US Open

Lisicki, Görges und Kerber in der dritten Runde

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Ulrike Weinrich

Angelique Kerber gelang eine Überraschung bei den US Open. Die Kielerin besiegte die an Nummer zwölf Gesetzte. Auch Sabine Lisicki und Julia Görges sind weiter.

Sabine Lisicki konnte es kaum fassen: Eine knappe halbe Stunde, bevor sie das Arthur-Ashe-Stadium für ihr Zweitrundenduell mit Venus Williams betreten sollte, erklärte ihr der Schiedsrichter plötzlich, dass ihre Gegnerin nicht antreten würde.

„Ich dachte zuerst: Ach ne, schade“, sagte Lisicki, „ich hatte mich so auf die Partie gefreut.“ Und nichts hatte darauf hingedeutet, dass ihre dritte Begegnung mit der siebenmaligen Grand-Slam-Siegerin bei den US Open ausfallen würde. Lisicki hatte sich mit gewohnter Routine in der Umkleide gedehnt und vorbereitet, ebenso wie Williams. „Ich habe Venus noch gesehen, es war alles normal. Deshalb hat mich die Absage ja so überrascht.“

Offiziell ließ Williams kurz darauf verlauten, dass sie am sogenannten Sjögren-Syndrom leide, einer Autoimmunerkrankung. „Ich bin sehr enttäuscht, dass ich nicht antreten kann“, so die 31 Jahre alte Amerikanerin, „aber die Krankheit nimmt mir meine Kraft und verursacht Müdigkeit und Gelenkschmerzen.“

Freier Tag

In der ersten Runde war bei Williams noch keine Beeinträchtigung sichtbar gewesen, die Absage nahm Lisicki mit gemischten Gefühlen auf. „Ich hatte zwei super Matches gegen sie“, sagte die 21 Jahre alte Berlinerin, „es wäre bestimmt wieder so gut geworden.“ Und Lisicki hatte sich dabei keineswegs als Außenseiterin gesehen, nicht nur, weil Williams verletzungsbedingt in dieser Saison nur vier Turniere gespielt hat.

Die Deutsche strotzt derzeit nur so vor Selbstvertrauen. Viele Experten sehen die Tennis-Frau mit den harten Schlägen nun als Geheimfavoritin auf den Turniersieg. „Darüber denke ich gar nicht nach“, meinte Lisicki, „ich habe inzwischen aber genug Erfahrung, um mit dem Erwartungsdruck besser umzugehen."

Dass sie einen freien Tag geschenkt bekam, nahm Lisicki dann aber doch dankbar an. Schließlich war ihre Anreise zum letzten Grand Slam-Turnier der Saison aufgrund des Wirbelsturms „Irene“ turbulent und erst in letzter Minute am Montag erfolgt. „Jetzt habe ich endlich Zeit, meinen Koffer auszupacken“, scherzte Lisicki. Sie sollte sich auf einen längeren Aufenthalt in New York einstellen.

Görges ohne Druck

Julia Görges und Angelique Kerber folgten Lisicki in die dritte Runde. Die an Nummer 19 gesetzte Görges hatte wenig Mühe beim 6:3, 6:1 gegen die Spanierin Laura Pous-Tio. Am Freitag trifft die 22 Jahre alte Bad Oldesloerin auf die Chinesin Shuai Peng.

Die 13. der Setzliste „wird ein sehr hoher Prüfstein“, sagte Görges, „aber ich habe keinen Druck, ich bin die Außenseiterin“. Gegen die Katalanin Pous-Tio hatte Görges nur zu Beginn leichte Schwierigkeiten, ließ am Ende ihrer Gegnerin aber keine Chance.

„Ich bin ganz zufrieden mit mir, sie ist eine unangenehme Gegnerin, die einen für jeden Punkt arbeiten lässt. Anfangs brauchte ich etwas, um meinen Rhythmus zu finden. Aber sie schlägt nicht so gut auf, als dass man nicht noch mal ein Break gegen sie schaffen kann. Die Chance habe ich am Anfang zum Glück genutzt“, sagte Görges nach dem 70 Minuten dauernden Match.

Überraschung durch Kerber

Angelique Kerber setzte sich am Mittwoch in 2:08 Stunden mit 6:3, 4:6, 6:3 gegen die Polin Agnieszka Radwanska durch. In der Runde der besten 32, in der sie 2010 in Wimbledon und bei den Australian Open schon zweimal bei einem Grand-Slam-Tennisturnier stand, trifft die 23-Jährige auf Alla Kudriawtsewa. Die Russin hat sie Anfang des Jahres in Hobart/Tasmanien im bislang einzigen Vergleich in zwei Sätzen geschlagen.

Gegen Radwanska war die in Bremen geborenen Kerber krasse Außenseiterin. Schließlich trennen sie 79 Plätze von der Weltranglisten-13. Doch schon in Peking vor einem Jahr gelang es ihr, die 22-jährige Polin auf Hartplatz zu bezwingen und die Niederlage 2008 in Berlin auszugleichen. Nur im zweiten Satz stand Kerber auf verlorenem Posten. Doch als es im dritten Durchgang darauf ankam, zeigte sie großartige Nervenstärke.

Roddick besiegt Landsmann

In den beiden Abendpartien gab es Favoritensiege. Zunächst setzte sich Andy Roddick in der ersten Runde gegen seinen amerikanischen Kollegen Michael Russell mit 6:2, 6:4, 4:6, 7:5 durch. Roddick, der 2003 als letzter Amerikaner bei den US Open triumphierte, bekommt es in der zweiten Runde mit seinem 18-jährigen Landsmann Jack Sock zu tun.

Problemlos verlief auch der Zweitrundenauftritt von Maria Scharapowa. Die Weltranglistenvierte bezwang im russischen Duell Anastasija Jakimowa nach nur 70 Minuten mit 6:1, 6:1.

( dpa, sid/fb )