"Auszeit"

Die Zukunft des Hamburger SV sind die Rentner

Rudi Gutendorf wird 85. Das Amt eines Bundesligatrainers würde er sich immer noch zutrauen. Sogar beim Bundesligaletzten.

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Erstaunlich ist die Zahl schon. 660.000 Rentner zwischen 65 und 74 Jahren sind 2010 Arbeiten gegangen – im Vergleich zum Jahr 2000 entspricht dies einer Steigerung von fast 60 Prozent. Und so posaunt der Linken-Bundestagsabgeordnete Matthias Birkwald: „Ruhestand war gestern, malochen bis zum Tode heißt das Schicksal von immer mehr Rentnern.“

„Ganz ruhig, Roter“, mag man Birkwald nun zurufen. Denn schließlich sagt die Untersuchung nichts über die Beweggründe der jobbenden Pensionäre aus. Sie als Indiz für eine steigende Altersarmut zu werten, ist nur eine Sichtweise. Eine andere wäre, dass mancher Mensch auch am Lebensabend lieber ranklotzt statt kreuzworträtselt. Oder um es mit Udo Jürgens zu sagen: Mit 66 Jahren, da fängt das Arbeitsleben an.

Manchmal sogar mit 85. So alt ist Rudi Gutendorf nun. Und der würde lieber heute als morgen wieder auf der Trainerbank sitzen. Also heute geht natürlich nicht – da feiern ihn 100 Gäste im Lottohaus Koblenz.

Aber morgen wäre schon drin, sagt Gutendorf, der in seinem Leben Mannschaften in über 30 Ländern trainierte. Bundesliga? „Mit zwei jungen Assistenten würde ich mir das zutrauen. Mit meiner Erfahrung könnte ich viel verbessern.“

Am liebsten wäre ihm ja sein Herzensklub Schalke. Da der aber gerade gewinnt, käme wohl eher der 30. Verein seiner Karriere in Betracht. 1977 war Gutendorf mal für ein paar Monate beim HSV. Vielleicht sollte es der klamme Bundesligaletzte ja noch mal mit dem Ex versuchen.

Für ihn sprächen ein günstiges Gehalt – Rente bezieht er ja gewiss – und typische HSV-Trainer-Eigenschaften. „Ich verbrenne mich als Trainer relativ schnell, dann lässt die Ausstrahlung nach“, sagt Gutendorf.