Verschossener Elfmeter

Mario Gomez und die gemeine Laserattacke

Es war der Aufreger des Abends: Ein Laserstrahl irritierte Mario Gomez im Champions-Lesague-Spiel gegen Neapel, bevor er einen Elfmeter kläglich verschoss. Die Schuld für sein Versagen nimmt Bayerns Toptorjäger aber auf sich.

Vor der Abfahrt blieb Toni Kroos noch einmal stehen und blickte durch die uralten Katakomben. Auch eine halbe Stunde nach Abpfiff war das fast schon antike Stadion San Paolo in Neapel noch hell erleuchtet, und der Nationalspieler des FC Bayern schaute auf das Spielfeld.

„Wir sind ein stückweit enttäuscht, denn wir waren besser“, sagte der 21-Jährige. Und doch war seine Mannschaft im dritten Vorrundenspiel der Champions League beim SSC Neapel nicht über ein 1:1 (1:1) hinaus gekommen .

Die Bayern bleiben in der Königsklasse zwar ungeschlagen und Tabellenführer der Gruppe A, doch den Profis war klar: Sie hatten zwei Punkte verschenkt. Enttäuschung und etwas Ärger auf sich selbst – das hat es bei den Münchnern lange nicht gegeben.

Zuletzt am ersten Spieltag der Bundesliga Anfang August, nach dem 0:1 gegen Borussia Mönchengladbach. Durch zuletzt zwölf Siege aus 14 Spielen sind Unentschieden der Bayern selten geworden, nur gegen die TSG 1899 Hoffenheim (0:0) hatten sie Remis gespielt. „Wenn wir so früh in Führung gehen, geben wir so ein Spiel eigentlich nicht mehr aus der Hand. Wir hätten gewinnen müssen“, sagte Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger.

Vor der Partie hatte er betont, dass sich seine Mannschaft nur selbst schlagen könne. Und tatsächlich waren die Bayern am Dienstagabend ihr härtester Gegner. Das 1:0 von Kross (3.) hatte Holger Badstuber per Eigentor ausgeglichen (39.), für Torwart Manuel Neuer war es der erste Gegentreffer nach 1146 Minuten.

Und dann scheiterte Mario Gomez auch noch per Handelfmeter an Neapels Torwart Morgan De Sanctis (49.). Die italienischen Fans hatten Gomez beim Anlaufen mit Laserpointern geblendet, Sportdirektor Christian Nerlinger regte sich auf: „Das ist ein Ding der Unmöglichkeit und nicht zu akzeptieren.“

Zu viel überlegt

Die Störung sei aber nicht der Grund für seinen Fehlschuss gewesen, sagte Gomez. Er habe erst in die Mitte schießen wollen, sich beim Anlaufen allerdings anders entschieden. „Man soll immer beim ersten Gedanken bleiben. Ich ärgere mich sehr, es tut mir leid für die Mannschaft. Am Ende gehst du vom Platz, bist eigentlich zufrieden, weil du hier den Punkt geholt hast, aber unzufrieden, weil du hättest gewinnen können – ein komisches Gefühl“, sagte der Angreifer.

Die Bayern hatten schon in der ersten Halbzeit klare Chancen ausgelassen. Sie traten sehr souverän auf, Neapel war sichtlich beeindruckt. Und der Grad zwischen selbstsicherem Auftreten und Überheblichkeit ist schmal. Die Gier nach dem zweiten Tor fehlte. War sich die Mannschaft des Sieges zu sicher?

Vor dem Gegentor hatte sich Philipp Lahm überlaufen lassen, ein ungewohnter Fehler des so konstanten Kapitäns. „Es war eine Aneinanderkettung von Fehlern, an der ich beteiligt war. Und in der Champions League kriegt man nicht viele Torchancen, wir hätten eine zum zweiten Tor nutzen müssen“, ärgerte sich der Nationalverteidiger.

99 Prozent reichen nicht

Trainer Jupp Heynckes sagt es immer wieder mal, mancher sieht es als Phrase, doch es trifft zu: 99 Prozent reichen nicht. Es erfordert hundert, um den Traum von der Teilnahme am Finale der Champions League am 19. Mai nächsten Jahres in München wahr werden zu lassen.

Die Klubführung freut sich, dass die Mannschaft intakt ist – und mit dem verpassten Sieg selbstkritisch umgeht. Gleichzeitig rät sie ihr zur Gelassenheit. „Man muss auch mal einen Punkt akzeptieren. Ich kann mich erinnern, dass wir früher mit einem Unentschieden auswärts im Europapokal zufrieden waren“, sagte Klubchef Karl-Heinz Rummenigge.

Möglicherweise ist das 1:1 ein kleiner Dämpfer zur rechten Zeit. Heynckes und Lahm haben in den vergangenen Wochen immer betont, dass sich die Mannschaft noch steigern kann. Nach einem 7:0 gegen den SC Freiburg oder 4:0 gegen Hertha BSC war das aber schwieriger zu glauben als jetzt, nachdem die Bayern seit Wochen mal wieder Fehler gemacht haben, die einen Sieg kosteten.

"Die Mannschaft reift"

Weil in ihrer Gruppe noch nichts entschieden ist, bleibt genau das richtige Maß an Spannung – in der Bundesliga deutet vieles auf einen Alleingang des Rekordmeisters hin. „Man darf nicht erwarten, dass wir jedes Spiel 3:0 oder 4:0 gewinnen. Das sind Träume, die nicht funktionieren“, sagte Rummenigge.

In der hitzigen Atmosphäre vor 60.000 Zuschauern sei es schwer gewesen. „Die Tür in die nächste Runde steht jetzt auf, wir müssen sie nur noch zu unseren Gunsten schließen. Die Mannschaft reift immer mehr“, betonte der Klubchef.

Auch Timoschtschuk überzeugt

Der in den vergangenen Jahren oft behäbig spielende Daniel van Buyten bewies erneut, dass er in seiner derzeitigen Form auch gegen Stürmer europäischer Topteams sicher verteidigen kann. Im defensiven Mittelfeld überzeugte in Anatolij Timoschtschuk ebenfalls ein Profi, der oft nur Ersatz war. Und Kroos zeigte im zentralen Mittelfeld erneut, dass er einer der besten Spieler Deutschlands ist. „Er hat ein überragendes Spiel gemacht“, lobte Heynckes.

Nicht nur deshalb bleiben die Perspektiven der „galaktischen Bayern“ (SSC-Coach Walter Mazzari) bestens. Auch Bayern-Legende Paul Breitner riet, dass Unentschieden positiv zu betrachten: „Ich selbst habe schon viele solcher Spiele verloren, in denen du besser bist. Das sind ganz entscheidende Punkte.“