"Lage der Liga"

Mit Thorsten Fink macht der HSV endlich ernst

Er wurde belächelt und bemitleidet. Der Hamburger Sportverein setzt mit der Verpflichtung von Trainer Thorsten Fink ein selbstbewusstes Zeichen.

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Das Ausrufezeichen der Woche hat der HSV gesetzt. Der Klub macht im Kampf gegen den Abstieg endlich ernst. Nach mehr als drei Wochen des Zögerns und Zauderns gibt es für den Tabellenletzten Hoffnung für die Zukunft. Die hat einen Namen: Thorsten Fink. Die Verpflichtung eines jungen, selbstbewussten und im Ausland erfolgreichen Trainers war das notwendige Signal an die Konkurrenz, zukünftig nicht mehr zum Spielball werden zu wollen.


Der HSV wurde in der Branche belächelt und, schlimmer noch, erntete bereits Mitleid. Worte wie die von Franz Beckenbauer waren wie Backpfeifen. Er kenne keinen Trainer auf der Welt, der dem HSV helfen könne, hatte der Kaiser gesagt. Ein neuer Trainer müsste „ein Zauberer sein – vielleicht kann einer vom Zirkus Krone oder Sarrasani helfen. Ein normaler Mensch hätte kurzfristig keine Chance.“ Aber da hatte er wohl auch noch nicht Fink auf der Rechnung.

Nahe dem Idealtyp eines Trainers

Der fällt zwar in die Kategorie „normaler Mensch“: gebürtiger Dortmunder, seit 15 Jahren verheiratet, zweifacher Familienvater, Hundeliebhaber und Modenarr. Ein bisschen eitel. Doch wer ein bodenständiger Mensch ist und dazu auch noch Fußballfachmann wie Fink, der kommt dem Idealtyp eines Trainers nahe. Der Erfolg von geradlinigen Burschen wie etwa Bremens Thomas Schaaf, dem Mainzer Thomas Tuchel oder Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp kommt nicht von ungefähr.

Klopp hat gerade wieder vorgemacht, wie Krisengerede im Keim erstickt wird. Sieg in Unterzahl und unter Flutlicht in Bremen , das schaffen nicht viele. Wer wie die Dortmunder 16 Punkte hat und sich wieder Bayern-Jäger nennen darf, der steckt gern in der Krise.

Vielleicht gehört der HSV auch zu den Krisengewinnlern. Der stets emotional aufgeladene Verein hat durch die Verpflichtung Finks zumindest schon eines erreicht: Erst einmal herrscht Ruhe. Im Kampf gegen den Abstieg ist das nicht die schlechteste Voraussetzung.