Fußball

Cacau verhindert deutsche Pleite in Polen

Vier Tage nach der 6:2-Gala gegen Österreich ist die DFB-Elf beim Euro-Gastgeber Polen aus dem Tritt geraten. Mit seinem Tor in der vierten Minute der Nachspielzeit zum 2:2 verhinderte Cacau in Danzig die erste DFB-Niederlage gegen das Nachbarland.

Der Gala folgte der Kater. Nach dem Sieg gegen Brasilien und dem Fußballfest gegen Österreich kam die Nationalelf im Testspiel beim EM-Gastgeber Polen in der Nachspielzeit zu einem glücklichen 2:2 (0:0). Die Beinahe-Niederlage entsprang einer Mixtur aus vielen Abwehrfehlern und noch mehr vergebenen Chancen. Vielleicht hätte der Bundestrainer die Mannschaft nicht so sehr durcheinander wirbeln sollen.

Joachim Löw hatte die Anfangsformation im Vergleich zum 6:2 im Qualifikationsspiel gegen Österreich auf sieben Positionen verändert. So stand Tim Wiese anstelle von Manuel Neuer im Tor. In der Abwehr gab es allein drei Wechsel, nur Philipp Lahm behielt seinen Platz auf der linken Seite. Neben ihm kamen Per Mertesacker, Jerome Boateng und Christian Träsch zum Einsatz. Im defensiven Mittelfeld begann Simon Rolfes. Davor spielten Andre Schürrle, Mario Götze, Toni Kroos und Lukas Podolski. Einzige Sturmspitze war Miroslav Klose.

Klose vergibt Chance um Chance

Und als solche gebührte es ihm, die erste Chance im Spiel zu haben. Die Nationalelf begann mit großem Tempo, setzte den Gastgebern immer wieder zu und eroberte in deren Hälfte die Bälle. So wie in der 5.Minute, als Götze viel Zeit im gegnerischen Strafraum bekam und Klose in Szene setzte. Dessen Flachschuss konnte Torwart Wojciech Szczesny abwehren. Ein ungewohntes Gefühl – in der englischen Premier League war der Schlussmann mit dem FC Arsenal zuletzt 2:8 gegen Manchester United unter die Räder gekommen. Dermaßen viele Tore fing er sich an diesem Abend gegen Deutschland zwar nicht. Zu tun bekam er dennoch reichlich.

So wie nach neun Minuten. Da machte Lahm, was er so gern macht. Links die Linie lang, Einkehrschwung in die Mitte und mit rechts aufs lange Eck schlenzen. Szczesny parierte und konnte kurz darauf den ersten Angriff seiner Mannschaft bewundern. Mertesacker hatte sich von einem Steilpass überrumpeln lassen. Slawo Peszko wusste dies jedoch nicht zu nutzen. Der Offensivspieler des 1. FC Köln scheiterte am den Winkel verkürzenden Wiese.

So flott es auf dem Rasen zuging, so ruhig blieb es bis zum Abpfiff abseits des Spielfelds. Nur 500 Fans bevölkerten den deutschen Block, der das Vierfache hätte fassen können. Sie verhielten sich ruhig. Rechtsradikale Parolen und Transparent wie beim vergangenen Auftritt der Nationalelf in Polen 1996 gab es diesmal nicht. Auch die gefürchteten polnischen Hooligans machten sich bis zum Spielende weder in der Stadt, noch im neu eingeweihten Danziger Stadion bemerkbar. Die zahlreich erschienenen, aber zurückhaltenden Polizisten verlebten einen ruhigeren Abend als mancherorts befürchtet.

Außerdem war das Spiel ja aufregend genug. Die erste Halbzeit entwickelte sich zu einem Privatduell zwischen Klose und Peszko. Der Pole hatte noch zwei hervorragende Chance, schoss aber zunächst ans Außennetz (27.) und legte sich dann den Ball gegen Wiese zu weit vor (44.). Klose hatte sogar noch dreimal die Möglichkeit, das erste Tor der Spiels zu erzielen. Zunächst verpasste er ein Eingabe von Götze (20.), dann verstolperte er den Ball aus Nahdistanz (31.), um schlussendlich zunächst am Torwart zu scheitern und den zurück kommenden Ball über die Latte zu setzen (42.). Spätestens jetzt mag manchen Zuschauer das Gefühl beschlichen haben, dass der gebürtige Pole seinen ehemaligen Landsleuten partout nicht weh tun wollte. Was der Angreifer in einem Spiel zweier wackeliger Abwehrreihen an Chancen liegen ließ, war erstaunlich.

Abwehr schaut nur zu

Weitere sollten nicht dazu kommen, was jedoch nicht an der Treffsicherheit des Angreifers lag. Klose wurde ausgewechselt. Für ihn kam Cacau, der zunächst an die Vorstellung Kloses anknüpfte. Kurz nach der Pause schob er den Ball am Tor vorbei.

Wer so fahrlässig mit seinen Möglichkeiten umgeht, darf sich nicht wundern, wenn es der Gegner irgendwann besser macht. In der 55. Minute ging Polen in Führung. Deutschlands Defensive hatte dem Dortmunder Jakub Baszczykowski interessiert beim Dribbling mit anschließendem Pass zugeschaut. Dariusz Dudka versuchte, gegen Wiese einen Elfmeter rauszuholen. Doch ehe Schiedsrichter Orsato (Italien) eine Entscheidung fällen musste, traf Robert Lewandowski (55.).

Den Elfmeterpfiff gab es dann auf der anderen Seite. Der eingewechselte Müller war in den Strafraum eingedrungen und dort recht rüde umgesenst worden. Toni Kroos wurde seiner zunehmenden Verantwortung im DFB-Team gerecht und versenkte den Ball sicher rechts unten (68.). Es war das erste Tor im 21. Länderspiel für den Mann vom FC Bayern.

Deutschland übernahm nun wieder die Kontrolle über das Spiel. Schürrle traf mit einem herrlichen Schuss die Latte (76.). Doch obwohl der Pole Arkadiusz G*owacki mit Gelb-Rot vom Platz ging (81.), erzielten die Gastgeber die erneute Führung. Baszczykowski verwandelte einen von Wiese verschuldeten Elfmeter (90.+1). Aber Deutschland schlug noch einmal zurück. Cacau verwandelte mit dem Schlusspfiff eine Hereingabe von Müller.