Biathlon-WM

Magdalena Neuner gewinnt Gold im Massenstart

Trotz vier Schießfehlern hat sich Magdalena Neuner ihren neunten Weltmeistertitel gesichert. Die deutschen Männer gingen im Massenstart-Rennen leer aus.

Magdalena Neuner strahlte mit der Sonne Sibiriens um die Wette, als sie Geschichte schrieb. Mit dem Gewinn des Massenstarts bei den Biathlon-Weltmeisterschaften im russischen Chanty Mansijsk krönte sich die 24 Jahre alte Doppel-Olympiasiegerin aus Wallgau zur erfolgreichsten Biathletin der WM-Geschichte. Nach 12,5 Kilometern setzte sich Neuner vor Darja Domratschewa (Weißrussland) und Tora Berger (Norwegen) durch. Dagegen enttäuschten die Männer im 15-km-Massenstartrennen. Sprint-Weltmeister Arnd Peiffer wurde als bester DSV-Skijäger Achter.

„Es war heute sehr anstrengend. Ich hatte Glück, dass die anderen auch daneben geschossen haben“, sagte Neuner, die insgesamt vier Fahrkarten schoss: „Ich hätte nach den Fehlern nicht gedacht, dass ich noch gewinne.“

Doch auf den letzten Kilometern war gegen Neuner kein Kraut gewachsen: „Ich wollte einfach Vollgas geben. Es gibt viel Selbstvertrauen, wenn man weiß, dass man läuferisch gut drauf ist. Man merkt, es ist das Ende einer Saison. Es tut alles weh, aber anscheinend bei den anderen auch“, sagte Neuner, die letztlich 4,8 Sekunden vor Domratschewa über die Ziellinie fuhr.

Bundestrainer Uwe Müssiggang lobte seinen Schützling. „Extrem starke Leistung von Lena heute. Das waren die Besten der Welt, und sie hat gezeigt, dass sie die Beste ist“, sagte Müssiggang. Neuner hatte in Sibirien bereits Gold im Sprint sowie Silber in der Verfolgung und mit der Mixedstaffel gewonnen. Mit dreimal Gold und dreimal Silber liegen die DSV-Skijäger in der Medaillenwertung auf Platz zwei hinter Norwegen (4/1/2).

Peiffer gab beim Sieg des Norwegers Emil Hegle Svendsen vor Jewgeni Ustjugow (Russland) und Lukas Hofer (Italien) mit zwei Fehlern schon im ersten Liegendschießen alle Medaillenchancen aus der Hand. „Die Hypothek vom ersten Schießen war zu hoch. Ich hatte kein gutes Gefühl“, sagte Peiffer. Dennoch zog der 23-Jährige ein positives Fazit. „Insgesamt war es aber eine tolle WM. Ich hab mich hier sehr wohl gefühlt und mit Platz acht einen würdigen Abschluss geschafft“, sagte er. Der dreimalige Turin-Olympiasieger Michael Greis dagegen enttäuschte nach seinem Aussetzer in der Staffel erneut mit Platz 20.

Bei den Frauen belegten Tina Bachmann, Andrea Henkel und Miriam Gössner die Plätze 12, 13 und 14. Zusammen mit Neuner tritt das Trio in der Staffel zum Abschluss der Weltmeisterschaften am Samstag (11.00 Uhr MEZ/ZDF und Eurosport) an. „Es ist auf jeden Fall die laufstärkste Mannschaft, die wir aufstellen können“, sagte Müssiggang. Neuner wird Schlussläuferin der hochfavorisierten Staffel sein, vor ihr gehen Henkel, Gössner und Bachmann in die Loipe. „Das kitzelt gewaltig, aber ich traue mir das zu“, sagte Neuner.

Neuner, die auch bei den Olympischen Spielen in Vancouver 2010 Gold im Massenstart gewonnen hatte, leistete sich insgesamt vier Schießfehler, doch auch die Konkurrenz patzte. In der Loipe war Neuner aber wieder eine Klasse für sich und lief letztendlich ungefährdet zu Gold. Neuner überholte mit 9 Gold- und 3 Silbermedaillen in der ewigen Frauen-WM-Wertung Petra Behle (9/2/2). „Die Ablösung kam ja nicht überraschend, sondern war abzusehen, wenn man so jung schon so erfolgreich ist wie Magdalena“, sagte Behle.

Noch erfolgreicher als Neuner waren im Biathlon bislang nur noch sechs Männer, angeführt vom Norweger Ole Einer Björndalen, der der nach seinen Siegen in der Mixed- und Männerstaffel in Chanty Mansijsk die einmalige Erfolgsbilanz von insgesamt 16 WM- sowie 6 olympischen Goldmedaillen aufweist. Der Oberhofer Frank Luck holte insgesamt 11 WM-Titel, Ricco Groß (Ruhpolding) und Frank Ullrich (Oberhof) wie Neuner jeweils 9, aber mit 5 bzw. 4 Silbermedaillen noch mehr als Neuner.