Bayer gegen BVB

Bender-Zwillinge wollen zusammen in die Nationalelf

Die Bender-Zwillinge Lars und Sven spielen am Samstag mit Leverkusen und Dortmund gegeneinander. Morgenpost Online sprach vorher mit den beiden 22-Jährigen.

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Wenn Bayer Leverkusen Samstagabend zum Top-Spiel Meister Borussia Dortmund empfängt, kommt es auch zum Duell der 22 Jahre alten Zwillingsbrüder Lars und Sven Bender. Während Sven, der am Freitag für die anstehenden Länderspiele gegen Österreich (3.9.) und Polen (6.9.) nominiert wurde, schon in der Meistersaison eine Stammkraft beim BVB war, hat es in der laufenden Spielzeit nun auch Bruder Lars bei Bayer in die erste Elf geschafft. Die beiden defensiven Mittelfeldspieler gelten auf dem Platz als resolut – und sind außerhalb die besten Freunde.

Morgenpost Online: Wann wird der Tag kommen, an dem Sie es auch im Doppelpack bei der A-Nationalmannschaft gibt? Sie, Sven, sind vom Bundestrainer ja schon mal berufen worden.

Lars Bender: Wir werden alles dafür tun, dort eines Tages zusammen aufzulaufen. Sven hat den ersten Schritt gemacht. Und ich hoffe, dass ich bald nachziehen kann. Es ist unser Traum, gemeinsam für Deutschland zu spielen.

Morgenpost Online: Sven, ist für Sie die EM-Teilnahme 2012 das Ziel?

Sven Bender: Ich will mich nicht unter Druck setzen. Es war eine gute Erfahrung, dass ich mal dabei sein durfte. Das macht mich stolz. Ich hoffe, dass es künftig auch oft der Fall sein wird. Das würde mich freuen. Aber es wäre vermessen zu sagen: Ich muss ab jetzt dabei sein. Ich lasse mich einfach überraschen.

Morgenpost Online: Sie haben beide eine traumhafte Saison erlebt. Der eine ist Meister geworden, der andere Zweiter.

Sven Bender: Es ist ein tolles Gefühl, vor allem eben auch mit dem Hintergrund, dass wir Brüder sind. Wir haben uns beide füreinander gefreut.

Morgenpost Online: Lars, Sie sind also nicht neidisch auf Ihren Bruder?

Lars Bender: Nein, überhaupt nicht. Neid wird es bei uns nie geben. Wir kriegen die Frage zwar oft gestellt. Aber ganz im Gegenteil: Wir freuen uns beide über das Glück, in einer der besten Ligen Europas spielen zu können.

Morgenpost Online: Sven, Sie haben mit Jürgen Klopp einen charismatischen Trainer. Beschreiben Sie doch mal den Umgang.

Sven Bender: Ich glaube, dass mein Trainer in Deutschland sehr, sehr viele Fans hat und ihn viele Menschen unheimlich sympathisch finden. Er verstellt sich nie und lebt uns jeden Tag die Leidenschaft vor, die der Beruf mit sich bringt. Den Ehrgeiz, den er hat, bekommen wir intensiv zu spüren. Ich bin dankbar dafür, dass ich mit ihm zusammen arbeiten darf. Jürgen Klopp hat einen großen Anteil an dem Titel. Er hat alles, was ein guter Trainer haben muss. Ohne ihn hätten wir das nie geschafft. Er wusste in jeder Sekunde, wie er mit unserer teilweise auch sehr unerfahrenen Truppe umgehen muss. Er konnte uns immer wieder motivieren.

Morgenpost Online: Würde es Klopp aufgefallen, wenn Sie aus Spaß Ihren Zwillingsbruder zum Training schicken würden?

Sven Bender (lacht): Ja, ich denke schon. Er kennt mich mittlerweile zu gut. Außerdem sehen wir inzwischen auch nicht mehr ganz so identisch aus. Es könnte höchstens Probleme geben, wenn man nur auf unseren Laufstil achten würde. Dann könnten uns die Trainer verwechseln.

Morgenpost Online: Haben Sie solche Spiele mal in der Kindheit gemacht, um eventuell die Lehrer zu ärgern?

Lars Bender: Nein. Es hätte auch nichts gebracht. Die Sache wäre aufgeflogen. Wenn man uns zwei, drei Wochen erlebt, fallen auch kleine äußere Unterschiede auf, um uns perfekt auseinander zu halten.

Sven Bender: Es ist natürlich mal vorgekommen, dass uns ein Lehrer falsch angesprochen hat, weil er sich nicht mehr so sicher war, wer nun wer ist. Deshalb haben sie uns ja auch in verschiedene Bankreihen gesetzt.

Morgenpost Online: Ein Schiedsrichter hat sie aber schon mal verwechselt. Nachdem Sie, Lars, in einem Spiel der U?17 von 1860 München bereits die Gelbe Karte gesehen hatten, wurde Ihr Bruder nach einem Foulspiel mit Gelb-Rot vom Platz gestellt, obwohl er rund zwanzig Meter vom Geschehen entfernt war.

Sven Bender (lacht): Stimmt. Absolut. Was für eine Ungerechtigkeit. Lars hatte richtig viel gefoult, und ich darf für ihn vom Platz.

Lars Bender: Mir hat das ganz gut gepasst. Denn ich wollte doch unbedingt weiter spielen.

Morgenpost Online: Hat denn der Schiedsrichter nicht mit sich reden lassen.

Sven Bender: Doch, aber er dachte wahrscheinlich, dass ihn die Zwillinge auf den Arm nehmen wollen. Er meinte: „Ja, ja. Es war bestimmt ein ganz anderer Spieler.“ Es hatte keinen Sinn zu diskutieren.

Morgenpost Online: Wie ist es nun, wenn Sie gegeneinander spielen?

Sven Bender: Man kriegt das auf dem Platz gar nicht so mit. Das Spiel ist doch so schnell. Da siehst du nur ein schwarzes oder gelbes Trikot und realisierst gar nicht, ob das jetzt dein Bruder war oder nicht.

Morgenpost Online: Sie sind beide Mittelfeldspieler. Haben Sie eigentlich Vorbilder?

Sven Bender: Nein. Es gibt verschiedene Spieler, von denen mir die eine oder andere Eigenschaft gefällt.

Morgenpost Online: Zum Beispiel.

Sven Bender: Steven Gerrards Abschluss finde ich genial. Dann gefällt mir Xabi Alonso. Ich finde es beeindruckend, wie der auf dem Platz umher läuft und alles im Blick hat. Der weiß über jede Situation Bescheid und kann sofort reagieren. Was Xavi oder Andres Iniesta am Ball können, ist auch überragend.

Lars Bender: Ich finde es beeindruckend, wie Gennaro Gattuso vor der Viererkette aufräumt. Und Xavi ist nah dran, ein perfekter Spieler zu sein.

Sven Bender: Wir haben jetzt nur ausländische Spieler aufgezählt. Ich hätte auch Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira nennen können, die bei der WM 2010 ein brillantes Sechser-Duo gebildet haben. Ich habe damals ganz genau hingeschaut und sie beobachtet. Deshalb war ich froh, mit ihnen bei der Nationalelf trainieren und spielen zu dürfen.

Morgenpost Online: Zwillingen wird nachgesagt, dass Sie spüren, wenn es dem anderen schlecht geht. Wie ist es bei Ihnen?

Lars Bender: Also ich spüre es nicht, wenn mein Bruder sich verletzt hat. Wenn es einem selbst passiert, wünscht man sich lediglich, dass der andere davon verschont bleibt.

Sven Bender: Früher in der Schule waren wir komischerweise immer beide zur gleichen Zeit krank (lacht).

Morgenpost Online: Aha.

Sven Bender: Na wenn es den einen Bruder erwischt hatte, war der andere am nächsten Morgen zufälligerweise auch krank. So kurz vor 8 Uhr hat es den dann immer erwischt. Spaß beiseite. Aber es kam schon mal vor, dass es uns beide gleichzeitig umgehauen hat.

Morgenpost Online: Fanden Sie es gut oder hat es Sie auch mal genervt, in der Kindheit die gleichen Sachen tragen zu müssen?

Lars Bender: Solange wir von unseren Eltern eingekleidet worden sind, war es uns egal. Als wir angefangen haben, mit darüber zu entscheiden, was gekauft oder angezogen wird, haben wir nicht mehr die gleichen Sachen getragen. Ich denke, das ist auch okay so. Allerdings haben wir viele Gemeinsamkeiten. Sicher mehr als ein normales Brüderpaar.

Morgenpost Online: Welche sind die markantesten?

Sven Bender: Das sind viele Dinge. Also nicht nur unser Kleidungsstil. Wir haben zum Beispiel den gleichen Freundeskreis. Wir mögen den gleichen Musikstil. Und was Frauen betrifft, haben wir auch den gleichen Geschmack. Unsere Freundinnen sind beide blond.

Morgenpost Online: Und sollen jeweils Simone heißen.

Lars Bender: Auch wenn ich nicht gern über private Dinge rede, ist es gut, dass sie das ansprechen. Es gab mal eine Simone. Aber das ist vier Jahre her. Hätte man mich in der jüngsten Vergangenheit mal gefragt, dann wüsste man, dass meine Freundin Gabriele heißt. Das ist wie mit den Spitznamen. Alle denken, man nennt uns jeweils „Manni“.

Morgenpost Online: Aber?

Sven Bender: Das gilt nur für mich.

Morgenpost Online: Was war es für ein Gefühl, als sich Ihre Wege im Sommer 2009 getrennt haben? Es wird Zwillingen nachgesagt, dass Sie sich nur im Doppelpack als Ganzes fühlen.

Lars Bender: Nein, so ist es nicht. Wir sind auch jeder für sich glücklich und fühlen uns komplett. Aber wenn wir uns ein paar Tage nicht gesehen haben, merken wir schon, dass wir wieder mal etwas machen oder uns sehen müssen. Wir sind eben auch gute Freunde.

Sven Bender: Ich denke, dass uns die Trennung gut getan hat. Wir konnten uns als Individuen weiter entwickeln. Aber wir sind zwei Menschen, die versuchen, sich so oft es geht zu treffen und Kontakt zu haben. Wir brauchen das.

Lars Bender (lacht): Stimmt, weil ich ein guter Kerl bin.

Sven Bender (lacht): Ja, ein Klasse-Typ bist du.

Morgenpost Online: Es gibt also keinen Tag von 365 im Jahr, an dem Sie nicht miteinander Kontakt haben.

Sven Bender: Genau. Wir sind uns noch nie auf die Nerven gegangen. Wir denken darüber auch gar nicht nach. Wir tun es einfach und rufen uns an. Dann kommt es zwar mal vor, dass man gar nicht weiß, über was man reden soll. Aber wir haben uns zumindest gehört.

Lars Bender: Der Kontakt muss einfach da sein. Das ist einfach so – und schwer zu beschreiben.