Ruder-WM 2011

Berliner Ruderer im Goldrausch

Nach 30 Siegen scheint der Ruder-Achter der Herren bei der WM 2011 unbezwingbar zu sein. Doch auch die Damen legen nach: Schlagfrau Britta Oppelt führt den Doppelvierer zum ersten WM-Titel seit neun Jahren.

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Dicke Tränen rannen über ihr Gesicht, immer wieder schluckte Britta Oppelt. Es waren sehr emotionale Minuten, die die Berlinerin durchlebte, als ihr die goldene Medaille um den Hals gehangen und danach zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft oder Olympia die deutsche Hymne für sie gespielte wurde. Britta Oppelt war glücklich, nach zehn Jahren in der Weltspitze ist die Ruderin bei der WM in Bled nun ganz oben auf dem Treppchen angekommen.

Nachdem die Schlagfrau den Doppelvierer der Frauen ins Ziel gelotst hatte, war die 33-Jährige noch viel zu erschöpft zum Jubeln. Schwer hingen ihre Arme im Wasser, selbst zum Lächeln fehlte im ersten Augenblick die Kraft. Mit einer aggressiven Taktik hatte sie das Boot zu einem souveränen Start-Ziel-Sieg geführt. „Nach dieser Saison wollten wir schon Gold holen. Dass es so geklappt hat, ist einzigartig“, sagte Oppelt.

Sie und ihre Berliner Kolleginnen Tina Manker und Julia Richter sowie Stephanie Schiller aus Potsdam hatten die Saison dominiert, zwei der drei Weltcups gewonnen. Mit Prognosen zum Finale tat sich die Ruderin von der Rvg Hellas Titania dennoch schwer. Schließlich war sie schon so oft bei großen Titelkämpfen gewesen, kehrte auch seit 2003 immer mit einer Medaille zurück. Nun eben nie mit Gold. Das lange Warten ist nun vorbei.

Hoffnungen für Olympia

Gleiches gilt für das Boot an sich. Über viele Jahre war der Doppelvierer der Frauen ein Boot mit Sieggarantie. Nach 2002 blieben die Erfolge bei Weltmeisterschaften jedoch aus. Lediglich 2004 bei Olympia gelang noch einmal ein Sieg. Dass nun mit Blick auf die Spiele in London auch im Doppelvierer eine sehr aussichtsreiche Besatzung gefunden ist, dürfte beim Deutschen Ruderverband (DRV) für viel Zuversicht sorgen.

Im Gegensatz zu Britta Oppelt ist ein anderer Berliner es gewohnt, auf dem Podest ganz oben zu stehen. Sein Handtuch ist für Martin Sauer in den vergangenen Jahren deshalb zu einem sehr wichtigen Utensil geworden. Als Steuermann eines Achters besteht ja immer die Gefahr, nass zu werden. Einmal vom durch die Kollegen aufgewühlten Wasser, und einmal, weil die Ruderer ihn beim einem Sieg traditionell ins Wasser werfen. Und der von Sauer gesteuerte deutsche Achter hat nun mal das Siegen zum Prinzip erhoben. In Slowenien gewann die Crew von Bundestrainer Ralf Holtmeyer gerade ihr 30. Rennen in Folge und wurde damit zum dritten Mal hintereinander Weltmeister.

Die Konstanz des deutschen Flagschiffes ist beeindruckend, selbst für den Bundestrainer. „Das muss ich jetzt alles erst mal verdauen. Ich wusste natürlich, dass wir gut drauf sind, aber nicht mal ich kann hellsehen“, sagte Holtmeyer. Schon am Start war das DRV-Boot, in dem mit Andreas Kuffner ein weiterer Berliner sitzt, vorn und baute seinen Vorsprung bis ins Ziel aus, wo es mit fast einer Länge vor den Rivalen aus Großbritannien und Kanada ankam. „Wir sind natürlich mit einer gesunden Portion Selbstvertrauen ins Finale gegangen, aber dass wir dann sogar eine Bootslänge Vorsprung herausfahren, hätte ich nicht gedacht“, sagte Schlagmann Kristof Wilke aus Radolfzell, „Wir haben unglaublich viel Power im Boot. Das war eine echte Duftmarke.“

Serie als großer Druck

Für den Bundestrainer fühlt sich die Medaille von Bled noch an „wertvoller als in den vergangenen beiden Jahren, da es eine vorolympische Saison ist“. Welchen Stellenwert die grandiose Serie letztlich haben wird, dürfte allerdings eng mit dem Abschneiden in London bei Olympia verbunden sein. Vor drei Jahren in Peking war der Achter dort nicht einmal im Finale gewesen. Nach dem Versagen wurde vieles verändert, das Team enteilte der Konkurrenz. Über die Kräfteverhältnisse im nächsten Jahr sagt das jedoch nichts aus. Neben ihrem Vorsprung nimmt die deutsche Crew vor allem den Druck der durch die Siegesserie riesigen Erwartungen mit nach London.

Wie schwer der Umgang mit solchen Voraussetzungen sein kann, weiß Holtmeyer selbst am besten. Schon von 1989 bis 1991 wurde der Achter unter ihm drei Mal in Serie Weltmeister, bei Olympia gewann das Boot dann aber nur Bronze. Auch ein US-Achter schaffte einmal drei WM-Siege in Folge, verfehlte dann jedoch Gold bei Olympia. „Das darf uns nicht passieren“, sagte der durchnässte Steuermann Martin Sauer, der keine Mühe hatte, die Mannschaft als erstes in Ziel zu leiten: „In diesem Team muss man niemand antreiben. Die Jungs quälen sich von allein.“