Energie Cottbus

Martin Fenin wegen psychischer Probleme in Klinik

Cottbus-Stürmer Martin Fenin hat nach einer Hirnblutung Depressionen und den Gebrauch von Suchtmitteln eingeräumt. Er will sich nun in ärztliche Behandlung begeben.

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Erneut hat sich ein Fußball-Profi in Deutschland öffentlich zu psychischen Problemen bekannt und für unbestimmte Zeit eine Auszeit genommen. Angreifer Martin Fenin von Energie Cottbus wird sich „wegen eines ernst zu nehmenden Krankheitsbildes“ in ärztliche Behandlung geben, verkündete der Zweitliga-Verein am Dienstag. In der Mitteilung wählte Fenin selbst dramatische Worte: Resignation, Depressionsschübe, Medikamente, Suchtmittel. Nach einer Gehirnblutung liegt der 24-Jährige derzeit noch in einem Krankenhaus in Cottbus.

„Ich bin endlich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich mein Krankheitsbild nicht mehr allein in den Griff bekomme“, so Fenin. „Das Gefühl der Resignation, der Einsamkeit mit Depressionsschüben begleitet mich schon seit mehreren Monaten. Die vorübergehende Flucht in Medikamente und Suchtmittel verschlimmerten diesen Zustand und gipfelte nun in der alarmierenden Diagnose. Ich habe dagegen angekämpft und muss mir nun eingestehen, dass ich dieses Problem nicht ohne Hilfe beheben kann.“

Er brauche nun intensive, ärztliche Betreuung, „um gesund zurück zu kehren auf den Fußballplatz und mein Top-Level wieder erreichen zu können“, ergänzte der tschechische Nationalspieler.

Damit hat erneut ein Protagonist im deutschen Fußball psychische Probleme eingeräumt. Zuletzt hatten sich Schalke-Trainer Ralf Rangnick und Hannovers Ersatz-Torhüter Markus Miller wegen mentaler Erschöpfung in Behandlung begeben. Nach dem Suizid von Robert Enke im Herbst 2009 hatte DFB-Präsident Theo Zwanziger eine Enttabuisierung von Krankheiten wie Depression gefordert.

Cottbus hat seinem Neuzugang jede erdenkliche Unterstützung in dieser schwierigen Situation zugesichert. Coach Claus-Dieter Wollitz lobte Fenins Mut, mit der Selbstreflexion offen umzugehen. „Martin hatte Glück im Unglück, das sollte ihm Mut machen für die bevorstehenden Wochen und Monate. Die werden hart für ihn.“ Sichtlich betroffen meinte der Trainer: „Er hat ein Ziel vor Augen, will es vor allem sich beweisen. Dabei werden wir ihn als Mannschaft und Verein so gut es geht begleiten.“

Fenin war erst vor wenigen Wochen aus Frankfurt zum FC Energie gewechselt. Der Stürmer galt bei der Eintracht als großes Talent und feierte beim 3:0 bei Hertha BSC mit einem Dreierpack ein furioses Debüt – die hohen Erwartungen konnte er aber nicht erfüllen. In der Main-Metropole fiel Fenin eher als Partygänger auf. Ein erhoffter Wechsel in der vergangenen Saison zum FC Nürnberg kam nicht zustande. Erst am letzten Transfertag im August nahmen die Cottbuser den Stürmer unter Vertrag.

Fenin war am vergangenen Samstagmorgen ins Carl Thiem-Klinikum von Cottbus gebracht worden, wo eine Hirnblutung diagnostiziert wurde. Der Grund dafür ist unklar, Fenin erinnere sich laut Clubsprecher Lars Töffling nicht an die betreffenden Stunden. Seine Eltern waren noch am Sonnabend nach Cottbus gereist. Am Montag hatte auch Trainer Wollitz seinen Schützling in der Klinik besucht. Wann Fenin das Krankenhaus verlassen darf, soll sich diese Woche entscheiden.