Fechten

WM-Bronze für die deutschen Männer

Das Florett-Bronze hellt die magere Bilanz der Fechter bei den Weltmeisterschaften aber nur wenig auf.

Knapp neun Monate vor den Olympischen Spielen haben die deutschen Fechter im sizilianischen Catania keinen großen Schritt Richtung London gemacht. Mit nur einer Silber- und einer Bronzemedaille ist es für den Deutschen Fechter-Bund (DFeB) das schlechteste Abschneiden bei einer Weltmeisterschaft seit 29 Jahren. Erstmals seit 2005 in Leipzig blieben die erfolgsverwöhnten Athleten ganz ohne Titel auf der Planche. Während den Florett-Männer am Sonntag mit Rang drei zumindest noch ein versöhnlicher Abschluss gelang, blieb für die Degen-Damen nur Blech – und einige Schreckminuten. Altmeisterin Imke Duplitzer war im Bronzegefecht gestürzt und musste zur Beobachtung einige Zeit ins Krankenhaus gebracht werden.

Gute Ausgangslage für Florett-Herren

Immerhin war auf die Florett-Herren am Abend Verlass. Das Quartett mit Ex-Weltmeister Peter Joppich, Olympiasieger Benjamin Kleibrink, Sebastian Bachmann und Andre Weßels gewann im Bronzegefecht gegen Polen mit 45:33 und hat sich damit in eine gute Ausgangsbasis für die weitere Olympiaqualifikation gebracht. Zuvor hatte die Mannschaft den Gastgeber Italien besiegt, war dann aber an Frankreich gescheitert. „Gegen Italien haben wir natürlich viele Körner gelassen, die uns dann im Gefecht gegen Frankreich gefehlt haben“, sagte Bundestrainer Uli Schreck: „Aber gegen Polen haben sie nichts mehr anbrennen lassen. Sie wollten unbedingt die Medaille.“ Weltmeister am späten Abend wurde China, das im Finale Frankreich mit 45:44 im Sudden Death bezwangen.

Auch die Degenspezialistinnen um Olympiasiegerin Britta Heidemann, die in der selben Besetzung wie bei ihrem Silbermedaillengewinn bei der WM 2010 in Paris auf die Planche gingen, haben mit ihrem vierten Platz zumindest wertvolle Qualifikationspunkte gesammelt. „Damit sind wir wieder im Geschäft, zumal unsere ernsthaften Konkurrenten hier gepatzt haben“, sagte Sportdirektor Manfred Kaspar.

Duplitzer fällt auf den Kopf – Kaspar gibt Entwarnung

In der Neuauflage des WM-Finals von Paris 2010 hatten die Deutschen in der Vorschlussrunde gegen den späteren Weltmeister Rumänien verloren – und anschließend im kleinen Finale auch gegen Gastgeber Italien. Besonders bitter: Imke Duplitzer aus Bonn stürzte beim Stand von 21:28 über ihre Gegnerin und kam unglücklich mit dem Kopf auf dem Boden auf. Die Ex-Europameisterin musste mehrere Minuten behandelt werden und wurde anschließend zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht. Mannschaftsarzt Peter Braun gab am Abend Entwarnung. „Wichtiger war für uns nach dem Italien-Gefecht die Frage, wie es Imke geht“, sagte Heidemann.

Zu wenige Medaillen – nur Einzelsilber durch Limbach

Gute Nachrichten konnte Manfred Kaspar aus sportlicher Sicht in dieser WM-Woche nur wenige vermelden. Zwar hatte er vor der WM nicht von Medaillen als Ziel gesprochen, doch dass die Ausbeute so mager ist, hatte wohl auch er nicht vermutet. „Was die Medaillen betrifft, ist es weniger, als wir uns vorgestellt haben. Zudem sind wir mehrfach am Podest vorbei geschrammt. Das Hauptziel war, möglichst viele Punkte für die Olympiaqualifikation in den einzelnen Waffen zu erreichen, das ist uns größtenteils gelungen“, sagte Kaspar.

Die einzige Einzelmedaille in der Hafenstadt gab es durch Säbel-Ass Nicolas Limbach mit Silber. Die Mannschaft verpasste dann zwar als Vierte knapp eine Medaille, aber ihr Auftritt war einer der wenigen, der Mut machte – und das London-Ticket schon fast sicherte. „Das war ein großer Kampf, wir haben nur gegen die Nummer 1 und 2 der Weltrangliste verloren“, sagte Limbach.

„Katastrophe“ bei Florettfechterinnen

Von einer Katastrophe, einer indiskutablen Leistung sprach Sportdirektor Kaspar nach dem Absturz der Florettfechterinnen auf Platz neun. Für die Säbel-Damen stand am Samstag ein enttäuschender 13. Platz zu Buche. Auch die Degen-Herren haben mit Rang sechs ihr selbst gestecktes Ziel „Top Vier“ verfehlt. Da mit den letzteren beiden Waffen bei Olympia keine Mannschaftswettbewerbe ausgetragen werden, hatten die Ergebnisse zumindest keine Auswirkungen auf die London-Qualifikation.

Im Einzel hatte nur Degenfechterin Monika Sozanska als Siebte noch einen Top-Ten-Platz erreicht. Die routinierte Britta Heidemann schied dagegen in der Qualifikation aus und belegte einen Platz jenseits der 100. Auch Olympiasieger Kleinbrink fand nach seinem Motorradunfall im April erst langsam ins Turnier und hatte im Einzel wie auch Titelverteidiger Peter Joppich nichts mit der Medaillenvergabe zu tun. Eine schlechtere Bilanz gab es zuletzt bei den Weltmeisterschaften 1982 in Rom, als es jeweils nur eine Bronzemedaille für Florettfechterin Mandy Niklaus und die Mannschaft gab. Die große olympische Generalprobe ist dem Verband jedenfalls nicht geglückt.