Kolumne "Nachspielzeit"

Magaths wahnwitziges Import-Export-Konzept

Was vom 4. Spieltag übrig bleibt: Der VfL Wolfsburg, 2009 noch Meister, dümpelt wieder im Tabellenkeller. Trotz oder gerade wegen Magaths reger Transferaktivitäten.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Felix Magath ist nach der blamablen 0:3-Pleite des VfL Wolfsburg beim bis dato sieglosen SC Freiburg wieder da angelangt, wo er seine Laufbahn als Bundesliga-Trainer begann: im Tabellenkeller.

Vor 16 Jahren, im Oktober 1995, beförderte HSV-Präsident Uwe Seeler den Assistenten des entlassenen Benno Möhlmann zum Cheftrainer. Magath führte den Klub aus der Abstiegszone in den Uefa-Cup und erwarb sich den Ruf des „Feuerwehrmanns“, den er in den folgenden Jahren beim 1. FC Nürnberg, bei Werder Bremen und Eintracht Frankfurt bestätigte.

Auf allen Stationen arbeitete Magath nur kurzzeitig erfolgreich, nirgendwo über eine komplette Spielzeit. Magath wurde in der Abstiegsnot geheuert und auf der nächsten Talfahrt gefeuert.

Seinen zweifelhaften Ruf als Retter und Spitznamen wie „Quälix“ oder „Saddam“ konnte Magath erst in Stuttgart ablegen, wo er 2001 mit dem VfB zunächst den Klassenerhalt schaffte und in den folgenden zwei Spielzeiten trotz großer finanzieller Sorgen des Vereins eine Spitzenmannschaft formte mit den sogenannten „jungen Wilden“ Hildebrand, Lahm, Hinkel, Hleb und Kuranyi.

„Es kann sich jeder seinen Retter suchen, bei mir braucht keiner mehr anrufen“, teilte Magath vor zehn Jahren der Bundesliga mit.

In Stuttgart wurde Magath nicht entlassen, sondern der FC Bayern kaufte ihn 2004 aus dem laufenden Vertrag heraus. „Felix ist unser Wunschtrainer, weil bei ihm Fitness, Ordnung und Disziplin ganz oben stehen“, sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge damals.

Magath wurde zum Meistertrainer, der in München zweimal in Folge das Double (2005 und 2006) gewann und 2009 den VfL Wolfsburg zum vielleicht überraschendsten Titel der Bundesliga-Historie führte.

Bei den Bayern laut Selbstbeschreibung „Diener des Vereins“, agierte Magath in Wolfsburg quasi als Alleinherrscher. Mit dem vielen Geld von VW kaufte er über 30 neue Spieler und wechselte binnen zwei Jahren fast den kompletten Kader aus. Der Erfolg heiligte die Mittel.

Magath musste sich wie ein Magier fühlen. In der Saison darauf führte er mit demselben exzessiven Import-Export-Konzept den FC Schalke auf den zweiten Tabellenplatz und damit in die Champions League. Aber das wahnwitzige Geschäftsmodell des Heuerns und Feuerns floppte in der Saison 2010/2011.

Spieler sind nur Spielfiguren

Schalkes Team war keine Mannschaft, und das war Magaths Schuld, für den Spieler nur Spielfiguren zu sein scheinen. Bayern-Kapitän Philipp Lahm in seiner Autobiografie über dessen Münchner Zeit: „Er lässt viele Spieler im Ungewissen, ob er auf sie setzt, und holt auf diese Weise ein Maximum an Einsatz aus ihnen heraus. Für die Spieler ist das sehr anstrengend, und es kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo sie nicht mehr auf der Seite des Trainers stehen.“

Magath musste auf Schalke gehen - und ging einen Tag später als Retter zu Ex-Meister VfL Wolfsburg, den er durch drei Siege in den letzten vier Spielen vor dem Abstieg bewahrte.

Trotz des positiven Trends am Saisonende leitete der Trainermanager erneut einen emotionslosen Radikalumbruch ein und holte zahllose neue Spieler nach Wolfsburg, darunter mit Salihamidzic, Hitzlsperger oder Kyrgiakos zwar Spieler mit bekannten Namen, die aber ihre beste Zeit mutmaßlich schon hinter sich haben.

Kader unnötig aufgebläht

Schon in Gelsenkirchen hatte man verständnislos den Kopf geschüttelt, als Magath Auslaufmodelle wie Angelos Charisteas und Ali Karimi von einer seiner Einkaufstouren mitschleppte, die den Kader unnötig aufblähten.

„Wir sind noch kein richtiges Team. Jeder hat sein eigenes Süppchen gekocht. Jeder denkt zu sehr an sich“, klagte Nationalspieler Christian Träsch nach dem 0:3 in Freiburg, der dritten Wolfsburger Niederlage in Folge, zu der auch die einst von Magath aussortierten Erik Jendrisek und Cedric Makiadi Tore beisteuerten.

Träsch kam erst diesen Sommer aus Stuttgart und trägt schon die Kapitänsbinde, weil Magath den bisherigen Spielführer Marcel Schäfer nach dem peinlichen Pokal-Aus gegen RB Leipzig kurzerhand entmachtete.

Entgegen dem Trend in Liga und Nationalelf spielen junge Talente bei Magath offenbar gar keine Rolle. Der 24-jährige Träsch war gegen Freiburg der einzige Wolfsburger unter 25 Jahren. Dabei stellt der VfL den amtierenden deutschen A-Jugend-Meister.

Bis Mittwoch steht das Transferfenster noch offen. Angeblich ist Michael Ballack im Anflug zum VfL Wolfsburg , der nach der Länderspielpause laut Magath nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben wird.