Finanzielle Zwänge

Wie Thorsten Fink den Hamburger SV retten muss

Finks Lehrmeister Hitzfeld zweifelt nicht daran, dass der Abstieg der Hamburger noch verhindert wird. Auch aus München gibt es Lob für den 43-Jährigen.

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Es war natürlich etwas geschwindelt, als Sportdirektor Frank Arnesen davon sprach, Thorsten Fink sei sein „Wunschtrainer“ für den HSV. In dieser Aussage schwingt mit, dass Fink der einzige ernsthafte Kandidat des Tabellenletzten war.

Tatsächlich aber gab es das erste gemeinsame Treffen von Arnesen und Fink erst zwei Wochen nach der Entlassung von Michael Oenning. Zu diesem Zeitpunkt hatte Arnesen auch schon eine Reihe anderer Kandidaten kontaktiert.

Im Umfeld des Hamburger Klubs stört das allerdings kaum noch jemanden. Denn Arnesen, zuletzt von allen Seiten kritisch beäugt, hat ganz sicher einen der interessantesten Trainer für den HSV gewonnen, den der Markt an deutschsprachigen Trainern hergibt. Die Absolution bekam er von Uwe Seeler. Das Klubidol betonte, Finke habe ihm schon als Spieler gut gefallen.

Aus der Spielergeneration des FC Bayern, die 1999 und 2001 jeweils im Finale der Champions League stand, haben nicht Matthäus oder Effenberg, nicht Basler oder Scholl den erfolgreichsten Karriereweg als Trainer eingeschlagen, sondern der 43 Jahre alte Fink. Er ist neben Markus Babbel der einzige, der heute in der höchsten Liga arbeitet.

Warum ausgerechnet Fink? „Er ist sehr ehrgeizig und zielstrebig und will sich durchsetzen“, charakterisiert Thomas Helmer, heute gestandener Fernseh-Moderator bei Sport 1, seinen früheren Mitspieler. Zwei Jahre stand Helmer gemeinsam mit Fink im Kader des Rekordmeisters.

Kein Lautsprecher als Profi

Als Profi hielt sich der gebürtige Dortmunder immer ein bisschen im Schatten seiner namhaften Kollegen auf. „Er war ein Mannschaftsspieler, der eine klare Philosophie hatte“, berichtet Helmer. „Wenn er etwas gesehen hat, was ihm missfiel, dann hat er dazwischen gehauen und Zeichen gesetzt.“ Nach außen hätten andere größere Wirkung gehabt, aber ein Lautsprecher, so Helmer, wollte Fink nicht sein.

Die Eigenschaften, die Helmer dem Spieler Fink attestiert, werden auch dem Trainer Fink nachgesagt. Bayern-Granden wie Karl-Heinz Rummenigge („Man muss beiden gratulieren: dem HSV zu der Wahl und Thorsten Fink, der jetzt in Hamburg den nächsten Schritt in seiner Karriere macht“) oder Ottmar Hitzfeld („Thorsten wird den HSV vor dem Abstieg retten“), die Finks Weg in Salzburg, Ingolstadt und zuletzt beim FC Basel beobachtet haben, sind voll des Lobes über dessen Arbeit.

In Basel, wo Fink in gut zwei Jahren zwei nationale Meisterschaften, einen Pokalsieg und zwei Champions-League-Teilnahmen erreicht hat, flossen bei Spielern wie Fink selbst Tränen, als er Abschied nahm.

Bernhard Heusler, Vizepräsident des Vereins, verliert nach eigenen Angaben einen Top-Mann: „Fink kann besonders gut Vertrauen weitergeben, junge Spieler abholen und motivieren. Er ist sehr authentisch, ehrlich und ehrgeizig. Er bringt vieles mit für einen sehr guten Coach.

Gerade die Talentschmiede wird beim HSV groß geschrieben. Weil kein Geld für Stars da ist, muss Fink aus den jungen Spielern das Beste herausholen. In der Schweiz gelang ihm das immer wieder. So hat er unter anderen Xherdan Shaqiri, 20, erst zum Profi gemacht und formte ihn dann zum Nationalspieler.

In der Aufzählung des Baseler Präsidenten fehlt nur die Erfahrung, wobei Fink „offensichtlich einen großen Schritt getan hat“, sagt Heusler: „Hier in Basel ist der Druck auch enorm, nicht nur in der deutschen Bundesliga. Wir müssen immer Meister werden. Fink hat alle wichtigen Spiele gewonnen.“

Keine Angst vor dem Abstieg

Dem klammen HSV ist Fink rund 700.000 Euro Ablöse wert. Wenn der Trainer Erfolg hat, werden insgesamt bis zu eine Million Euro an den FC Basel überwiesen.

Fink selbst sagt, er habe keine Angst vor dem Abstieg. „Potenzial ist da, sonst wäre ich gar nicht gekommen. Es gibt junge Spieler mit Entwicklungs-Potenzial, aber auch den ein oder anderen erfahrenen. Die Mischung stimmt beim HSV“, sagt er.

Das Spiel des HSV am Sonntag beim SC Freiburg wird Fink noch nicht live verfolgen. Er nutzt den Tag zur Fahrt nach Hamburg, wird beim Anpfiff vor dem Fernseher sitzen. Am Abend nach der Rückkehr aus dem Breisgau soll er seine neue Mannschaft dann in der HSV-Arena empfangen.

Dass der neue Trainer, anders als in Basel, zunächst um Punkte für den Klassenerhalt kämpfen muss, sei ihm bewusst. Das berichtet zumindest Arnesen. „Ich habe Thorsten gesagt, dass wir im Moment finanziell keine großen Möglichkeiten haben und dass jedes Spiel für uns ein Finale ist. Und er wollte danach immer noch zum HSV. Ich glaube, ich habe den richtigen Mann gefunden.“

Mit Vorschusslorbeeren wurde in Hamburg zuletzt mancher Trainer begrüßt. Die Erwartungen standen meist im direkten Gegensatz zur Verweildauer auf einem der Schleudersitze der Liga. Mit Fink soll nun ein neuer Versuch gestartet werden, Kontinuität in den Laden zu bekommen. Sein Vertrag läuft zunächst bis 2014.

Angreifer Mladen Petric, wie Fink ein Ex-Baseler, hofft: „Es wäre wichtig, wenn ein Trainer über lange Zeit hier arbeiten kann. Auch für den Verein, der dann ein Aushängeschild hat.“ Thorsten Fink hat gegen diese Rolle nichts einzuwenden.