Nur Fünfter

Rath mit Wunderhengst Totilas bei EM entzaubert

Der große Favorit Totilas mit Reiter Rath bleibt bei der EM ohne Einzelmedaille. Niederländer und Briten hängen die Deutschen ein Jahr vor Olympia ab.

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Als im Dressurstadion zu Rotterdam die Wertung für das letzte Dressur-Paar aufleuchtete, ging ein Raunen durch das Publikum. 81,696 Prozentpunkte vergaben die Richter für Matthias Alexander Rath und sein viel gepriesenes Wunderpferd Totilas – deutlich zu wenig, um zum Abschluss der Europameisterschaften in der Kür doch noch nach der ersehnten Einzelmedaille zu greifen.

Trotz einer guten Darbietung wurde der 27 Jahre alte Kronberger mit seinem Rappen am Ende Fünfter. „Schade, dass es nicht zur Medaille gereicht hat“, sagte Rath, „aber ich werde von der EM viel Erfahrungen mitnehmen, und es ist ja auch erst mein erstes Jahr mit Totilas, da kann man noch nicht Siege in Serie erwarten.“

Während Rath seine Enttäuschung verarbeitete, jubelte ein paar Meter weiter die Niederländerin Adelinde Cornelissen, die mit Parzival und 88,768 Punkten die Konkurrenz dominierte und Gold gewann.

Silber mit der Equipe

Damit bleibt für Rath und seinen Rappen bei der EM lediglich die Silbermedaille aus dem Mannschaftswettbewerb . Eine magere Bilanz für das Duo, das in allen drei Wettbewerben als Mitfavorit auf den Sieg gegolten hatte. Am Samstag hatte Rath im Grand Prix Special Platz vier erreicht.

Der elfjährige Vierbeiner erlaubte sich in den Lektionen immer wieder Fehler, in den Ritten fehlte die Konstanz auf dem hohem Niveau, das Totilas in den vergangenen Jahren stets bei Championaten gezeigt und damit die enorme Erwartungshaltung geschürt hatte. „Es ist natürlich sehr ärgerlich, dass diese Fehler ausgerechnet jetzt bei der EM passieren mussten“, sagte Rath.

Aber ein Pferd sei keine Maschine, bei der man die Leistung abrufen könne. Sjef Janssen, der niederländische Cheftrainer, hat da seine ganz eigene Meinung. Er glaubt, dass Totilas und sein neuer Reiter sich „noch nicht besonders gut“ verstehen.

Viel Arbeit

„Da sind noch viele Hausaufgaben zu erledigen“, sagt der Bondscoach, der Totilas 2010 bei der WM in Kentucky betreut hatte, als der Hengst unter seinem damaligen Reiter Edward Gal drei Goldmedaillen für die Niederlande gewann. Janssen: „Ob er noch einmal diese Leistungen bringen kann, weiß ich nicht.“

Raths Freude an der Zusammenarbeit mit seinem Ausnahmepferd ist trotz der Enttäuschung ungebrochen. „Es macht wahnsinnig viel Spaß, jeden Tag mit Totilas zu arbeiten, er ist so sensibel, und auch er hat große Freude daran, wenn man sich mit ihm beschäftigt“, sagt der Blondschopf.

Auch wenn Totilas jetzt nicht mehr das einzige Ausnahmepferd in der Dressur-Szene ist. So trumpften die Briten ein Jahr vor den Olympischen Spielen in London groß auf und präsentierten mit Uthopia und Valegro zwei neue Toppferde, die es mit Totilas aufnehmen können. Aber natürlich ist auch mit Adelinde Cornelissen und ihrem Parzival nach dem überragenden EM-Auftritt zu rechnen, das Duo hatte auch im Grand Prix Special triumphiert.

Doch auch die fünfmalige Olympiasiegerin Isabell Werth ließ in Rotterdam aufhorchen. Die Grand Dame der deutschen Dressur führte in nur einem Jahr Nachwuchspferd El Santo in die Weltspitze. Experten bescheinigen dem Zehnjährigen großes Talent.

„El Santo ist das bislang unkomplizierteste Pferd, das ich je geritten habe“, schwärmt Werth, die in der Kür auf Rang sieben kam. „Er hat von der technischen Seite keine Schwächen.“ Jetzt gelte es, weiter gut zu trainieren und auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2012 in London „noch ein paar Kohlen draufzulegen“.

Totilas jedenfalls kann jetzt erst einmal durchschnaufen, er bekommt eine längere Wettkampfpause. Das deutsche Spitzenpaar hatte mehrere Turniere bestreiten müssen, um sich für die EM und intern für die deutsche Mannschaft zu qualifizieren.

Die Wintersaison ist dann auch schon auf die Olympischen Spiele 2012 ausgerichtet. In London soll schließlich der ganz große Coup gelingen, daran ändert auch die enttäuschende EM nichts. „Diese Jahr war ja vor allem dafür da, dass Totilas und ich uns kennenlernen und langsam zusammenwachsen“, sagt Rath, „das ist uns schon gut gelungen. Wir sind mit Totilas bislang auf einem super Weg und gehen diesen unbeirrt weiter.“