Bayern München

Der Gomez-Aussetzer treibt Hoeneß zur Weißglut

Ein Hauch von "Chancentod": Gomez spielte gegen Zürich glücklos, vergab drei Chancen. Der Nationalstürmer glaubt: "Ich werde nicht mehr nur an Toren gemessen."

Uli Hoeneß war sowieso schon wutentbrannt, das sah man an seiner Gesichtsfarbe, aber diese eine Szene brachte Bayern Münchens Präsidenten auf der VIP-Tribüne der Münchner Arena nun wirklich zur Weißglut.

Als Mario Gomez, immerhin Torschützenkönig der vergangenen Bundesliga-Saison, kurz nach der Pause des Play-off-Hinspiels in der Qualifikation zur Champions League gegen den FC Zürich alleinstehend das Tor verfehlte, konnte Hoeneß sich nicht mehr auf dem Sitz halten.

Wild gestikulierend schimpfte er: Auf Gomez, auf die Mannschaft und überhaupt auf seinen FC Bayern, der noch weit entfernt ist von einer Form, in der man von Titeln träumen kann.

Gomez' Aussetzer stand sinnbildlich für einen ganzen Abend, und auch er hatte bemerkt, dass sich „eine komische Stimmung“ verbreitet hatte. Immerhin hat der deutsche Rekordmeister durch das 2:0 (1:0) die Tür zur Königsklasse weit aufgestoßen, so richtig zufrieden mit der Art und Weise des wohl millionenschweren Sieges war aber niemand.

„Wir haben uns gute Chancen erarbeitet, jetzt müssen wir sie aber auch rein machen“, sagte Gomez – und sprach dabei nicht nur von sich selbst. Hoeneß ärgerte natürlich sich, die Fülle der vergebenen Offensivaktionen zeigt aber auch das Potenzial, das die Bayern haben, wenn denn endlich mal alles zusammenpasst.

"Die Sicherheit ist noch nicht da"


„Es ist ein Prozess, in dem wir heute einen Schritt nach vorne gemacht haben“, beschrieb Gomez die anhaltende Situation in München. Die Umstellung des van Gaal' schen Systemfußballs auf die defensiven Anforderungen von Trainer Jupp Heynckes verläuft schleppend.

Zwar passte auch offensiv gegen Zürich schon mehr zusammen als zuletzt, aber eben nicht alles. Allein Gomez vergab drei Chancen: „Die Sicherheit ist noch nicht da, bei mir selbst wie bei der Mannschaft“, erklärte er.

Lob von Nerlinger

Grund zur Sorge gibt es für den 26 Jahre alten Nationalspieler aber weiterhin nicht: „Es gibt solche Phasen, aber man muss jetzt nicht alles schlecht reden“, sagte Gomez selbstbewusst, gab aber auch zu, „diese Dinge inzwischen anders“ zu sehen.

39 Pflichtspieltore standen in der vergangenen titellosen Saison für ihn zu Buche, mit guten Offensivaktionen trug er zudem zur Kreativität im Bayern-Spiel bei: Er sei „ein kompletter Stürmer“ geworden, lobte Sportdirektor Christian Nerlinger sein einstiges Sorgenkind trotz der Titelflaute immer wieder, vom Beinamen „Chancentod“ sieht Gomez sich daher trotz erst eines Saisontors - einem Elfmeter im DFB-Pokal gegen Eintracht Braunschweig – weiter entfernt denn je.

„Ich weiß, dass ich die Rückendeckung habe und nicht mehr nur an Toren gemessen werde“, sagte er vollkommen entspannt. Inzwischen sehe und schätze jeder, „wie ich spiele“. Konkurrenz auf der Position der einzigen Spitze hat Gomez momentan sowieso weder von Ivica Olic noch von Nils Petersen zu befürchten, es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis „dieses eine Tor kommen wird. Und dann werden auch die anderen kommen“, ist sich Gomez sicher.

Ob es schon gegen den Hamburger SV am Samstag (15.30 Uhr) so weit sei, oder erst kommenden Dienstag beim Rückspiel in Zürich, konnte Gomez nicht so genau sagen. Nur eins ist sicher: Uli Hoeneß' Gesichtsfarbe würden ein paar schnelle Tore gut tun.