Tennis

Lisicki gewinnt Turnier und sitzt in Dallas fest

Die Berlinerin Sabine Lisicki triumphiert in Dallas durch einen lockeren Finalsieg gegen die Französin Aravane Rezai. Doch jetzt kommt sie nicht nach New York.

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Sabine Lisicki hatte es eilig und packte nach dem Turniersieg in Dallas ganz schnell ihre Siebensachen zusammen. Nur 49 Minuten brauchte sie für das 6:2, 6:1 im Endspiel gegen die Französin Aravane Rezai aus Frankreich, doch aus der schnellen Abreise zu den am Montag beginnenden US Open wurde nichts.

Es ging kein Flugzeug mehr, auch keine Bahn, und selbst mit dem Auto wäre die Fahrt nach New York viel zu gefährlich gewesen. Hurrikan „Irene“ stoppte die schnelle Wimledon-Halbfinalistin. „Ich weiß nicht, wie ich nach Flushing Meadows kommen soll“, sagte sie genervt.

Auf der Anlage des Grand-Slam-Turniers im Stadtteil Queens ging am Sonntag nichts mehr. Während sich die Stadt auf den schlimmsten Hurrikan seit Jahrzehnten vorbereitete, 370.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen mussten und die U-Bahn erstmals seit der Inbetriebnahme vor 107 Jahren nicht fuhr, blieben auch die Tore des Billie-Jean-King-Tenniscenters den ganzen Tag über zu.

„Alles ist geschlossen, auch die Trainingsplätze in Manhattan. Da bleibt nur eins“, sagte Titelverteidiger Rafael Nadal, „im Hotel bleiben und ein paar Filme schauen.“ Eigentlich wollte der Spanier in einer Buchhandlung seine Biografie signieren. Doch auch daraus wurde nichts. Die Plakate waren mit einem dicken Balken mit der Aufschrift „canceled“ (abgesagt) überklebt.

Nur Fish blieb cool im Angesicht des Hurrikans

„So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagte Nadal in einer der üblichen Pressekonferenzen zwei Tage vor Turnierbeginn, die diesmal allerdings ungewöhnlich kurz ausfiel. Niemand verspürte angesichts der heraufziehenden Gefahr Lust, über Erfolgaussichten, Befindlichkeiten und Stärken und Schwächen der Gegner zu philosophieren. „Ich hoffe, es wird nicht zu schlimm und niemandem passiert etwas“, sagte Federer.

Nur einer blieb verhältnismäßig cool: Mardy Fish, der als Sieger der US-Open-Vorbereitungsserie zu den Mitfavoriten zählt, kommt aus Florida. „Ich habe eine ganze Reihe Hurrikanes erlebt“, sagte der an Nummer acht gesetzte Fish, der in der ersten Runde auf den Lübecker Tobias Kamke trifft. „Mein Frau kommt aus Kalifornien, sie war bei dem Erdbeben vor ein paar Tagen ganz ruhig. Ich kenne mich mit Hurrikans besser aus und bin jetzt ganz relaxed.“

Lisicki ist heiß auf Duell mit Venus Williams

Sabine Lisicki ist schon seit einiger Zeit wieder ganz entspannt. „Es war eine unglaubliche Woche hier in Dallas, und es waren unglaubliche drei Monate“, sagte die 21-Jährige, die in Wimbledon ihre lange Verletzungs- und Leidenszeit überwunden hatte und seither schier unaufhaltbar an die Spitze der Tennis-Welt drängt. Nach Charleston 2009 (Sand) und Birmingham (Rasen) in diesem Frühjahr holte sie nun ihren ersten Sieg auf einem Hartplatz. Im Verlauf des Turniers gab sie nicht einen Satz ab und verlor nur 13 Spiele.

Eine bessere Ausbeute hatte in den letzten Jahren nur Venus Williams, die 2005 in Istanbul 12 Spiele abgab. Die Amerikanerin könnte bei den US Open schon in der zweiten Runde Lisickis Gegnerin werden. Zwar hat die zweimalige US-Open-Gewinnerin lange nicht mehr beschwerdefrei gespielt, aber in Flushing Meadows ist sie immer besonders motiviert.

„Glückwunsch, olé. Wir warten auf Dich“

„Glückwunsch, olé. Wir warten auf Dich hier in New York“, twitterte Andrea Petkovic an Lisicki. Die beste des nur sechs Spielerinnen starken deutschen Aufgebots spielt zum Auftakt gegen die russische Qualifikantin Jekaterina Byschkowa.

Auch Tommy Haas – einer von sieben deutschen Tennis-Herren im Hauptfeld – bekommt es in Grand-Slam-Debütant Jonathan Dasnieres de Veigy aus Frankreich mit einem Qualifikanten zu tun. Der 33-Jährige hat seit seinem Comeback im Frühjahr nach 15-monatiger Verletzung nur zwei Spiele gewonnen. Er wird vielleicht schon nach den US Open entscheiden, ob er seine Karriere beendet.