Schwimm-WM

Bronze für vom Lehn – DSV-Staffel verpasst Medaille

Positive WM-Überraschung: Christan vom Lehn schwamm über 200-Meter-Brust auf den dritten Platz. Die DSV-Staffel mit Paul Biedermann verpasste Edelmetall.

Foto: Getty Images/Getty

Nur wenige Augenblicke nach der WM-Siegerehrung mit Überraschungsbronze für Christian vom Lehn über 200 Meter Brust ging es in den Katakomben des Schwimm-Tempels wieder um das traurige WM-Ende von Britta Steffen .

Bundestrainer Dirk Lange wich Fragen zu widersprüchlichen Aussagen über die fluchtartige Abreise der Doppel-Olympiasiegerin aus, Paul Biedermann appellierte an mehr Fairness für seine bei den Titelkämpfen in Shanghai gescheiterte Freundin. „Das, was Britta jetzt abkriegt, das hat sie nicht verdient. Sie ist eine von Deutschlands erfolgreichsten Sportlerinnen, dann sollte man doch respektvoller mit ihr umgehen“, betonte der zweimalige Bronzemedaillengewinner und sprach von „Hetze“.

Nach einem guten vierten Platz mit der 4 x 200 Meter Freistil-Staffel deutete der 24-Jährige zumindest an, warum die entthronte Weltmeisterin nicht wie angekündigt bis zum Sonntag das Team bei den Titelkämpfen unterstützt. „Damit sie hier einfach diesem Dauerfeuer entgeht“, sagte Biedermann und bezeichnete den Flug in die Heimat im ARD-Hörfunk als „richtig“.

Die Verantwortlichen des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) machten und machen aus den Gründen für die Abreise ein Geheimnis. „Es hat verschiedene Gründe dafür gegeben, die ich im Detail nicht erklären werde, auch nicht während der WM“, sagte Leistungssportdirektor Lutz Buschkow.

Buschkow ließ damit jedoch Tür und Tor für Spekulationen offen, ebenso wie Lange. Der Bundestrainer hatte sich Stunden vor dem offiziellen Statement des Leistungssportdirektors gar noch dahingehend geäußert, dass er Britta Steffen bis zum WM-Ende als anfeuerndes Teammitglied in China erwartet.

Es war wohl nur ein Zufall, dass Lange und Buschkow nach den Journalisten-Fragen in den Katakomben des Oriental Sports Centers in verschiedene Richtungen auseinandergingen – aber es passte ins Bild des verwirrenden Tages.

Gemeinsam durften die beiden aber über die Bronzemedaille des WM-Aufsteigers vom Lehn jubeln. „Riesenfreude. Der Junge ist einer der neuen Generation, einer der mit der Aufgabe wächst“, sagte der Bundestrainer. Zwar war der 19-Jährige beim Finale seiner Debüt-WM schon „nervös“, doch cool winkte er dem Publikum vor dem großen Rennen entgegen.

Mit kluger Renneinteilung und starkem Finish schwamm auf Platz drei über 200 Meter Brust. Nach Bronze der Frauen-Staffel über 4 x 100 Meter Freistil und zweimal Bronze für Biedermann über 200 und 400 Meter Freistil das vierte Edelmetall der deutschen Beckenschwimmer.

Wie Weltrekordhalter Biedermann war auch vom Lehn jetzt WM-Medaillengewinner. „Vielleicht haben wir den nötigen Killerinstinkt und die nötige Mentalität oder Charakterstärke“, sagte er mit leuchtenden Augen am größten Tag seiner noch jungen Sportlerkarriere. War Biedermann mit Bronze über 200 Freistil nicht zufrieden, so ließ auch der Abiturient zumindest die Ansätze für das im Verband so oft vergeblich gesuchte Sieger-Gen erkennen.

Denn so sprach er von den vor ihm platzierten Daniel Gyurta (Ungarn/2:08,41 Minuten) und Kosuke Kitajima (Japan/2:08,63). „Schade, die sind noch eine Nummer zu groß für mich, aber auch über Bronze kann ich mich super freuen“, sagte er dem für ihn 2:09,06 Minuten langen Rennen.

Nach Platz acht im Vorlauf steigerte sich die Staffel mit Biedermann, Christoph Fildebrandt, Benjamin Starke und Tim Wallburger im Finale mächtig blieben aber in 7:08,32 Minuten klar hinter dem von China belegten Bronze Rang.

Viertes Gold für Lochte

Der Sieg ging an die USA in 7:02,67. Dass Biedermann das Quartett schneller als Phelps anschwamm, bedeutete ihm nicht viel. Wohl aber die Steigerung. „Wenn jeder noch ein bisschen zulegen kann, hat auch die 4 x 200 Meter Freistil-Staffel bei Olympia beste Chancen“, sagte Biedermann.

Mit dem US-Team holte sich Ryan Lochte sein viertes Gold in Shanghai. Zuvor hatte der Lagen-Weltrekordler in 1:52,96 Minuten über 200 Meter Rücken gewonnen. Zeitgleich, und vor allem überraschend, wurden Jeanette Ottesen (Dänemark) und Alexandra Gerassimenja (Weißrussland) in 53,45 Sekunden Nachfolgerin über 100 Meter Freistil von Weltmeisterin Steffen. Rebecca Soni (USA) gewann in 2:21,47 Minuten nach den 100 Metern auch die 200 Meter Brust.