Leichtathletik

Deutsche Titelhoffnung flüchtet aus WM-Camp

Hügel in der Hammerwurfanlage, Diskusanlage ohne Sicherheitsnetz, unbrauchbare Krafträume: Das DLV- Team hadert vor der WM mit den Bedingungen in Südkorea.

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Die vorzeitige Abreise von Hammerwurf-Weltrekordlerin Betty Heidler aus dem Trainingslager Jeju hat vor dem Auftakt der Leichtathletik-WM in Daegu die Stimmung im deutschen Team getrübt. „Das ist keine Boykott-Situation. Aber Betty Heidlers Verärgerung über die Trainingsbedingungen verstehe ich durchaus“, sagte Thomas Kurschilgen, Leistungssport-Direktor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), zur Konsequenz der Europameisterin.

Die noch vor Diskus-Weltmeister Robert Harting (Berlin) und Speerwerferin Christina Obergföll (Offenburg) größte Goldhoffnung im 72-köpfigen deutschen Team hatte ihrem Frust auf ihrer Homepage (www.bettyheidler.de) Luft gemacht. Dort kündigte die Ex-Weltmeisterin von der LG Frankfurt an, sie reise schon am Freitag, vier Tage früher als geplant, zum WM-Schauplatz Daegu (27. August bis 4. September).

Langeweile auf Jeju

Nachdem bereits Stabhochsprunger Malte Mohr den zu langen Aufenthalt auf Jeju und seine dort stark empfundene Langeweile angeprangert hatte, meinte Kurschilgen: „Sportfachlich ist das Trainingslager eine zwingende Notwendigkeit. Wenn die Sportler unmittelbar anreisen, befinden sie sich genau zum Hauptwettkampf im Jetlag. Auch von der Klimaumstellung her ist Jeju genau der richtige Ort.“

Kurschilgen beschwichtigt auch im Fall Heidler: „Sie geht sehr professionell mit dem Problem um und wird sich nicht von ihrem Gesamtziel abbringen lassen. Die Entscheidung für den früheren Umzug nach Daegu haben wir im Einvernehmen mit ihr getroffen. Natürlich reisen auch Kathrin Klaas und beider Trainer Michael Deyhle früher nach Daegu. Dort können sie sich in der Tat besser vorbereiten.“

Betty Heidler kritisiert: „„Die Hammerwurfanlage hat einen kleinen Hügel drin, man dreht von unten nach oben. Der Kraftraum ist als solches für uns nicht nutzbar, da wir die Hantelstangen fallen lassen müssen und dies nicht möglich war. Also musste alles auf den Parkplatz getragen werden, damit wir einen festen Untergrund hatten. Doof wurde es nur, als es anfing zu regnen ...“

Der für den Wurf und Sprung zuständige Cheftrainer Herbert Czingon sagt: „Beim Kraftraum hat sich gezeigt, dass keine ausreichende Auffangvorrichtung für die Gewichte vorhanden ist.“ Die Konsequenz daraus habe man schon gezogen. Czingon: „Künftig werden vor der Entscheidung über ein Trainingslager neben dem Teammanager Siegfried Schonert noch ein oder zwei Trainer hinzugezogen.“

Auch für Harting und seinen Diskus-Kollegen Markus Münch sind die Trainingsbedingungen an den ersten Tagen in Jeju noch nicht ideal gewesen. „Unser Diskusring ist nicht ganz eben, er fällt in eine Richtung um ein paar Zentimeter ab. Der zweite Ring ist im Hauptstadion, allerdings ohne Sicherheitsnetz“, sagte Münch.

Hoffnungen auf Edelmetall dürfen sich neben dem Trio der Sieganwärter sowie der Weltranglisten-Vierten Kathrin Klaas und Malte Mohr auch mindestens fünf andere machen.

Aus dem Kreis der Werfer vor allem der EM-Zweite Matthias de Zordo (Saarbrücken/Speer) und Diskus-Mitfavoritin Nadine Müller (Halle/Saale). Hinzu kommen Jennifer Oeser (Leverkusen), WM-Zweite von 2009 im Siebenkampf und das Stab-Duo mit DLV-Rekordlerin Martina Strutz (Hagenow) und Silke Spiegelburg (Leverkusen).