"Auszeit"

Safer Sex passt wunderbar zum unbefleckten Adler

Mit dem Hirschkopf begann die Trikotwerbung in Deutschland. Wegen der bunten Schriftzüge fordert das Innenministerium von drei Verbänden neue Trikots.

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Der Tabubruch trug einen Hirschkopf. Initiiert von Eintracht Braunschweigs langjährigem Sponsor und Chef Günter Mast liefen die Kicker aus der – Achtung: Löwenstadt – vor 38 Jahren plötzlich mit dem Firmenlogo eines Magenbitters auf. Das brachte den Braunschweigern in der Fußball-Bundesliga jede Menge Anerkennung, aber auch vom Ausverkauf des Sports war die Rede. Auf jeden Fall war es die Geburtsstunde der Trikotwerbung in Deutschland und damit eine bahnbrechende Maßnahme.

Dass tierische Beflockungen auf Trikots auch 38 Jahre später für Aufsehen sorgen, ist nun einer Maßnahme des Bundesinnenministeriums geschuldet. Handball-, Volleyball und Schwimmverband wurden gerade dazu aufgefordert, ihre Wettkampfkleidung so zu verändern, dass Verbandslogos nicht mehr mit dem Bundesadler und einem Schriftzug zusammen abgebildet werden.


Der Adler sei als Hoheitszeichen deutlich vom Verbandsemblem zu trennen, heißt es aus dem Ministerium – zum Verdruss der Verbände. Allein die Handballspieler müssten rund 60.000 Euro für die Umrüstung von Trikots und Trainingsanzügen ihrer Nationalmannschaften berappen – was ihnen gehörig auf den Magen schlägt. Ein entsprechender Bitter (vielleicht Jägermeister) könnte ebenso Abhilfe schaffen wie ein Anruf in Homburg.

Dort haben sie in den 80er-Jahren immerhin die Werbung mit dem größtmöglichen Effekt zur Schau getragen. Unverhohlen warben sie mit dem Schriftzug „London“ auf der Brust für einen Kondomhersteller. 200.000 Mark brachte die Aktion, womit den Handballspielern bei ähnlicher Einnahmequelle erst einmal geholfen wäre. Und immerhin passt Werbung für Safer Sex doch wunderbar zu einem unbefleckten Adler.