Betty Heidler

"Ich trage weder Hotpants noch Röhrenjeans"

Im Interview mit Morgenpost Online spricht Hammerwerferin Betty Heidler über die Casting-Show von Heidi Klum, eingeschränkte Kleidungswahl und Eitelkeit.

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Morgenpost Online: Frau Heidler, haben Sie Ihr kleines Schwarzes schon für die WM eingepackt?

Betty Heidler: Ich werde dort keine Möglichkeit haben, es zu tragen, da ich ja erst am letzten Tag meinen Wettkampf habe. Und in der Nacht danach wird sicher nicht mehr viel passieren. Ich werde hoffentlich Grund zum Feiern haben, aber dafür brauche ich mich nicht zurechtmachen.

Morgenpost Online: Besitzen Sie überhaupt ein solches Abendkleid?

Heidler: (lacht) Sicher, und ich denke, ich sehe gut darin aus.

Morgenpost Online: Ziehen Sie es gern an?

Heidler: Bei der passenden Gelegenheit schon. Doch die Gelegenheiten sind eher selten.

Morgenpost Online: Folgen Sie den aktuellen Modetrends?

Heidler: Ich versuche es. Das Problem ist, dass ich als Hammerwerferin, die nun mal etwas kräftiger ist, nicht alles tragen kann. Es ist schade, doch dagegen lässt sich nichts machen. Ich habe nun mal ein paar mehr Muskeln als andere.

Morgenpost Online: Und das bedeutet?

Heidler: Das ich weder Hotpants noch Röhrenjeans trage. Trägerlose Oberteile fallen auch aus. Boleros gehen auch nicht.

Morgenpost Online: Warum verzichten Sie darauf?

Heidler: Weil mein Rücken und meine Oberschenkel nicht wie bei einer normalen Frau aussehen. Ich muss nicht noch extra einen draufsetzen, weil alles ohnehin schon breit genug ist. Es würde einfach nicht gut aussehen.

Morgenpost Online: Beneiden Sie Claudia Schiffer oder andere Models dafür, dass Sie alles anziehen können?

Heidler: Neid kenne ich nicht. Egal, worum es sich handelt. Vielmehr freue ich mich für andere, wenn sie etwas besitzen, was ich nicht habe. Ich muss nicht alles haben oder können. Sich für und mit anderen zu freuen, ist doch ein tolles Glücksgefühl und tut der Seele gut. Davon kann ich nicht genug haben.

Morgenpost Online: Trotzdem: Würden Sie nicht auch alles tragen wollen?

Heidler: Welche Frau würde das nicht? Ich hätte auch nichts gegen eine Modelfigur. Doch dann würde der Hammer ganz sicher nicht so weit fliegen. Übrigens: Ich bewundere Models für ihre Arbeit, die verdammt hart sein muss, und für ihre strenge Disziplin, ohne die sie in dem Business chancenlos wären. Für mich wäre dieser Job nichts.

Morgenpost Online: Weil Sie dann auch akribisch auf die Ernährung achten müssten?

Heidler: Beispielsweise. Darüber wird ja auch in Germanys next Topmodel immer wieder diskutiert. Die perfekte Figur ist nun mal in diesem Beruf entscheidend für den Erfolg.

Morgenpost Online: Spielt die in Ihrer Sportart keine Rolle?

Heidler: Jedenfalls nicht so maßgeblich, wie beim Modeln. Ob ich ein, zwei oder drei Kilogramm mehr wiege, ist nicht ganz so bedeutsam.

Morgenpost Online: Schauen Sie tatsächlich die Casting-Show von Heidi Klum?

Heidler: Ja, aber aber nie allein. Ich sehe sie nur mit anderen Mädels zusammen. (lacht laut)

Morgenpost Online: Warum lachen Sie so herzhaft?

Heidler: Für uns ist das Amüsement pur, die Sendung ist ein reiner Belustigungsabend. Die Mädels dort sind teilweise erschreckend naiv, manche aber auch ganz schön verrückt. Darüber lässt sich gut lachen.

Morgenpost Online: Würden Sie bei der Show gern mitmachen?

Heidler: Der Catwalk ist nichts für mich. Meine Bühne ist der Hammerwurfring. Da fühle ich mich sicher und zu Hause.

Morgenpost Online: Wert auf Ihr Äußeres legen Sie aber schon?

Heidler: Natürlich, sehr großen sogar. Ich bin mächtig eitel, dass muss ich schon zugeben. Vielleicht sogar einen Tick mehr als andere. Ungeschminkt würde ich nie aus dem Haus gehen. Durch meine roten Haare habe ich helle Wimpern und Augenbrauen. Deshalb schminke ich mich jeden Morgen. Und ungeschminkt zum Training gehe ich auch nicht.

Morgenpost Online: Und was machen Sie, wenn beim Duschen nach dem Training die Schminke verläuft?

Heidler: Dann wird abgeschminkt und neu geschminkt. Da kenne ich nichts. Ich übertreibe es aber auch nicht. Die Wimpern sollen nach Wimpern aussehen, ich möchte nicht wie krank aussehen.

Morgenpost Online: Schminken Sie sich auch vor einem Wettkampf?

Heidler: Das tue ich grundsätzlich. Das gehört zur Wettkampfvorbereitung dazu. Dabei schminke ich die Augen extremer als sonst.

Morgenpost Online: Warum? Machen größere Augen Ihre Gegnerinnen nervöser?

Heidler: Darum geht es mir nicht. Die Augen sind das Ausdrucksstärkste, was man hat. Wenn die perfekt geschminkt sind, fühle ich mich besonders wohl. Meistens sind ja Kameras mit dabei, und wie jede Frau möchte auch ich vor der Kamera gut aussehen.

Morgenpost Online: Lackieren Sie auch Ihre Nägel?

Heidler: Eher selten. Ich pflege sie, na klar. Auch die Füße und Hände, wobei es gerade mit den Händen so eine Sache ist.

Morgenpost Online: Sie meinen speziell die Handflächen, auf denen sich durch das Gewichtstraining und Werfen viel Hornhaut bildet.

Heidler: Meine Handflächen sind alles andere als weiblich und fraulich oder sanft. Das bringt meine Sportart nun mal mit sich. Da nutzt es auch nichts, jede Woche zur Maniküre zu gehen.

Morgenpost Online: Wie sind die Reaktionen, wenn Ihnen jemand die Hand gibt?

Heidler: Der eine oder andere guckt schon mal etwas überrascht. Gott sei Dank aber bildet sich die Hornhaut zurück, wenn ich mit dem Hammerwerfen aufhöre. Das merke ich schon, wenn ich nach der Saison im September vier, fünf Wochen pausieren. Die Hände sind dann viele weicher und geschmeidiger.

Morgenpost Online: Ist Hammerwerfer trotzdem sexy?

Heidler: Das Hammerwerfen an sich ist vielleicht nicht sexy, denn dort geht's um Schnellkraft, Dynamik und ums weite Werfen. Das muss auch gar nicht sexy sein, aber sicherlich schön anzusehen. Doch einige der Werferinnen sind sexy. Im Sportoutfit weniger, zivil umso mehr!

Morgenpost Online: Schauen Sie oft in den Spiegel?

Heidler: Ich bin zwar sehr eitel, aber das brauche ich nicht. Ich fühle mich nur wohl in meiner Haut, wenn ich gepflegt bin. Es wäre das letzte für mich, mit fettigen Haaren oder ungeputzten Schuhen im Rampenlicht zu stehen.

Morgenpost Online: Wie viel Paar Schuhe besitzen Sie? Es gibt ja Frauen, die bei jeder sich bietender Gelegenheit Schuhe kaufen.

Heidler: Dazu zähle ich nicht. Ich kann ihnen nicht sagen, wie viel Paar ich besitze. Wenn mir Schuhe gefallen, kommt es schon vor, dass ich zwei oder drei Paar auf einmal kaufe.

Morgenpost Online: Haben Sie auch High Heels?

Heidler: Wenn ich schick weggehe, ziehe ich Absatzschuhe an. Aber High Heels, nein, besitze ich gar nicht. Wenn ich welche tragen wollen würde, könnte ich das. Doch das ist nicht mein Stil.

Morgenpost Online: Welchen Stil bevorzugen Sie?

Heidler: Den rein sportlichen finde ich nicht so gut. Und nur elegant rumlaufen, ist auch nicht das, was ich mag. Die Mischung macht's, also sportlich-elegant.

Morgenpost Online: Lassen Sie sich dabei beraten?

Heidler: Eine Stilikone als Vorbild habe ich ich nicht. Über neueste Trends informiere ich mich oft übers Internet. Oder hole sie mir aus Modezeitschriften und Katalogen, die ich lese, wenn ich im Zug sitze oder als Beifahrerin im Auto unterwegs bin. Ich denke, ich gehe schon mit dem Trend.

Morgenpost Online: Und wie sieht es unter Ihrem sichtbaren Outfit aus? Eher praktisch oder darf es auch etwas verführerischer sein?

Heidler: Das verrate ich nicht (lacht laut)

Morgenpost Online: Dessous sind doch aber eine wunderbare Sache. Jede Frau belohnt sich oder "Mann" mit diesen teilweise sündhaft teuren Teilchen.

Heidler: Das bleibt mein Geheimnis.

Morgenpost Online: Gehen Sie gern shoppen?

Heidler: Wer liebt das nicht? Ich kaufe aber auch übers Internet ein.

Morgenpost Online: Schauen Sie dabei aufs Geld?

Heidler: Es kommt darauf an, was ich kaufe. Für T-Shirts, die ich häufig trage, bezahle ich keine 60 Euro. Für einen Hosenanzug oder ein Kleid lege ich schon mal 300 oder mehr Euro hin. Für Qualität gebe ich auch gern etwas mehr aus.

Morgenpost Online: Gilt das auch für ein Label?

Heidler: Ein Markenfetischist bin ich nicht. Ich sehe überhaupt nicht ein, warum ich für Markensachen so viel mehr Geld ausgeben soll. Es gibt genug schöne Sachen ohne Label. Entscheidend ist für mich die Qualität und dass es mir gefällt.

Morgenpost Online: Wo gehen Sie am liebsten einkaufen?

Heidler: Bei Mexx, Zero, Esprit und Swarovski.

Morgenpost Online: Swarovski ist doch aber ein österreichischer Schmuckhersteller?

Heidler: Ja, bei deren Schmuck bin ich sehr gefährdet. Ich liebe Armbänder und Ohrringe, und habe mir schon viel Hochwertiges von denen gekauft.

Morgenpost Online: Wann zuletzt?

Heidler: Anfang Juni, als ich vom Wettkampf aus Ostrava zurückgekommen bin. Auf dem Flughafen in Wien gibt es einen supertollen Swarovski-Laden. So viel Geld wie an dem Tag habe ich lange nicht für Klamotten, Schuhe oder Schmuck ausgegeben.

Morgenpost Online: Wie viel war das?

Heidler: Das möchte ich nicht sagen.

Morgenpost Online: Und warum saß Ihr Geld so locker?

Heidler: Weil ich mich total glücklich gefühlt habe. In Ostrava hatte ich mit 77,22 Meter gewonnen. Zwei Tage zuvor siegte ich in Dakar mit 75,33 Meter. Das war ebenfalls Meeting-Rekord. Und sechs Tage davor verbesserte ich ja den Weltrekord. Da musste ich mich einfach mal so richtig beschenken.

Morgenpost Online: Belohnen Sie sich auch, wenn Sie wieder Weltmeisterin werden sollten?

Heidler: Ich denke darüber nach, mir eine Eigentumswohnung in Berlin zu kaufen. Deshalb wäre es super, wenn ich bei der WM ganz weit vorn lande und womöglich noch meinen Weltrekord verbessere und als erste Frau den Hammer über 80 Meter werfe. Das ist mein Traum.