Marko Pantelic

"Für die Menschen ist Olympiakos mehr als Liebe"

Vor dem Champions-League-Spiel gegen Dortmund spricht der ehemalige Hertha-Profi Marko Pantelic über Olympiakos, die Bundesliga und sein Karriereende.

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Selbst im Oktober sind es am Nachmittag noch 20 Grad in Piräus. Die Sonne scheint, und Marko Pantelic (33) hat es sich in seinem Haus gemütlich gemacht.

Der serbische Nationalstürmer spielte von 2006 bis 2009 für Hertha BSC, nach einem Jahr bei Ajax Amsterdam wechselte er 2010 zu Olympiakos Piräus. Heute (20.45 Uhr, Sat.1 und Sky) empfängt er mit seiner Mannschaft im Gruppenspiel der Champions League Borussia Dortmund.

Morgenpost Online: Wie lebt es sich derzeit als Fußballprofi in Griechenland?

Marko Pantelic: Gut. Ich bin zufrieden mit dem Leben hier. Die Menschen haben großen Respekt vor mir, und meine Familie fühlt sich auch wohl.

Morgenpost Online: Griechenland steht vor der Pleite. Inwiefern betrifft Sie das?

Pantelic: Ich bin Fußballspieler und kein Politiker. Außerdem spreche ich zwar Griechisch, bin hier als Serbe aber trotzdem Ausländer. Deswegen sollte ich nicht über Griechenland urteilen. Uns bei Olympiakos geht es gut, denn unser Vereinspräsident hat dafür gesorgt, dass hier alles seriös abläuft. Die Männer mit anderen Berufen in diesem Land haben viele Probleme , sicher. Die Situation in ganz Europa ist nicht einfach. Aber soll ich Ihnen mal was sagen?

Morgenpost Online: Bitte!

Pantelic: Für die Menschen hier ist Olympiakos mehr als Liebe. Sie kommen auch in diesen schweren Zeiten ins Stadion. Sie geben alles für den Verein. Auch den letzten Euro, den sie in der Tasche haben. Die Menschen hier können kämpfen, und sie leben den Fußball.

Morgenpost Online: Wie gut ist die griechische Liga im Vergleich zur Bundesliga?

Pantelic: In Deutschland ist alles super organisiert. Die Städte, der Verkehr, die Vereine, die Stadien. Die Bundesliga ist die beste Liga der Welt. Hier ist die Infrastruktur etwas anders. Vom sportlichen Niveau her würde Olympiakos aber in der Bundesliga mithalten können. Die Mannschaft könnte es auf einen der ersten fünf Plätze schaffen.

Morgenpost Online: Also hat Ihre Mannschaft gegen Dortmund gute Chancen?

Pantelic: Für uns ist dieses Spiel ein Finale! Wir müssen darum kämpfen, unsere Chance auf das Weiterkommen zu wahren. Wir werden immer im Auge haben, wie das zeitgleiche Spiel zwischen Olympique Marseille und dem FC Arsenal läuft. Wir müssen die Dortmunder ganz früh in der eigenen Hälfte attackieren. Das ist unser Spiel, das ist Olympiakos.

Morgenpost Online: Es ist schwierig, gegen Dortmund zu gewinnen, und in der Champions League hat Ihre Mannschaft bislang beide Spiele verloren.

Pantelic: Immer wenn ich mit Hertha gegen Dortmund gespielt habe, war ich besonders motiviert. Die Mannschaft, die Fans, es ein großer Traditionsverein – das wird ein Spiel, das viel Spaß macht.

Morgenpost Online: Holen Sie sich noch Tipps von Hertha-Profi Patrick Ebert, Ihrem Freund? Hertha hat 2:1 gegen den BVB gewonnen .

Pantelic: (lacht) Nein. Ich spreche oft mit Patrick, aber unser Trainer wird uns schon gut einstellen. Eine große Stärke der Dortmunder kenne ich auf jeden Fall schon.

Morgenpost Online: Welche?

Pantelic: Jürgen Klopp . Er ist ein super Trainer und ein sehr guter Mensch. Er macht den Unterschied aus. Jeder sieht, dass er eine Idee vom Spiel seiner Mannschaft hat. Wir haben uns früher öfter gesehen, unter anderem bei einem Trainingslager in Marbella. Ein sehr emotionaler Typ, das ist mir sympathisch. Die BVB-Abwehr ist sehr stark, Neven Subotic kenne ich ja aus der Nationalmannschaft. Ein super Junge.

Morgenpost Online: Und Hertha BSC? Bleibt Ihr Ex-Klub in der Bundesliga?

Pantelic: Sicher! Wenn sie gut arbeiten, können sie es in den nächsten Jahren auf die vorderen Tabellenplätze schaffen, wieder um die Meisterschaft spielen. So wie es bei einem Hauptstadtklub sein sollte. Aber dafür müssen sie weiterhin Spieler mit Qualität verpflichten und aufbauen.

Morgenpost Online: Wollen Sie in die Bundesliga zurückkehren?

Pantelic: Es gab eine Zeit, da hätte ich beinahe zu jedem Verein in der Bundesliga wechseln können. Aber bevor ich zu Olympiakos gegangen bin, habe ich gesagt: „Hier beende ich meine Karriere.“ Und dabei bleibt es. Die Menschen hier sind für mich wie Brüder.

Morgenpost Online: In der serbischen Nationalmannschaft hat Dejan Stankovic, Ihr Trauzeuge, angekündigt, seine Länderspielkarriere zu beenden, nachdem die Qualifikation für die EM 2012 verpasst wurde. Denken Sie auch daran?

Pantelic: Nein. Ich möchte noch vier Jahre Fußball spielen. In unserer Nationalmannschaft steht ein Umbruch bevor, dabei werde ich mit all meiner Erfahrung helfen. Ich glaube, die deutsche Nationalmannschaft hat da weniger Probleme. (lacht)

Morgenpost Online: Stimmt. Wird Deutschland nächstes Jahr Europameister?

Pantelic: Die Mannschaft gehört mit Spanien, Italien und den Niederlanden zu den besten vier Teams in Europa. Sie wird es auf jeden Fall ins Halbfinale schaffen. Aber der Titelgewinn ist sehr schwierig.