Standpauke

Hoeneß soll Wutrede in Bayern-Kabine gehalten haben

Nach starkem Beginn ließen die Münchner beim Sieg gegen Zürich schnell nach. In der Halbzeit soll Bayern-Präsident Hoeneß seine Spieler lautstark ermahnt haben.

Der FC Bayern München kann für die Champions League planen. Im Hinspiel der Qualifikation zur Gruppenphase der Königsklasse siegte der deutsche Rekordmeister gegen den FC Zürich 2:0 (1:0). Vor 66.000 Zuschauern erzielten Bastian Schweinsteiger (8.) und Arjen Robben (72.) die Tore.

Im Rückspiel am kommenden Dienstag müsste dem Gegner aus der Schweiz eine Sensation gelingen, um diesen Rückstand noch zu drehen. „Mit dem Ergebnis haben wir beste Voraussetzungen, in die Gruppenphase der Champions League einzuziehen“, sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.

„Wir haben 20 Minuten lang gut begonnen und gute Torchancen gehabt. Wenn man auch in der zweiten Halbzeit so überlegen spielt, dann muss man auch die Chancen verwerten. Gegen eine solche Mannschaft muss man das Tempo erhöhen“, sagte Trainer Jupp Heynckes und Torschütze Robben ergänzte: „Das Ergebnis ist in Ordnung, aber wir müssen noch viel konzentrierter, aggressiver und vor allem schneller spielen.“

Es war das erste Aufeinandertreffen der Mannschaften in einem internationalen Wettbewerb. Für die Bayern ging es nicht nur um Prestige, sondern auch um viel Geld – der Einzug in die Champions League würde mindestens 20 Millionen Euro bringen. Überraschend, dass Heynckes da auf Thomas Müller verzichtete. Im zentralen Mittelfeld spielte stattdessen Toni Kroos.

Für Nationalspieler Müller eine bittere Entscheidung. Doch offenbar wollte Heynckes ihm nach der schwachen Leistung in der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg (1:0) eine Pause geben. „Wir müssen ein Topspiel zeigen“, hatte Kapitän Philipp Lahm vor dem Anpfiff gegen Zürich gefordert. Trainer Heynckes wollte endlich mehr Tempowechsel sehen, mehr Pässe in die Tiefe. In den ersten Saisonpartien hatten die Ideen gefehlt, die Bayern phasenweise statisch gespielt.

Auch diesmal hatte der Gegner die erste große Chance. Zürichs tunesischer Stürmer Amine Chermiti, einst bei Hertha BSC aktiv, kam freistehend an den Ball, köpfte aber über das Tor (5.).

Und dann passierte das, auf das die Bayern so sehr gehofft hatten: Früh in Führung zu gehen. Robben setzte sich auf der linken Außenbahn gegen Marco Schönbächler durch und flankte auf Schweinsteiger.

Der Nationalspieler sprang hoch und köpfte den Ball ins rechte Toreck – 1:0 (8.). Robben – an dem Gerüchten zufolge der russische Klub Anschi Machatschkala interessiert ist – war nach überstandenen Rückenproblemen einer der besten Bayern.

Und auch Schweinsteiger spielte stark. Als wolle er die Kritik seines ehemaligen Kollegen Oliver Kahn widerlegen. Der Ex-Nationaltorwart hatte gesagt, dass dem deutschen Fußball Führungsspieler fehlen und angedeutet, dass Schweinsteiger und Lahm ihr Image wichtiger als vieles andere sei. Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger sagte: „Die Kritik ist polemisch und respektlos gegenüber den beiden.“

Nach der Führung waren Schweinsteiger und seine Kollegen sehr selbstbewusst und mutig. Lahm dribbelte durch den Strafraum, scheiterte beim Schuss aber an Torwart Johnny Leoni (12.). Zürich beschränkte sich auf das Verteidigen, und die Münchner kamen durch Mario Gomez zu weiteren Gelegenheiten: Erst zögerte er zu lange mit dem Abschluss, so dass die Schweizer klären konnten (30.), dann schoss er über das Tor (33.).

Danach ließen die Bayern nach. Im Mittelfeld fehlte wieder die Kreativität, vor allem Kroos enttäuschte. Er nutze die große Chance nicht, die Heynckes ihm mit dem Einsatz gab. Zur Halbzeitpause pfiffen viele Fans. Sie waren mit der Leistung der Mannschaft unzufrieden – und Uli Hoeneß war das auch: Wütend stapfte er in die Kabine, wo er die Spieler lautstark auf die Bedeutung des Spiels hingewiesen haben soll.

Mangelnde Chancenverwertung

Nach der Ansprache kamen die Bayern mit wesentlich mehr Schwung zurück. Die erste von vielen nun folgenden Großchancen vergab Gomez, als er aus fünf Metern über das Tor schoss (51.). Es war nicht sein Tag. Zwei Minuten später musste Lahm das 2:0 erzielen, schoss aber erneut Leoni an – obwohl der nach der Parade eines Schusses von Franck Ribery gerade erst wieder auf den Beinen stand.

Lahm konnte selbst nicht fassen, dass er diesen Ball nicht verwandelt hatte. Den vergebenen Chancen trauerte auch Rummenigge nach: „2:0 ist gut, aber es hätte auch ein sehr gutes Ergebnis werden können. Wir hätten 4:0 gewinnen können.“

Heynckes reichte die knappe Führung nicht. In der 57. Minute wechselte er Kroos aus und brachte Müller in die Partie. Doch seiner Mannschaft fehlte zunächst das Glück, Riberys schöner Freistoß aus 24 Metern landete am Pfosten (60.). Präziser machte es dann Robben und zirkelte den Ball in die lange Torecke zum 2:0 (72.).