Hertha-Coach

Berliner neigen laut Babbel zum Größenwahn

Vor der Partie gegen den VfB Stuttgart am Freitag sorgt der Trainer von Hertha BSC, Markus Babbel, mit deftigen Aussagen für Wirbel. Vor allem die Berliner bekommen ihr Fett weg. Hat er mit seiner Kritik Recht? Stimmen Sie ab.

Der Kontrast der deutschen Großstädte und ihrer Menschen kann kaum größer sein. Das zumindest glaubt Markus Babbel. Der Trainer von Hertha BSC sorgt vor dem Wiedersehen mit seinem Ex-Klub in der Fußball-Bundesliga am Freitag (20.30 Uhr/live bei Sky und hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ) mit deftigen Aussagen für Wirbel.

„Hertha BSC hat gelernt, demütig zu werden. Der Berliner an sich neigt ja tendenziell gerne mal zum Größenwahn. Er ist laut, redet viel, will viel - aber getan wird oft erstmal wenig“, sagte Babbel den "Stuttgarter Nachrichten" über den Menschenschlag in der Hauptstadt. Diese Mentalität habe sich „in der Vergangenheit manchmal auch so durch den Club gezogen“, meinte Babbel.

Gegen die Berliner Medienlandschaft fährt Babbel besonders schwere Geschütze auf. Wie er der Zeitung sagte, würden zehn Tageszeitungen im Konkurrenzkampf Schlagzeilen liefern, „dass einem die Haare zu Berge stehen.“ Da werde „nicht nur unglaublich viel, sondern häufig auch unglaublich unsachlich berichtet“, bemerkte Babbel. Es sei schwierig, „hier in Ruhe zu arbeiten.“ Dennoch fühle er sich bei der Hertha im Speziellen und in Berlin im Allgemeinen sehr wohl.

Regelrecht ins Schwärmen gerät Babbel in Rückschau auf die Verhältnisse bei seinem alten Klub VfB Stuttgart, für den er als Spieler (2004 bis 2007) und Trainer (2007 bis 2009) tätig war. „Beim VfB war alles ein bisschen ruhiger. Die Medien haben fast immer seriös berichtet, das war sehr angenehm“, meinte der Europameister von 1996, der den Schwaben ein dickes Kompliment machte: „Im Ländle ist alles seriöser - es wird erst einmal gearbeitet, bevor man viel redet. Das weiß ich zu schätzen.“

Babbels lobende Worte über den VfB überraschen auch deshalb, weil man ihn dort im Dezember 2009 vom Hof gejagt hat, als es sportlich nicht mehr lief. Dem langjährigen Bayern-Profi wurde die Doppelbelastung durch die Kurse für den Trainerschein zum Verhängnis, er bekam die harte Seite des Geschäfts zu spüren.

Die Kritik an den Berliner Medien kam unerwartet, schien Babbel bislang doch wenig Berührungsängste mit den Zeitungen zu haben. So nutzte er zuletzt die Boulevardblätter dazu, Spieler wie die brasilianischen Brüder Raffael und Ronny öffentlich zu kritisieren. Auch sparte der Coach nicht an öffentlicher Schelte für den in Berlin glücklosen Stürmer Rob Friend, den er aufs Abstellgleis gestellt hat.

Vielleicht erklärt die Dünnhäutigkeit des Cheftrainers auch der große Druck, der seit dem Aufstieg da ist. Nach drei Spielen wartet man noch immer auf den einen Sieg. Immerhin konnte die „Alte Dame“ auswärts Rückstände aufholen und aus Hamburg und Hannover je einen Punkt entführen. Zu Hause enttäuschte man beim 0:1 gegen Nürnberg zum Saisonstart. Schon damals überraschte Babbel mit seiner verbalen Freude. Er verglich sein Team mit einem Kindergarten, der im Spielzeugladen vergaß, die Geschenke einzupacken.

Als Hertha-Coach muss Babbel auch die Lasten der Vergangenheit tragen. In 17 Spielen in Serie blieb der Klub saisonübergreifend in der Bundesliga zu Hause ohne Sieg. An der Spree sehnt man sich nach einem Erfolgserlebnis, und das will Babbel am Freitag endlich servieren, auch wenn er so seine Probleme mit der Mentalität der Hauptstadt hat.

Stuttgart muss Freitag auf Abwehrspieler Khalid Boulahrouz verzichten. Der Niederländer hatte beim 0:1 gegen Bayer Leverkusen nach seiner Stinkefinger-Aktion die Gelb-Rote Karte gesehen und seinen Trainer Bruno Labbadia damit verärgert: „Das ist eine klare Schwächung für die Mannschaft und für ihn selbst. Er hat sich entschuldigt.“ Für Boulahrouz soll Stefano Celozzi spielen.

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