Motorsport

Alex Zanardi fährt immer perfekt am Limit

Der beinamputierte Italiener Alex Zanardi bestritt Anfang November in New York seinen ersten Marathon und wurde mit seinem Handbike auf Anhieb Vierter. Am Wochenende fährt er beim Finale der Tourenwagen-WM in Macau sein 60. Rennen und wird auch im kommenden Jahr wieder an den Start gehen.

Foto: AP

Fünf Piloten kämpfen beim Saisonfinale der Tourenwagen-WM in Macau noch um den WM-Titel, doch der größte Sieger steht bereits fest. Es ist der Italiener Alessandro Zanardi, der immer wieder den Kampf gegen sich selbst gewinnt. Nach seiner Bein-Amputation 2001 kehrte der frühere Formel-1-Pilot ins Rennauto und aufs Siegerpodest zurück. In Macau wird er sein 60. WM-Rennen fahren und der Serie dann auch 2008 treu bleiben. Und er hat sich viel vorgenommen: „Ich kann nach wie vor Rennen gewinnen.“

Zuvor könnte er in Macau im heißen WM-Finale vielleicht seinen BMW-Markenkollegen Andy Priaulx (Großbritannien/81 Punkte), Augusto Farfus (Brasilien/71) und Jörg Müller (Hückelhoven/66) im Kampf gegen Seat-Pilot Yvan Muller (Frankreich/81) und Alfa-Romeo-Fahrer James Thompson (Großbritannien/69) wertvolle Schützenhilfe leisten.

Vierter beim New York Marathon

Zanardis Vorbereitung auf die letzten beiden Saisonläufe war mit Sicherheit die ungewöhnlichste aller Fahrer. Vor knapp zwei Wochen nahm er auf einem Handbike am New York Marathon teil und belegte auf Anhieb in seiner Klasse den vierten Platz. „Ich bin absolut glücklich über meine Leistung. Insgesamt war es eine einmalige Erfahrung, beim New York Marathon dabei gewesen zu sein“, sagte Zanardi.

„In meiner Wettkampfgruppe waren mehr als 50 Konkurrenten am Start. Für die meisten Athleten war es nicht der erste Marathon, viele hatten sich ganz gezielt auf den Saisonhöhepunkt New York vorbereitet. Ich habe mein Handfahrrad hingegen erst bei den Tourenwagen-WM-Läufen in Monza Anfang Oktober zum ersten Mal gesehen und konnte kaum trainieren“, meinte er.

Kurz vor der Abfahrt aus dem Hotel war dann auch noch ein wichtiges Teil vom Fahrrad abgebrochen, „das wir auf die Schnelle nicht mehr ersetzen konnten. Deshalb war das Rad im Rennverlauf äußerst instabil und schwierig zu fahren. Ich muss sogar sagen, dass ich zum ersten Mal in meiner Karriere als Rennfahrer Angst vor der Geschwindigkeit gehabt habe.“

2001 beide Beine verloren

In seinem BMW 320si dagegen fühlt er sich sicher, er bewegt ihn wie seine nicht behinderten Kollegen perfekt am Limit. Nach seinem Horror-Unfall am 15. September 2001 beim US-Cart-Rennen auf dem EuroSpeedway Lausitz, bei dem er beide Beine verlor, beschäftigte er sich schnell wieder mit einem Gedanken: der Rückkehr ins Rennauto.

Beim Finale der Tourenwagen-EM 2004 in Monza war es dann so weit. In einem speziell für ihn umgebauten BMW mit Handgas und Lenkradschaltung feierte er ein sensationelles Comeback. In der folgenden Saison war er wieder komplett dabei - und schrieb am 28. August 2005 in Oscherleben Motorsport-Geschichte. Als erster körperbehinderter Fahrer gewann er ein Rennen in der Tourenwagen-WM, ein Jahr später ließ er in Istanbul einen weiteren WM-Sieg folgen.

Am 25. November 2006 kehrte Zanardi sogar noch einmal in einen Formel-1-Boliden zurück. BMW-Sauber hatte extra für ihn einen Wagen umgerüstet, mit dem Zanardi in Valencia einige Runden drehte. Seine Motivation ist dabei ganz einfach: „Ich will beweisen, dass es für Behinderte keine Hindernisse gibt.“