Autoimmunkrankheit

Sabine Lisicki sorgt sich um Venus Williams

Die Berlinerin Sabine Lisicki ist kampflos in die dritte Runde der US Open eingezogen. Die Geheimfavoritin profitierte vom Rückzug von Venus Williams, die am Sjögren-Syndrom leidet.

Zuerst war Sabine Lisicki geschockt, dann überrascht - und am Ende sogar ein bisschen traurig. Der kampflose Einzug in die dritte Runde der US Open in New York löste bei der Wimbledon-Halbfinalistin ein emotionales Chaos aus. „Ich hatte ganz gemischte Gefühle, denn ich bin noch nie durch einen Startverzicht einer Gegnerin weitergekommen“, berichtete Geheimfavoritin Lisicki, nachdem der Showdown mit der zweimaligen Turniersiegerin Venus Williams (USA) geplatzt war.

Lisicki, die am Freitag im Spiel um den Sprung ins Achtelfinale auf Lokalmatadorin Irina Falconi trifft, hatte sich bereits in der Umkleidekabine warmgemacht für das Duell im größten Tennisstadion der Welt. Dann kam der Schiedsrichter und unterrichtete sie vom Rückzug von Williams.

Arbeiten für den Einzug in Runde drei musste dagegen Angelique Kerber. Mit Erfolg. Aber nach dem Überraschungssieg spielte das Adrenalin der Kielerin einen Streich. „Ich wusste im Nachhinein gar nicht mehr, wie ich den Matchball überhaupt verwandelt habe. Ich musste es mir erzählen lassen, so fokussiert war ich“, sagte die 23-Jährige nach dem 6:3, 4:6, 6:3 gegen Agnieszka Radwanska (Polen/Nr. 12). Im Kampf um ihre erste Achtelfinalteilnahme bei einem Grand-Slam-Turnier trifft Kerber am Freitag auf die Russin Alla Kudryawzewa.

Statt in der 23.771 Zuschauer fassenden Arena zu spielen, blieb unterdessen Sabine Lisicki reichlich Zeit für TV-Interviews. „Ich war völlig überrascht, weil ich Venus vorher noch beim Training auf dem Platz gesehen hatte“, meinte Lisicki, der die Sorge um die frühere Weltranglistenerste anzumerken war.

Rückkehr von Williams fraglich

Die Rückkehr von Venus Williams auf die Tour ist zumindest fraglich, nachdem bei der siebenmaligen Grand-Slam-Siegerin eine Autoimmunerkrankung („Sjögren-Syndrom“) diagnostiziert wurde. Dabei greifen die Immunzellen die Speichel- und Tränendrüsen an. Venus Williams hatte bereits in den vergangenen Wochen über Schwäche und Muskelschmerzen geklagt. „Ich bin dankbar, dass ich jetzt die Diagnose habe. Ich werde daran arbeiten, dass es mir bald besser geht und ich schon bald auf den Court zurückkehren kann“, erklärte die 31-Jährige.

Damit setzte sich ausgerechnet bei ihrem Heimspiel die scheinbar unendliche Leidensgeschichte der Williams-Schwestern fort. Die einstige Nummer eins Serena war nach einer Not-OP wegen einer lebensbedrohlichen Lungenembolie und zwei Eingriffen am Fuß erst im Juni nach knapp einjähriger Pause in den Profizirkus zurückgekehrt.

Dass das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres unter keinem guten Stern steht, wurde spätestens durch das Williams-Drama deutlich. Bereits in der ersten Runde hatte es im Männer- und Frauen-Feld insgesamt sieben verletzungs- beziehungsweise krankheitsbedingte Aufgaben gegeben. Eine ebenso rekordverdächtige wie alarmierende Zahl.

„Man merkt, dass die Belastungen im Profitennis immer höher werden. Und wenn es zu viel wird mit Training, Matches und dem Arbeiten im Fitnessraum, dann wehrt sich der Körper eben“, meinte Ikone John McEnroe. Auch Davis-Cup-Spieler Philipp Petzschner hatte am Rande der US Open berichtet, dass er in den vergangenen Wochen am Pfeifferschem Drüsenfieber gelitten hatte.

Die Misere setzte sich am Mittwoch fort: Der Weltranglistensechste Robin Söderling (Schweden) konnte wegen einer Virusinfektion nicht zu seinem Zweitrundenspiel antreten. Die Belgierin Yanina Wickmayer, 2009 noch im Halbfinale, gab wegen einer Muskelverletzung auf. Da passt es ins Bild, dass Titelverteidigerin Kim Clijsters (Belgien) aufgrund einer Bauchmuskelblessur gar nicht erst an den Start ging.

Die besorgniserregende Entwicklung zeichnete sich bereits im Laufe der Saison ab. In diesem Jahr gab es allein im Kreis der Top 20 der Frauen-Weltrangliste zwölf Aufgaben. Auch Lisicki weiß, wie wertvoll die Gesundheit ist. Im vergangenen Jahr war sie wegen einer Knöchelblessur sechs Monate ausgefallen. „Das war eine harte Zeit. Ich weiß jetzt, dass alles ganz schnell vorbei sein kann. Durch die Verletzung hat sich meine Sichtweise geändert“, erklärte Lisicki und verriet: „Die Erfolge fühlen sich jetzt noch schöner an.“