PGA Championship

Sogar die Golflehrer sind besser als Tiger Woods

In Atlanta erlebt die Karriere des ehemaligen Ranglistenersten einen neuen Tiefpunkt: Der 14-fache Majorsieger scheitert bei der PGA Championship am Cut.

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Die "Fall Series" der amerikanischen PGA Tour ist die letzte Ausfahrt für die Erfolglosen. Im Schatten des großen Sports spielen Golfprofis, die es nicht unter die ersten 125 der Saisonwertung geschafft haben, um ihre Zukunft, nachdem zuvor die Kollegen von der Sonnenseite im lukrativen Playoff ihren Allerbesten ermittelt haben. Der Deutsche Alex Cejka etwa, noch sieglos in seiner PGA-Karriere, hat sich als häufiger Gast auf der "Herbstserie" etabliert.

Dieses Jahr nun könnte es auch einen Teilnehmer zu bestaunen geben, der dort eigentlich so viel zu suchen hat wie Bayern München in der Relegation um den Zweitligaaufstieg – seine golfende Majestät, Mister Tiger Woods.

Sonntagabend wird der Strich für die weitere Spielzeit gezogen, und er steht als 129. auf der falschen Seite. Sein Comeback nach drei Monaten Verletzungspause hat dem seit November 2009 sieglosen, in der Weltrangliste auf Platz 30 abgestürzten Woods nebst einem 37. Platz vorige Woche in Akron/Ohio nur einen weiteren Tiefpunkt beschert. Bei der PGA Championship im Atlanta Athletic Club komplettierte der 14-malige Majorsieger einen Grand Slam der weniger glorreichen Sorte. Wie beim Masters (1996, noch als Amateur), der US Open (2006) und der British Open (2009) verpasste er nun auch beim vierten Major der Saison einmal den Cut.

Spannt man den großen Bogen über seine bislang 15-jährige Karriere, zeigt diese Statistik natürlich vor allem eines – die Klasse und Beständigkeit eines epochalen Athleten. Zum Vergleich: Martin Kaymer, im Frühjahr 2011 vorübergehend Woods’ Erbe als Weltranglistenerster, hat in nur vier Jahren schon sieben Cuts bei Majorturnieren verpasst.

Der vorerst letzte kam auch bei ihm am Freitag in Atlanta hinzu, und da Kaymer als Titelverteidiger antrat, war dieses Erlebnis besonders ärgerlich. „Ich habe gekämpft wie noch nie, aber es sollte einfach nicht sein“, sagte der Deutsche. Immerhin verpasste Kaymer die Startberechtigung für das Wochenende mit 145 Schlägen (+5) nur um einen Schlag.

Bei Woods hingegen war es deutlich. Überdeutlich. 150 Schläge benötigte er für die ersten beiden Umläufe, das Ergebnis von zehn über Par war das schlechteste seiner Majorkarriere. Nachdem er seine Fans bereits mit einer 77er-Runde zum Auftakt regelrecht schockiert hatte, streute er auch während des zweiten Rundgangs immer wieder unerklärliche Aussetzer ein. Auf dem siebten Grün benötigte er aus sechs Metern drei Putts. An Loch elf rollte sein Bunkerschlag in den Teich.

Woods am Ende 116.

Eine Bahn später schoss er seinen Ball gleich zweimal tief ins Baumholz. Letztere zwei Abenteuer bescherten ihm jeweils Doppel-Bogeys, insgesamt musste er an beiden Tagen fünf dieser Art einstecken – das war ihm als Profi in einem Turnier noch nie passiert. Auf seine führenden Landsleute Jason Dufner und Keegan Bradley fehlten ihm 15 Schläge. Als 116. musste er sogar fünf der 20 Golftrainer den Vortritt lassen, die bei der PGA Championship traditionell starten dürfen.

„Frustration“ und „Enttäuschung“ waren zwei der Vokabeln, die Woods danach gebrauchte. Hatte er zur Einleitung seines Comeback noch wie selbstverständlich vom Kampf um Turniersiege gesprochen, musste er jetzt mangels Alternativen als „riesigen Fortschritt“ verbuchen, „zwei Wochen ohne gesundheitliche Probleme“ gespielt zu haben. Und jetzt? Kann er den Absturz irgendwann stoppen? Noch einmal der Alte werden? Wie seit inzwischen anderthalb Jahren hinterließ Woods auch in Atlanta wieder mehr Fragen als Antworten.

Er werde viel arbeiten, sagte er, mit seinem neuen Schwungtrainer Sean Foley: „Das ist jetzt unsere Zeit.“ Die nächsten Wochen, auf den Playoff-Turnieren, darf er ja sowieso nicht mittun, und ob er sich danach wirklich die Demütigung der „Fall Series“ antut, bleibe „zu diskutieren“, wie sein Agent Mark Steinberg sagte. „Fall Series“: Der Name klingt in seinem Zusammenhang ja auch wirklich etwas dramatisch.