Weltcup in Berlin

Schwimmstar Steffen stemmt keine Gewichte mehr

Drei Monate nach der enttäuschenden WM in Shanghai geht Britta Steffen in Berlin erstmals wieder an den Start. Dafür hat sie extra ihr Training umgestellt: Mit weniger Muskeln will sie nun mehr erreichen.

Wie viele Stunden Britta Steffen in ihrer Karriere schon im Kraftraum am Berliner Olympiastützpunkt verbracht hat, vermag sie nicht zu sagen. Viele tausend müssen es allemal sein, immerhin trainiert sie seit neun Jahren im Sportforum Hohenschönhausen und schwimmt seit 2006 in der Weltspitze.

Spaß hat es nicht immer gemacht, vor allem im vergangenen Jahr nicht, jetzt aber hat Steffen ihre Freude zurückgefunden. „Ich verzichte auf die Geräte und arbeite nur noch mit der eigenen Körperkraft“, sagte Steffen und lacht, „und ich kann dabei entspannt aufs Wasser gucken.“

Es ist ein unbeschwertes, fröhliches Lachen der Olympiasiegerin. „Ja, mir geht es gut“, sagt Steffen und es schwingt Erleichterung in ihrer Stimme mit. Denn endlich hat ein gutes Ende genommen.

Drei Monate nach dem enttäuschenden Abschneiden bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Shanghai springt die 27-Jährige heute erstmals wieder ins Wettkampfbecken. Beim Weltcup in Berlin will Steffen über 50 und 100 Meter Freistil zeigen, dass sie mit der Weltspitze mithalten kann, auch wenn sie die Rennen aus vollem Training heraus schwimmt. „Ich will die Grundlagen legen für die Olympischen Spiele 2012 in London, das ist mein großes Ziel.“

Differenzen mit Verband ausgeräumt

Natürlich ist so ein Wettkampf vor heimischer Kulisse immer etwas Besonderes, Familie und Freunde sitzen auf der Tribüne und drücken die Daumen. Bei Britta Steffen werden am Wochenende aber noch viel mehr Menschen ganz genau hingucken. Zum einen gilt es, zu tilgen – bei der WM war sie über 100 m Freistil im Vorlauf 16. geworden –, doch auch das Verhalten abseits des Beckens wird viele interessieren.

Nach der Pleite in China war Steffen vorzeitig von der WM abgereist und hatte damit für Verwirrung gesorgt. Seitdem wurde viel geredet im DSV und nun konnten endlich alle Differenzen zwischen der Weltrekordhalterin und dem Verband ausgeräumt werden.

Steffen selbst will darüber nicht mehr reden, sie konzentriert sich voll und ganz auf die bevorstehenden Wettkämpfe. Ihr Heimtrainer und Vertrauter Norbert Warnatzsch erlaubt einen kurzen Blick ins Seelenleben Doppel-Olympiasiegerin.

„Die hohen Wellen, die dieses Thema ausgelöst hat, sind geglättet“, sagt der erfahrene Coach, „Britta ist froh, dass die Kuh vom Eis ist. Natürlich war das eine psychische Belastung für sie, keine Frage.“

Britta Steffen ist ein sensibler und reflektierter Mensch. Die Studentin, die gerade an ihrem Bachelor zum Wirtschaftsingenieur arbeitet, hinterfragt immer auch ihr eigenes Handeln und horcht in sich hinein. Umso mehr trafen sie dann auch die Vorwürfe, sie habe die Mannschaft bei der WM im Stich gelassen. Dabei empfand sie doch genau das Gegenteil. „Ich habe die Mannschaft schützen wollen“, sagt sie, „ich bin gefahren, weil ich das gesamte Team nicht belasten wollte.“

Treffen mit der Schwimmjugend

Derlei Gedankenspiele sind Vergangenheit. Um ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden, wird sich Steffen heute mit Vertretern der DSV-Schwimmjugend treffen, als Schirmherrin unterstützt sie künftig ein Förderprojekt des Verbandes.

„Die Jugend braucht Vorbilder und Anreize“, sagt Britta Steffen und erinnert sich: „Ich werde nie vergessen, wie ich damals das erste Mal neben der großen Sandra Völker geschwommen bin, das hat mich motiviert.“ Es sei wichtig, die Erfahrung der älteren Athleten zu nutzen.

Steffen zwinkert mit den Augen und sagt dann: „Die Jungen müssen ja nicht die Fehler noch einmal machen. Es ist gut, einen Mentor zu haben. Wie sonst willst du Kinder dazu motivieren, jeden Tag bis zu sechs Kilometer zu schwimmen?

Da gibt es heutzutage sicher angenehmere Dinge, um die Freizeit zu gestalten.“ Uns so steht sie gern bereit, dem Nachwuchs ihre Erfahrungen weiterzugeben. DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow bewertet die Maßnahme als „gutes Signal, den Teamgeist innerhalb des Verbandes zu stärken“.

Weniger Muskelmasse, mehr Erfolg

Vielleicht kommt heute beim Treffen zwischen Britta Steffen und der Schwimm-Jugend auch die Sprache auf das Krafttraining. Ganz sicher sogar, immerhin sieht Steffen darin ja auch den Grund für ihr Scheitern in Shanghai. „Ich war so muskulös, dass ich nach 75 Metern im Wasser keine Luft mehr hatte, weil ja die Muskulatur während des Rennens mit Sauerstoff versorgt werden muss.“

Mit dem Training an Maschinen und Geräten ist deshalb jetzt Schluss, Liegestütze und Klimmzüge stehen stattdessen auf dem Programm. Bei diesen Eigengewichtübungen wird nur das eigene Körpergewicht und die daraus resultierende Erdanziehungskraft als Widerstand genutzt. Mit weniger Muskulatur soll Britta Steffen dann auch endlich wieder ihre eigentliche Stärke ausspielen können. Sie ist groß (1,80 m) und extrem schlank, selbst das typische Schwimmer-Kreuz wirkt nicht so Furcht einflößend wie bei so manch anderem Schwimmer. Steffen: „Ich will wieder meine alte Gelenkigkeit und Geschmeidigkeit zurückbekommen.“