US Open

Andrea Petkovic gegen den Rest der Welt

Für Andrea Petkovic ist es nur noch ein Spießrutenlauf - für Tommy Haas ein Stück gelebter Glückseligkeit: Die Stunden außerhalb des Courts könnten für das erfolgreiche deutsche Tennis-Duo in den Tagen von New York nicht konträrer verlaufen.

Während die Weltranglistenelfte Andrea Petkovic bei den US Open wegen ihres Meniskuseinrisses einen Kampf "Petko gegen den Rest der Welt" führt, weiß Tommy Haas inzwischen selbst die Nervosität zu schätzen. "Mittlerweile kann ich sogar die Anspannung genießen, die Nacht vor einem Spiel oder das Abendessen davor. Dieses Gefühl bekommt man nirgendwo anders geboten", sagte der nach 15-monatiger Verletzungspause erst im April auf die ATP-Tour zurückgekehrte Haas über das neue Glücksgefühl.

Mit seinem Drittrundeneinzug hat sich der 33 Jahre alte Routinier nach Monaten voller Zweifel und Gerüchten über ein Karriereende endgültig zurückgemeldet. "Vielleicht bin ich wieder ein bisschen der alte Tommy Haas", brachte der gebürtige Hamburger die Eindrücke auf den Punkt, nachdem er vor Flushing Meadows nur zwei von zehn Matches gewonnen hatte.

Auch Andrea Petkovic würde sich momentan wünschen, die alte zu sein. Stattdessen vollzieht die verletzte Darmstädterin in Flushing Meadows einen Drahtseilakt, der im Drittrundenmatch gegen Roberta Vinci (Italien) seine Fortsetzung finden wird. "Acht Leute in meinem Umfeld wollen mich vom Spielen abhalten. Aber mich kann keiner abhalten, bevor es nicht krach macht", sagte die 23-Jährige.

Spielen, so lange es geht

Wohlwissend um die Gefahren hat Petkovic ihre Motive für den für viele unverständlichen Tanz auf der Rasierklinge. Sie habe sich vorgenommen, "tougher zu werden." Eine Absage oder Aufgabe, von der sie im Zweitrundenspiel gegen Zheng Jie "zwei Prozent" entfernt war, würde sie als Rückschlag auf dem Weg nach ganz oben betrachten: "Ich spüre doch gerade, wie ich mich als Spielerin weiterentwickle." Und die Melbourne- und Paris-Viertelfinalistin lässt nichts unversucht, die missliche Lage zu verbessern. Ein italienischer Arzt soll in New York mit einer Lasertherapie für Linderung sorgen. Das Problem ist, dass Petkovic den Schmerz im bereits 2008 operierten Knie nicht ständig spürt. "Aber dann plötzlich fährt er mir rein." Was zur Folge hat, dass sie die folgenden Ballwechsel gehemmt spielt. "Und damit kann man keinen Blumentopf gewinnen."

Tommy Haas hat Verständnis für die kämpfende Andrea Petkovic. "Ich rate ihr, es so lange wie möglich zu genießen und dann nach dem Turnier eine Auszeit zu nehmen", meinte der mit 33 Jahren und fünf Monaten älteste verbliebene Spieler im Feld ist.

Unterdessen hat Angelique Kerber erstmals das Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers erreicht. Die Kielerin besiegte die Russin Alla Kudrjawzewa locker mit 6:3, 6:1. Julia Görges (Bad Oldesloe) unterlag hingegen in Runde drei Peng Shuai (China) mit 4:6, 6:7 (1:7).