Nationalmannschaft

Gomez sagt Bundestrainer Löw für Länderspiele ab

Nach seiner Drei-Tore-Gala gegen Kaiserslautern muss Mario Gomez für die Länderspiele passen. Der Bayern-Stürmer hat muskuläre Probleme.

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Den Kampf gegen den Spitznamen hat er gewonnen. Mario Gomez trug bis vor kurzem giftgrüne Fußballschuhe, seine Kollegen beim FC Bayern München riefen ihn deshalb "Kermit". Der Frosch aus der "Muppet Show" ist nicht gerade das Vorbild des Nationalstürmers, auch wenn über die fußballerischen Qualitäten des redseligen Lurchs wenig bekannt ist. Glück haben die quietschbunten Treter auch nicht gebracht.

Gomez wechselte auf Schuhe in Weiß-Rot – und erzielte in ihnen beim 3:0 (1:0) im Stadion des 1. FC Kaiserslautern alle Tore . Obwohl ihn Adduktorenprobleme plagten, er zuvor tagelang nicht trainieren konnte und sich sein Einsatz erst kurz vor Anpfiff entschied. Vor dem Spiel hatte sich auch Sturmtalent Nils Petersen warm gelaufen und sich vorsichtshalber auf einen Einsatz von Beginn an vorbereitet. "Das Glück ist zurück", sagte der 26-jährige Gomez. Allerdings musste er am Sonntag wegen seiner muskulären Probleme Bundestrainer Joachim Löw absagen, die Länderspiele gegen Österreich und in Polen werden ohne ihn stattfinden. Der Stuttgarter Cacau wurde nachnominiert.

Dank seiner Treffer übernahm der Rekordmeister am Samstag die Tabellenspitze. Viel wichtiger aber ist die Erkenntnis, dass die einzige echte Spitze der Münchner ihre Form gefunden hat: Weil Ivica Olic rund sechs Wochen verletzt ausfällt, haben die Bayern in Petersen nur einen Stürmer als Alternative, und der kam aus der Zweiten Liga. "Für mich war das unser bestes Saisonspiel", sagte Trainer Jupp Heynckes.

Gomez traf zunächst gegen Kaiserslauterer per Handelfmeter (37.), schoss später erneut einen Strafstoß, den er im Nachschuss zum 2:0 nutzte (55.). Sein dritter Treffer fiel nach einer Vorlage von Thomas Müller (69.). Bereits zum neunten Mal war der Angreifer in einer Partie dreimal erfolgreich. "Der Knoten ist geplatzt", sagte Mittelfeldstar Bastian Schweinsteiger über Gomez.

In den drei Ligaspielen zuvor hatte der Angreifer nur ein Tor erzielt und zahlreiche Chancen vergeben . Fans und Experten diskutierten bereits über die Schwächen der Mannschaft und ihres Premiumstürmers. Gomez selbst hatte die Latte hoch gelegt: In der vergangenen Saison war er mit 28 Treffern Torschützenkönig geworden. Die Diskussion um einige ausgelassene Tormöglichkeiten belustigten ihn: "Man könnte denken, ich habe seit 1000 Minuten nicht mehr getroffen. Ich wusste, dass die Tore wieder kommen werden."

Das taten sie: Schon im Rückspiel der Qualifikation zur Champions League beim FC Zürich (1:0) erzielte er das wichtige Tor. "Die einfachsten sind oft die schwersten", erklärte Gomez im ZDF-"Sportstudio" seine schwache Quote in den ersten Partien. Er zog einen interessanten Vergleich: Er wolle sich keineswegs mit Cristiano Ronaldo von Real Madrid und Lionel Messi gleichstellen, doch in der spanischen Liga, sagte Gomez, seien es die beiden Superstars, die die meisten Chancen vergäben.

Entscheidend für Gomez’ Erfolg ist das Vertrauen von Jupp Heynckes. Der Trainer ist überzeugt von ihm, beide schätzen sich sehr. "Wenn ich weiß, dass der Trainer auf mich setzt, hilft das", sagte Gomez. Unter Heynckes’ Vorgänger Louis van Gaal war das vor einem Jahr noch ganz anders. Gomez traf damals nicht, die Erwartungen wegen der Ablöse von rund 30 Millionen Euro schienen ihn zu belasten. Van Gaal soll ihm damals ziemlich unverblümt geraten haben, sich einen neuen Klub zu suchen. "Es gibt nicht einen Spieler, der dann noch gut spielen kann", sagt Gomez heute. Er sei aber froh, dass er damals nicht zum FC Liverpool wechselte.

Es sei nun erkennbar, dass sich die Mannschaft entwickelt. Tatsächlich ist es Heynckes gelungen, die Defensivarbeit des Torjägers deutlich zu verbessern. "40 Gegentore in der Vorsaison, das war nicht meisterwürdig. Jetzt sieht jeder, woran wir in den vergangenen Wochen gearbeitet haben", sagte Gomez.

Der Erfolg solle aber nicht nur an ihm festgemacht werden, so der Stürmer. Es werde immer viel auf die Spieler projiziert, die Tore erzielen. Viel wichtiger sei, dass jeder in der Mannschaft seine Aufgabe gegen Kaiserslautern sehr gut erfüllt habe. Sein gemeinsamer Jubel mit Müller nach dem 3:0 sei "demonstrativ" gewesen. Die beiden bilden derzeit eines der torgefährlichsten Offensivpaare der Bundesliga. "Er tut meinem Spiel sehr gut", sagte Gomez.

Trotz der guten Stimmung dürfe jetzt keiner beim FC Bayern nachlassen, warnt Gomez. Schließlich will er sich nicht schon wieder eine neue Schuhfarbe aussuchen müssen. "Er soll die weiß-roten Schuhe anbehalten, dann läuft es schon", sagte Müller augenzwinkernd.