Bayern München

Jetzt macht Uli Hoeneß auch im Basketball Ernst

Der FC Bayern macht keine halben Sachen und greift gleich im ersten Jahr nach dem Bundesliga-Aufstieg auch im Basketball im ganz großen Stil an.

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Mir san mir. Dieses Gefühl des FC Bayern München, das die einen mit Selbstbewusstsein, andere aber auch mit einer gewissen Arroganz in Verbindung bringen, pflegt wohl niemand so überzeugend wie Klubpräsident Uli Hoeneß. Diese Einstellung gilt nicht nur im Fußball, inzwischen haben die Münchner auch den Basketball für sich entdeckt. Die Mannschaft hat den Aufstieg in die Bundesliga geschafft, gespickt mit guten Spielern, angeführt von Bundestrainer Dirk Bauermann; in der vergangenen Saison wurde München von einer Begeisterungswelle für das Spiel unter den Körben erfasst.

Hoeneß denkt jedoch schon in ganz anderen Kategorien. Think big. Dirk Nowitzki, der Weltstar, der mit den Dallas Mavericks den Titel in der NBA gewonnen hat, bei den Bayern. Das wär’s. Nichts scheint unmöglich. Die NBA hat seine Spieler wegen eines Gehaltskonflikts ausgesperrt, keiner weiß, wie es weitergeht. Vielleicht spielen von Oktober an die Großen aus der besten Liga der Welt in Europa. „In dem Moment, wo Dirk Nowitzki sagt, dass er in Deutschland spielen will, dann denke ich, dass wir der Verein sind, der so etwas hinkriegen kann“, sagt Hoeneß. Die Bayern, wer sonst? „Ich denke, dass ich dafür nicht länger als drei Tage brauche“, ist sich der Präsident sicher. Mir san mir eben.

Noch ist die Sache mit Nowitzki ein Traum, mehr nicht. Doch die Realität ist schon eindrucksvoll genug. „Viele Raketen“ sieht Hoeneß, wenn er sich die Mannschaft für die nächste Saison anschaut. Zuletzt wurden nach den Nationalspielern Philipp Schwethelm und Jan Jagla auch noch deren Kollege Robin Benzing sowie Je’Kel Foster und Sharrod Ford verpflichtet. Ford, einst auch bei Alba Berlin unter Vertrag, war in der vergangenen Saison viertbester Werfer, bester Rebounder und Blocker in der italienischen Liga.

„Zwei absolute Traumspieler, an denen wir auch interessiert waren. Unser Budget hat das aber nicht zugelassen“, sagt Wolfgang Heyder, der Geschäftsführer der Brose Baskets Bamberg, die Meister und Pokalsieger sind, mit Blick auf die beiden US-Amerikaner. Für Heyder steht fest: „Nominell zählt der FC Bayern damit zu den Titelfavoriten.“

Drittes Schwergewicht in der Liga

Zu Bamberg und Alba ist in der Liga ein drittes Schwergewicht gekommen. „Die Erwartungen sind hoch“, weiß Spielmacher Steffen Hamann, auch ein Nationalspieler und ebenfalls schon in Berlin tätig gewesen. Bayerns Sportdirektor Marko Pesic, richtig, auch ehemals bei Alba, will sich nicht auf ein Saisonziel festlegen: „Zuerst einmal muss aus vielen guten Spielern eine Mannschaft werden.“ Hoeneß ist da gewohnt forscher: „So schnell wie möglich“ wolle man deutscher Meister werden. Sieben Millionen Euro beträgt zumindest offiziell der Etat der Münchner, was in etwa auf dem Niveau der Konkurrenz aus Berlin und Bamberg liegt.

Die Ligaleitung begrüßt den bayrischen Premium-Aufsteiger freudig. „Das wird der Liga einen Schub geben“, ist sich Jan Pommer sicher, der Geschäftsführer der BBL. „Auf der DNA von Bayern München ist Erfolg ein zentraler Bestandteil.“ Heyder sieht, „dass wir und die Liga davon unheimlich profitieren können“. Albas Teammanager Mithat Demirel stimmt zu: „Wir haben das von vorneherein begrüßt.“ Dass die Münchner auf dem Transfermarkt so zugeschlagen haben, „hat mich nicht überrascht“. Doch andererseits ist der Konkurrenz auch klar, dass sie es gegen die geballte Bayern-Macht schwer haben wird. Die zuletzt getätigten spektakulären Transfers der Münchner waren eine klare Ansage.

Der erfolgsverwöhnte Fußballklub Bayern und die Korbjäger – diese Kombination gilt zurzeit als das interessanteste Projekt im europäischen Basketball. Und daher wurden die Münchner auch gleich mit einer Wildcard für den Eurocup bedacht, der zweiten Klasse unter der Europaliga. „Wir haben uns nicht beworben, man ist auf uns zugekommen“, sagt Pesic. Die veranstaltende Uleb wollte die Bayern unbedingt dabei haben. Das dürfte ganz nach dem Geschmack von Uli Hoeneß gewesen sein.