PGA Championship

Die coole Tante ist Keegan Bradleys großes Idol

Bei der ersten Major-Turnier-Teilnahme seiner Karriere feiert Keegan Bradley einen sensationellen Triumph. Die Golf-Leidenschaft hat er von seiner Tante Pat geerbt.

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Via Twitter kommuniziert er für gewöhnlich nicht so gern. Doch als das nicht nur für ihn Unfassbare geschehen war, griff Keegan Bradley (25) erst einmal flugs zum Handy. Die Welt sollte wissen, was dem Golfprofi aus dem US-Bundesstaat Vermont justament durch den Kopf schoss. Den Empfängern dürfte es vermutlich schwer gefallen sein, sogleich den tieferen Sinn seiner Kurznachricht „pgachampion. triplebogy. Happiness“ zu entschlüsseln. Doch Bradley selbst hätte das Erlebte in Johns Creeks kaum besser auf den Punkt bringen können.

Bei der PGA-Championship vor den Toren der Olympiastadt Atlanta spielte der 108. der Weltrangliste sein erstes Major-Turnier. Nach einem Triple Bogey am 15. Loch auf der Schlussrunde trennten ihn vom Führenden Jason Dufner schier uneinholbare fünf Schläge. Gedanken an einen Sieg verschwendete er nicht mehr. Doch der Neuling kämpfte sich zurück, lag nach 72 Löchern gleichauf mit seinem Landsmann Dufner (jeweils 272 Schläge) und triumphierte schließlich im Stechen über drei Löcher mit eins unter Par.

Bradleys Glückseligkeit war vollkommen und kannte verständlicherweise keine Grenzen. Am liebsten hätte er die „ganze Welt umarmt. Ich kann es nicht glauben, was passiert ist“, sagte er nach seinem Husarenstreich. Ihm kam alles so unwirklich vor, dass ihn gar die Angst beschlich, es könnte nur ein Traum sein. Der aber war es nicht, gleichwohl sein erster Major-Titelgewinn schon dem Raritätenkabinett zuzuordnen ist.

Nur die Amerikaner Ben Curtis 2003 bei den British Open – damals 26 Jahre alt – und Francis Ouimet 1913 bei den US Open konnten ebenfalls eines der vier bedeutendsten Turniere beim Premierenstart für sich entscheiden. Der Sieg des seinerzeit 20 Jahre alten Ouimet aus Massachusetts vor 98 Jahren wurde verfilmt: „Das größte Spiel seines Lebens“, heißt das Werk.

Ein echter Filmstoff

Möglicherweise wird auch Bradleys Coup eines Tages auf Zelluloid gebannt. Stoff dafür liefern würde aber nicht nur die 93. PGA-Championship. Mit seinem Erfolg schließt sich ein Kreis, der mit ersten Puttversuchen in der Kindheit begonnen hatte. Golf zu spielen, das war Bradley gewissermaßen in die Wiege gelegt worden. Sein Vater ist Golflehrer und nahm den Knirps mit auf den Platz, seit dieser laufen konnte. Am meisten gelernt aber habe er von seiner Tante. Pat Bradley war in den 80er-Jahren ein Star in den USA. Die inzwischen 60-Jährige gewann zwischen 1980 und 1986 insgesamt sechs Major-Turniere. Live miterlebt hat er keinen davon, denn zum Teil war er ja noch nicht einmal geboren. Mit zunehmendem Alter ließ er jedoch keine Gelegenheit ungenutzt, an ihrer Seite mitzulaufen.

„Sie war und ist mein Idol“, erzählte Bradley. „Ich wollte immer wie sie sein und große Turniere gewinnen.“ Noch immer spricht der Neffe voller Bewunderung von der Anverwandten, die vor 16 Jahren ihre Profikarriere beendete. Er erinnert sich noch genau daran, wie ihr auf dem Platz „sehr oft direkt ins Gesicht gestarrt habe. Aber sie war immer so hoch konzentriert und hat mich überhaupt nicht wahrgenommen. Das fand ich echt cool“.

Eine der ersten Gratulanten

Die Tante gehörte auch zu den ersten Gratulanten. Leicht gingen ihr die huldigenden Worte nicht über die Lippen, dafür war die Dame nach dem dramatischen Spielverlauf einfach zu gerührt. Wie Bradley sich zurückgekämpft habe, sei wundervoll gewesen, sagte sie und fügte mit feuchten Augen hinzu: „Ich habe meine Geschichte im Golf geschrieben, nun ist Keegan an der Reihe.“

Wie weit es der Nachfahre tatsächlich bringen wird, ist noch ungewiss. Seit drei Jahren verdingt er sich als Profi. Im Frühjahr gewann er in Texas sein erstes PGA-Turnier, ebenfalls im Stechen.

Er verbesserte sich in der Weltrangliste um fast 80 Plätze auf Rang 29 und liegt jetzt sogar vor Tiger Woods (33.), dessen Formkrise kein Ende zu nehmen scheint. Der jahrelange Branchenprimus hatte wie Martin Kaymer (4.) als Titelverteidiger den Cut verpasst.

Bradleys Aufstieg soll weitergehen, das hat er sich geschworen. Auf keinen Fall möchte er „einer von den Jungs sein, die nach einem großen Sieg wieder in der Versenkung verschwinden. Ich möchte“, sagte er mit aller Entschlossenheit, „künftig immer in einem Zuge mit Männern wie Phil Mickelson genannt werden.“ Sein Landsmann hat immerhin schon 47 Turniere gewonnen.