sam. "Der Trainer hat viel abbekommen von der Presse. Man hat gesehen, dass die ganze Mannschaft voll hinter dem Trainer steht", sagte der starke Schlussmann Bernd Leno.

Wichtig für Trainer Dutt

Durch den zweiten Sieg im dritten Gruppenspiel dürfte es in den kommenden Tagen auch etwas ruhiger um Bayer-Trainer Robin Dutt werden, der zuletzt nach schwankenden Leistungen seiner Mannschaft und einigen diskutablen Personalentscheidungen schon heftig in der Kritik stand.

Valencia, das Leverkusen am 1. November zum Rückspiel erwartet, konnte bislang noch keinen Dreier in der Gruppenphase verbuchen und muss sich gewaltig steigern, um Bayer noch den zweiten Platz streitig zu machen.

Vor 26.384 Zuschauern in der ausverkauften BayArena kam Leverkusen vor der Pause gegen die Spanier zunächst kein Bein auf den Boden. Jonas traf zum 1:0 für die Gäste, nachdem Ömer Toprak und Stefan Reinartz zuvor gepatzt hatten. Anschließend verhinderte Bayer-Schlussmann Bernd Leno mit Glanzparaden gegen Jonas und Valencias Torjäger Soldado einen höheren Rückstand.

In der 39. Minute hatten Andre Schürrle und Michael Ballack allerdings jeweils eine gute Möglichkeit zum Ausgleich, der allerdings zu diesem Zeitpunkt äußerst glücklich gewesen wäre. Denn zuvor hatten die Gäste 13 Torschüsse abgegeben, die Hausherren keinen einzigen.

Die Gastgeber liefen vom Start weg der Musik hinterher und hatten gegen die quirligen und technisch beschlagenen Gäste kein erkennbares Konzept. Valencia stellte den deutschen Vizemeister mit seinen hervorragenden Kombinationen immer wieder vor große Probleme.

In der 7. Minuten blockte die Bayer-Abwehr in letzter Sekunde einen Schuss von Valencias Torjäger Soldado. Auch in der Folge musste sich die Werkself den Angriffen der scheinbar übermächtigen Spanier erwehren, die durch Pablo Hernandez in der 16. Minute eine große Möglichkeit ausließen. Bayer produzierte dagegen vor der Pause einen Fehlpass nach dem anderen, Ballack stand in seinem 90. Champions-League-Match zunächst auf verlorenem Posten.

Friedrich bringt Sicherheit

Die Spanier, die in der vergangenen Saison im Achtelfinale an Schalke 04 gescheitert waren, trafen in Hälfte zwei aber auf eine ganz andere Bayer-Mannschaft, die angetrieben von Ballack wie verwandelt auftrat. Bei Leverkusen war Ex-Nationalspieler Manuel Friedrich für den katastrophal schwachen Reinartz gekommen, was die Defensive enorm stabilisierte.

Und auch offensiv lief es nun deutlich besser für die Gastgeber, die durch Ballack und Lars Bender bereits vor dem Ausgleich gute Möglichkeiten verbuchten.

Die Kritik an Dutt, der zudem die Rückendeckung der Bayer-Verantwortlichen genießt, dürfte in den kommenden Tagen nun etwas verstummen. Sollte der Heynckes-Nachfolger auch am kommenden Sonntag mit Bayer gegen Schalke 04 gewinnen, würde es unter dem Bayer-Kreuz wohl wieder etwas ruhiger.