Rückkehr ins Nationalteam

"Nowitzki-Mania" noch vor der Basketball-EM

Mit seiner Rückkehr ins Nationalteam hat Dirk Nowitzi in Deutschland auch die letzten Herzen erobert. Es spricht für den Superstar, dass er trotz des ganzen Rummels um seine Person bodenständig und bescheiden geblieben ist.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Dieses glückliche Gesicht. Wie beseelt verlässt der kleine Junge das Parkett der Bamberger Arena, die Wangen gerötet. Er ist seinem großen Helden so nahe gekommen, wie es kaum jemand schafft: An der Hand von Dirk Nowitzki durfte der Kleine vor dem Basketball-Länderspiel gegen Belgien beim Supercup am Freitagabend aufs Feld laufen. Ein paar aufmunternde Worte, ein Schulterklopfen, dazu noch ein Autogramm aufs Trikot des Knirps. Wieder hat Dirk Nowitzki jemanden glücklich gemacht.

Es herrscht „Nowitzki-Mania“ zurzeit in Bamberg. Alle wollen den Mann sehen, der im Juni endgültig zu einem der größten deutschen Sportidole aufgestiegen ist. Der sich mit dem Sieg in der NBA, seinen „Lebenstraum“ erfüllt hat. Nowitzki stehe nun „in einer Reihe mit Max Schmeling, Franz Beckenbauer, Boris Becker und Michael Schumacher“, wie es Bundestrainer Dirk Bauermann ausdrückt.

Es ist nicht nur Nowitzkis Art, Basketball zu spielen, die begeistert: Auf dem Feld ist er einer der Besten der Welt, ein Superstar; es ist aber auch sein Verhalten, das Natürliche, das Bodenständige und Bescheidene, was Nowitzki ausmacht. Steffen Hamann, der Kapitän der deutschen Auswahl, fasst es so zusammen: „Er ist einer von uns.“ Seit jeher hat es der heute 33-jährige Nowitzki so gehalten: „Ich will keine Extrawurst.“

Das galt in den langen Jahren so, in denen er für Deutschland spielte, bevor er nach den Sommerspielen in Peking 2008 eine Pause in der Nationalmannschaft einlegte. Das gilt jetzt genauso, da er nach 1114 Tagen Abstinenz gegen Belgien zurückgekehrt ist. Bei der Europameisterschaft in Litauen (31. August bis 18. September) will er mit dem Team viel erreichen. Im Falle einer Finalteilnahme wäre ein Platz beim olympischen Turnier nächstes Jahr in London sicher. Die zwischen Rang drei und sechs platzierten Teams haben die Chance, sich in einem Qualifikationsturnier kurz vor Olympia noch die Teilnahme zu sichern.

Lange war offen, ob Nowitzki wirklich seine Zusage vom vergangenen Jahr einhalten würde, wieder in die Nationalmannschaft zurückzukehren. Doch: „In letzter Sekunde zurückzuziehen, wäre nicht gut gewesen.“ Also ist er seit vergangenem Dienstag dabei; in seinem Schlepptau NBA-Kollege Chris Kaman, seit 2008 – den Urgroßeltern sei Dank – mit deutschem Pass ausgestattet. Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball Bundes (DBB), ist sicher: „Dirk Nowitzki ist der Herzschlag des deutschen Basketballs.“

Der Nowitzki-Effekt: Binnen weniger Tage waren nach seiner Zusage die Hallen für die Vorbereitungsspiele in Bamberg, Bremen, München und Berlin nahezu ausverkauft. Viele potenzielle Besucher hatten abgewartet, ob er dabei ist, um sich dann schnell Karten zu besorgen. Der Verband weiß, was er an seinem Aushängeschild hat. Entsprechend lieb und teuer ist er ihm. „Eine sechsstellige Summe“ wurde für eine Versicherung bezahlt, sagt Weiss: „Doch das leistet der Verband gerne.“ Wohl 400.000 Dollar hat es gekostet, vor allem Nowitzki, aber auch Kaman zu versichern – und so der Forderung ihrer Arbeitgeber in Dallas und Los Angeles nachzukommen. Man stelle sich vor, Nowitzki würde sich ernsthaft verletzen und könnte nicht mehr spielen. Für seinen bis 2014 datierten Vertrag in Dallas stehen ihm insgesamt etwa 80 Millionen Dollar zu.

Doch es ist eben das Faszinierende an Nowitzki, dass dieser Multi-Millionär im Grunde seines Herzens ein großer Junge geblieben ist, der nur Basketball spielen will. Nach der mehrwöchigen Pause, vielen Ehrungen und einem Urlaub in der Karibik sei er „erst einmal in ein Motivationsloch gefallen“, gibt Nowitzki unumwunden zu. Das Aufbautraining mit seinem Mentor Holger Geschwindner war alles andere als angenehm. „Doch Spiele sind kein Problem, da kommt dann gleich mein Wettbewerbstrieb wieder zurück. Da will ich gewinnen.“

Gegen Belgien war Nowitzki mit 18 Punkten bester Werfer, auch wenn man ihm anmerkte, dass er noch nicht seinen Rhythmus gefunden hat. Lediglich zwei Wochen sind bis zur EM Zeit, damit sich Nowitzki an sein Team und seine Mitspieler sich an ihn gewöhnen. Für junge Kollegen ist das gar nicht so einfach. Doch Nowitzki geht auf sie zu, nimmt ihnen die Scheu. Gleichzeitig weiß er, dass er in Deutschland keine ruhige Minute haben kann. Daher sei ein Engagement in seiner Heimat „nicht realistisch“, sollte es in der NBA wegen des Gehaltskonfliktes eine Saisonabsage geben. Am kommenden Sonntag erhält Nowitzki in Berlin von Bundespräsident Christian Wulff das Silberne Lorbeerblatt. Tags zuvor hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ihn und das Team eingeladen. Auch sie wird Dirk Nowitzki mit seiner Anwesenheit glücklich machen.