1:1 in Sevilla

96 freut sich über Europa – und fünf Millionen

Glück und Geschick haben Hannover in die Gruppenphase der Europa League gebracht. Dort soll noch nicht Schluss sein, die Niedersachsen haben Blut geleckt.

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Unten auf dem Rasen feierten die Profis von Hannover 96 eine heiße andalusische Fußball-Fiesta, oben auf der Tribüne setzte Präsident Martin Kind zur kühlen Analyse an. „Nach 14 Jahren ist unsere Aufbauarbeit beendet, das bedeutet unglaublich viel für diesen Verein. Jetzt geht es in die nächste Entwicklungsstufe, die Nachhaltigkeit“, sagte der Unternehmer emotionaler als sonst bei ihm üblich.

Mit einer gelungenen Mischung aus kämpferischen Qualitäten und spielerischer Klasse ertrotzten die Niedersachsen beim favorisierten FC Sevilla ein verdientes 1:1 (1:1) - nach dem 2:1-Hinspielsieg genau das richtige Resultat, um sich für die Gruppenphase der Europa League zu qualifizieren. Dort warten in Gruppe B der FC Kopenhagen, Standard Lüttich und Worskla Poltawa aus der Ukraine.

Sie lösten damit nicht nur bei den mitgereisten 3000 Fans, sondern auch in der Heimat schier grenzenlosen Jubel aus - bis hin zur Flughafenfeuerwehr Hannover. Kaum war die Sondermaschine um 4.30 Uhr in Langenhagen gelandet, hieß es Wasser marsch: Zwei Spritzenwagen produzierten Jubelfontänen links und rechts des Düsenjets.

Aber schon während des Fluges durch die Nacht war die Stimmung bei den Norddeutschen prächtig gewesen. „Dieser ganze Tag war mit Sicherheit das Heftigste, was ich bisher erlebt habe“, so sprudelte es förmlich aus Jan Schlaudraff heraus. Im Hinspiel hatte der Ex-Nationalspieler beide Tore erzielt, diesmal beruhigte er die hektische Begegnung immer wieder durch seine Ballsicherheit und verschaffte seinen Nebenleuten kurze, aber wichtige Atempausen.

Extra-Lob für Zieler

Trainer Mirko Slomka wollte eigentlich keinen seiner Schützlinge besonders herausheben, doch an einem Extralob für Ron-Robert Zieler kam er nicht vorbei: „Er ist einfach cool. Wenn es brennt, ist er für uns immer ein großer Rückhalt. Das macht er wirklich klasse mit seinen erst 22 Jahren.“

Beeindruckend konzentriert brachte der Keeper die Gastgeber nach dem sehenswerten Hannoveraner Führungstreffer durch Mohammed Abdellaoue (23.) mit Glanzparaden in Serie geradezu zur Verzweiflung. Überwinden ließ sich die neue Nummer drei von Bundestrainer Joachim Löw lediglich durch ein unglückliches Eigentor seines Teamkollegen Emanuel Pogatetz (37.). Und auch als Sevilla in der Schlussphase auf totale Offensive setzte, hielt Zieler seinen Kasten sauber.

Dabei war der 96-Schlussmann nur äußerlich gelassen gewesen, wie er nach der Partie unumwunden einräumte. „Ich habe versucht, die Ruhe zu bewahren, aber es ging einfach nicht. Das Spiel war so spannend, und es stand immer auf der Kippe“, sagte Zieler. Mit dem besseren Ende für die „Roten“, die laut Präsident Kind nun bis Weihnachten mit Mehreinnahmen von rund fünf Millionen Euro rechnen dürfen. Davon werden Schätzungen zufolge rund 600.000 Euro in die Mannschaftskasse fließen.

Mit dem Restgeld könnte Hannover angesichts der zusätzlichen Belastungen auf der europäischen Fußballbühne bis Mitte der nächsten Woche also durchaus noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden. Doch während Sportdirektor Jörg Schmadtke Verpflichtungen nicht ausschließen wollte, äußerte Kind Vorbehalte: „Das ist eine hochsensible Fragestellung. Wir haben eine gefestige Mannschaft, neue Spieler könnten die Geschlossenheit gefährden.“