Tennis

WC-Flucht – Verdorbenes Mittagessen stoppt Petkovic

Ein verdorbenes Mittagessen hat Andrea Petkovics Traum vom dritten Turniersieg ihrer Karriere platzen lassen. Sie konnte sich aber mit dem Sprung in die Top Ten trösten.

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Bei 0:4 im zweiten Satz gab es für Andrea Petkovic kein Halten mehr. Nur nicht so jämmerlich in die Knie gehen wie einst Pete Sampras am Rande der Bande. Also rannte die deutsche Nummer eins vom Centre Court schnurstracks auf die nächstgelegene Toilette des edlen La Costa Ressort und Spa in Carlsbad - und bereitete der Quälerei unter der Sonne Kaliforniens ein Ende.

„Da lag etwas wie ein Stein in meinem Magen, und das musste raus. Ich konnte es nicht länger zurückhalten. Ich bin normalerweise nicht die große feine Dame, aber ich wollte es nicht vor den ganzen Zuschauern tun müssen“, sagte „Petko“ nach der 6:4, 0:6, 4:6-Niederlage im Halbfinale gegen Agnieszka Radwanska (Polen) über ihre „WC-Flucht“.

Bereits vor dem Match und nach einem Mittagessen mit Reis und „irgendeinem Fleisch“ hatte sich sich die Fed-Cup-Spielerin komisch gefühlt. „Weil ich schlapp war, habe ich eine Banane gegessen“, berichtete Petkovic. Das habe aber alles nur noch schlimmer gemacht.

Stunden nach dem Zwischenfall hatte die 23-jährige Darmstädterin, die ab Montag erstmals in ihrer Karriere in den Top Ten auftaucht, ihren sonnengebräunten Teint zurück - und den „Petko“-Humor wiedergefunden. „Ich wollte nicht die nächsten 25 Jahren in TV-Rückblicken zu sehen sein. Deshalb musste ich vom Platz rennen wie eine Wahnsinnige“, erklärte die Straßburg-Siegerin und spielte auf die berühmteste Brech-Einlage der Tennis-Geschichte an.

Sampras übergab sich bei den US Open

Der langjährige Weltranglistenerste Pete Sampras hatte sich 1996 im Viertelfinale der US Open auf dem Platz übergeben. Es wirkte offenbar wie eine Befreiung: Der US-Amerikaner gewann nicht nur das Match gegen Alex Corretja (Spanien) in fünf Sätzen, sondern auch das Turnier. Auch Petkovic ging es nach der unvermeidlichen Auszeit „viel, viel besser“, obwohl zunächst die Energie fehlte. Der Traum vom dritten Turniersieg ihrer Karriere platze dann doch.

Trösten konnte sich die Hobby-Schlagzeugerin drei Wochen vor Beginn der US Open mit dem erstmaligen Sprung unter die ersten Zehn der Weltrangliste. „Es ist toll, eine Top-Ten-Spielerin zu sein. Aber ich habe noch viel Arbeit vor mir und noch viele Dinge zu verbessern“, sagte Petkovic. Im erlauchten Kreis ist sie die erste Deutsche seit Anke Huber im Oktober 2000. „Das ist ein Meilenstein und ein weiterer Riesensprung. Andrea gehört dorthin. Sie hat sich das durch ihre konstanten Leistungen verdient“, sagte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner.

"Ab jetzt wird es schwerer"

Anke Huber rät Petkovic, sich jetzt nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Obwohl die Hessin weiß, dass sie ihre Leistungen bestätigen muss. „Ich denke, dass es ab jetzt schwerer wird, da sie anfangen muss, die Ergebnisse vom letzten Jahr zu verteidigen“, erklärte Huber.

Der gute Start von Petkovic in die Hartplatzsaison weckt Hoffnungen auf die US Open (29. August bis 11. September). Bis zum letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres bestreitet die diesjährige Viertelfinalistin der Australian und French Open noch die Premier-Turniere in Toronto (ab Montag) und Cincinnati (ab 15. August). Trotz des Stresses bleibt für die charismatische „Petko“ noch genügend Zeit zum Träumen. Auf die Frage nach drei ihrer größten Wünschen antwortete sie: „Eine sonnige Insel - mit 500 gutaussehenden Jungs, von denen 250 Musiker sein sollten.“