Basketball-EM

Nowitzki kehrt als glücklicher Weltstar heim

Nach drei Jahren Pause spielt Dirk Nowitzki wieder für Deutschland. Der 33-Jährige hält es für "nicht realistisch", künftig in der Bundesliga auf Korbjagd zu gehen.

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Basketball-Superstar Dirk Nowitzki trainiert mit der deutschen Nationalmannschaft.

Video: Reuters
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Als wäre er nie weg gewesen. Ein Abklatschen hier, eine Umarmung da. "Ich bin froh, wieder hier zu sein", sagt Dirk Nowitzki und strahlt über das ganze Gesicht.

Braun gebrannt, tiefenentspannt, mit blonder Zottelmähne – der Basketballstar macht im Training mit der deutschen Nationalmannschaft den Eindruck, als habe er lange, viel zu lange darauf warten müssen, wieder mit den "Jungs", wie er die anderen nennt, zusammen zu sein.

Er, der große Star, ist wieder bei ihnen angekommen, fast auf den Tag genau vor drei Jahren, bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking, hatte er zum bislang letzten Mal in der Auswahl gespielt.

Jetzt will er bei der Europameisterschaft in Litauen (31. August bis 18. September) mithelfen, dass die deutsche Mannschaft möglichst gut abschneidet. Die ersten beiden Teams sind direkt für die Olympischen Spiele 2012 in London qualifiziert, die Mannschaften auf den Plätzen drei bis sechs erhalten die Chance, bei einem Qualifikationsturnier noch die Startberechtigung zu erwerben.

Gute Erinnerung an Peking

An Peking erinnert sich der 33-Jährige gern, der sogar deutscher Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier war: "Das war eine der besten Erfahrungen in meinem Leben."

Dass sich alles um ihn dreht, ist er gewohnt. Dass beim Medientraining am Mittwochabend in Bamberg fast alle Fernsehkameras und Fotoapparate auf ihn gerichtet sind, dass die schreibenden Medienvertreter fast nur von ihm etwas wissen wollen, ist für ihn Business as usual.

Doch durch seinen Triumph in der nordamerikanischen Profiliga NBA mit den Dallas Mavericks hat sich alles noch einmal potenziert. "Der Rummel ist noch einmal nach oben gegangen", sagt er lachend und schüttelt dabei den Kopf. "Sogar im Urlaub in der Karibik wollten sich die Leute mit mir fotografieren lassen." Aber: "Das nehme ich gern in Kauf." Jetzt, wo er sich, wie er sagt, mit dem NBA-Triumph "meinen Lebenstraum" erfüllt hat.

"Wir können ja jetzt gehen", witzelt Robin Benzing (22) mit Blick auf die Nowitzki-Mania in der Bamberger Halle. Benzing ist einer der Jungen, die noch nie mit Dirk Nowitzki zusammengespielt haben. Er ist "sehr gespannt" darauf, wie das wird mit dem Superstar.

Die Altgedienten wie Spielgestalter Steffen Hamann (30) oder Flügelspieler Sven Schultze (33) wissen, dass Nowitzkis Integration ins Team kein Problem sein wird. "Der ist doch der Alte geblieben", sagt Schultze. Also ein umgänglicher Typ, ohne Allüren, dem das Team über alles geht.

Der Umgang miteinander ist das eine. Stimmen muss es aber auch auf dem Feld. "Die Zeit, die wir haben, ist sehr knapp", sagt Nowitzki. Ein "Monsterprogramm" habe der Verband zusammengestellt. Sechs Spiele in zehn Tagen, dazu die Trainingseinheiten sollen Nowitzki und seinen NBA-Kollegen Chris Kaman (LA Clippers) bis zum EM-Start ins Team integrieren.

Die anderen haben schon drei Wochen Vorbereitung in den Knochen, haben mit Siegen über Serbien und die Türkei – ohne die beiden NBA-Profis – schon mal ein Achtungszeichen gesetzt. Jetzt sind Nowitzki und Kaman hinzugekommen. Ein tiefer Einschnitt. "Es heißt: zurück auf los", wie es Bundestrainer Dirk Bauermann ausdrückt.

Bauermann nannte das Duo "ein zweiköpfiges Monster". Angst und Schrecken sollen sie verbreiten. Als erster Härtetest steht in Bamberg der Supercup an, mit Spielen gegen Belgien (Freitag), Griechenland (Samstag) und die Türkei (Sonntag).

Die Spieler müssen die Balance finden: Natürlich muss vor allem Nowitzki in Szene gesetzt werden. Hamann fordert aber auch: "Die Mitspieler dürfen sich nicht verstecken." Andererseits muss Nowitzki auch die anderen im Blick haben. Kein Problem, sagt er, "ich bin doch kein eigensinniger Spieler".

Die vielgestellte Frage, ob er bei einer dauerhaften Aussperrung der Profis ("Lockout") in der NBA eventuell in Deutschland spielen würde, beantwortet er mit "nicht realistisch". Bayern München, Alba Berlin und die Baskets Bamberg hatten Interesse signalisiert. "Da müsste ich mich für einen Klub entscheiden, und die anderen wären sauer." Nowitzki weiß auch: In Deutschland dürfte er keine ruhige Minute haben.