Basketball-Nationalmannschaft

Dirk Nowitzki siegt für Deutschland

Nach exakt 1114 Tagen ist Dirk Nowitzki ins Baksketball-Nationalteam zurückgekehrt. Der 71:65-Erfolg beim Supercup gegen Belgien zeigt, was dem NBA-Superstar in den nächsten Wochen blüht: Die Gegner werden ihn jagen.

Foto: REUTERS

War das ein Jubel. Endlich war er wieder zurück: Dirk Nowitzki, der Basketball-Superstar, wurde schon bei seiner Begrüßung vor dem Spiel überschwänglich gefeiert. Nach exakt 1114 Tagen war er ins Nationalteam zurückgekehrt. Und die Fans in der Bamberger Arena huldigten ihrem Helden, dem NBA-Champion von den Dallas Mavericks. „Dirkules“-Plakate wurden emporgereckt, aufgemalte Herzen sollten die Zuneigung zum 2,13 Meter großen Giganten zeigen. Der gebürtige Würzburger strahlte – glücklich, wieder in der Heimat zu sein.

Doch seine gute Laune verging ihm auf dem Feld erst einmal. Denn im ersten Spiel des Supercups gegen Belgien bekam er gleich einen Vorgeschmack auf das, was ihm in den kommenden Wochen droht. Die Belgier beharkten ihn teilweise brutal, schon nach wenigen Minuten blutete er an der Oberlippe. So wird es weitergehen, erst in den weiteren Vorbereitungsspielen auf die Europameisterschaft, dann bei den Titelkämpfen selbst vom 31. August bis 18.September in Litauen. Beim hart erkämpften 71:65 (34:28) gegen Belgien gab es zwar noch keine große Nowitzki-Gala, dennoch erzielte der 33-Jährige 18 Punkte in knapp 23 Minuten Einsatzzeit.

18 Punkte steuerte Nowitzki bei

Er überragte in der Schlussphase, war bester deutscher Werfer. Dennoch muss er noch besser seinen Wurf-Rhythmus finden, sich wieder ans Spiel und das Team gewöhnen. Sein NBA-Kollege Chris Kaman (Los Angeles Clippers), ebenso wie Nowitzki erstmals seit drei Jahren wieder in der deutschen Mannschaft, ist schon einen Schritt weiter und zeigte, dass er mit seiner Präsenz unter den Körben eine große Verstärkung ist: Er kam auf 17 Punkte.

Alle Augen waren aber dennoch auf den „großen Blonden“ gerichtet. Mit einer „Zielscheibe auf dem Rücken“, glaubt Nowitzki, wird er herumlaufen in den kommenden Testspieltagen. Er bezog das eigentlich auf den Rummel um seine Person. Dass dies auch körperlich zutreffen wird, zeigten besagte harte Attacken.

Trotz aller Euphorie um die Rückkehr Nowitzkis ins Nationalteam bemüht sich Bundestrainer Dirk Bauermann, den Druck etwas entweichen zu lassen. „Es wird sehr, sehr schwer“, sagte er mit Blick auf die EM. Es ist ein schwieriger Spagat für Bauermann. Das Passspiel, die Laufwege, die Taktik – alles verändert sich durch das „zweiköpfige Monster“, wie er sein NBA-Duo, rüder als gemeint, beschrieben hat. „Zurück auf Los“, hat Bauermann gesagt, nachdem die beiden am vergangenen Dienstag eingetroffen waren. Die anderen hatten vorher bereits drei Wochen lang geübt. Was sich momentan vor allem bei Nowitzki zeigt.

Bundestrainer dämpft die Euphorie

Wie schon bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking werden die Mitspieler künftig sehr oft den Ball so schnell wie möglich an ihn und seinen NBA-Kollegen Kaman weitergeben. Das sah man bereits gegen Belgien. „Ihr Mitwirken hebt unser Spiel basketballerisch um 50 Prozent an“, sagt Bauermann. Aber die anderen, auch die jungen Spieler, dürfen nicht vor Ehrfurcht erstarren, müssen sich selbst etwas zutrauen. Und Nowitzki muss ihnen vertrauen. Nur dann kann Erfolgreiches entstehen. Spieler wie Jan Jagla (9 Punkte) oder der Berliner Heiko Schaffartzik (8) taten sich dabei gestern zumindest phasenweise hervor.

Sich zu finden, ein Team zu werden, dafür ist dieses „Monsterprogramm“ da, wie es Nowitzki ausdrückt. Er und die anderen werden sich harter Belastung stellen müssen. Sechs Spiele in zehn Tagen stehen an. Nach dem Start gegen Belgien geht es in Bamberg am heutigen Sonnabend (17.30Uhr) gegen Griechenland und am Sonntag (17.15 Uhr, beide Spiele live bei Sport1) gegen den Weltmeisterschaftszweiten Türkei, der gestern den Griechen mit 38:62 unterlag. Es folgen Spiele am kommenden Dienstag in Bremen gegen Bosnien-Herzegowina, am Freitag in München und am Sonntag in Berlin heißt der Gegner China. Dann geht es direkt nach Litauen.

Die Olympischen Spiele 2008 in Peking, das Zusammentreffen mit anderen Großen des Weltsports, hat er als „einmaliges Erlebnis“ gepriesen. Jetzt, sagt er, will er die jüngeren Kollegen daran teilhaben lassen und sie zum Londoner Olympia-Turnier 2012 führen. Dafür müssen sie das EM-Finale erreichen oder wenigstens unter den sechs besten europäischen Nationen landen, um das Qualifikationsturnier zu erreichen.

Das Ziel heißt Olympia 2012

Nicht nur für Bauermann geraten die Nowitzki-Festspiele zum Drahtseilakt. Auch der Hauptdarsteller selbst gibt sich Mühe, sich nicht allzu sehr von den Verehrern in seinem Heimatland vereinnahmen zu lassen. Auf seiner Deutschlandtournee zeigt er sich als Medienprofi, immer höflich und gelassen, der Trubel kann ihm nichts anhaben; vielleicht auch, weil er ahnt, dass es nur ein kurzes Gastspiel sein wird. In Bamberg, Bremen, München und Berlin wird er nur begrenzte Zeit verweilen. Auch wenn der Lockout in der NBA weiter anhält, wird er ein Angebot aus der Basketball-Bundesliga von den Baskets Bamberg, dem FC Bayern oder Alba Berlin ausschlagen: „Da müsste ich mich für einen Klub entscheiden und die anderen wären sauer. Das mache ich nicht.“ Dirk Nowitzki, Weltstar und Diplomat in einem. Und einer, der auch Prügel einstecken kann.