"Auszeit"

Ohne Doping hat man bei der WM keine Chance

Leistungssport in Verruf: Mindestens jeder zehnte Athlet soll zu unerlaubten Mitteln greifen. Manch einer gibt da lieber schon vor der WM auf.

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Mancher wäre gern Staatspräsident, hat aber nichts zu sagen. Manche wären Nobelpreisträger, haben aber keine Einfälle. Manch einer wäre gern Leichtathletik-Weltmeister, ihm wird aber schon beim Treppensteigen schwindelig. Letzterem kann seit einiger Zeit geholfen werden. Wenn er dopt, läuft er von allein.

Endlich kann die Theorie mit Zahlen bekräftigt werden. 1945 Athleten aus 202 Nationen wollen von Samstag an zum Fest der kontrahierenden Muskeln, der stampfenden Beine und pumpender Lungen an den Start gehen. Statistisch gesehen sind von 100 Dopingtests ein bis zwei positiv, doch weil die Verschleierungsmethoden immer ausgefeilter werden, liegt die Zahl der Dopingsünder im „zweistelligen Prozentbereich“.

Das hat David Howman hochgerechnet. Der Mann verfügt als Chef der Weltantidopingagentur zumindest über ein gesundes Halbwissen. Er hat zumindest durch die Blume zugegeben, dass mindestens 200 Leichtathleten bei den Welttitelkämpfen gedopt sein werden.

Bei den Schwimm-Weltmeisterschaften sprangen demnach über 220 Sportler pharmazeutisch aufgepeppt ins Wasser. Von den rund 11000 Olympiateilnehmern 2012 werden weit über 1000 Athleten Blut, Gene oder das Gehirn manipulieren.

Wer entgegen aller statistischen Wahrscheinlichkeit überführt wird, ficht den positiven Befund an. Der überführte US-Sprinter Michael Rodgers hat „aus Gründen der Fairness“ auf die WM verzichtet, obwohl er juristisch wohl einen Start hätte durchsetzen können.

Vielleicht hat er eingesehen, dass die Aussicht auf Erfolg in Daegu für ihn schmal gewesen wäre. 19 Sprinter blieben dieses Jahr unter zehn Sekunden, vor vier Jahren waren es nur sechs. Noch Fragen?