0:1 in Hoffenheim

Meister Dortmund freut sich über die erste Niederlage

Die Pleite bei Angstgegner Hoffenheim war für Dortmunds Trainer Jürgen Klopp ein willkommener Dämpfer für die hohen Erwartungen an seine Mannschaft.

Wenn Jürgen Klopp genervt ist, atmet er einmal tief durch, bevor er etwas sagt. Am Samstag musste er gleich mehrmals dieses Hilfsmittel zur Beruhigung seiner selbst anwenden. „Dass die Öffentlichkeit beim Erreichen von Zielen hilft, ist selten“, sagte der Trainer von Borussia Dortmund, nachdem er wieder einmal auf ein leidiges Thema angesprochen worden war: Die allgemeine Lobhudelei, mit der seine Spieler nach dem 3:1-Auftaktsieg über den Hamburger SV vor einer Woche bedacht worden war.

Es habe ihn schon sehr geärgert, was da alles über seine Mannschaft geredet und geschrieben worden sei. „Auf einmal waren wir der haushohe Favorit auf die Meisterschaft, und die Bayern, von denen alle Experten zuvor das Gleiche behauptet hatten, waren auf einmal gar nichts mehr“, klagte Klopp. Er wisse ja, dass Dinge „überzeichnet“ würden. Aber in der vergangenen Woche sei es „wie aus einem Füllhorn“ über die Borussen gekommen.

Ein wenig Medienschelte hielt er deshalb für angebracht. Und er hätte sie wohl auch betrieben, wenn der BVB zuvor nicht 0:1 (0:1) in Hoffenheim verloren hätte. „Auch bei einem Sieg hätte ich weiter auf die Euphoriebremse getreten“, sagte er. Ironie des Schicksals: Durch das Spiel, in dem die Dortmunder nur phasenweise an ihre Galavorstellung vom Auftakt anknüpfen konnten, war dies nicht mehr nötig. So gesehen war die Niederlage beim Angstgegner – der BVB gewann gegen die TSG bislang nur eines von sieben Bundesliga-Spielen – durchaus ein willkommener Dämpfer der Erwartungshaltungen. Weh tat der Verlust der drei Punkte aber dennoch.

„Die Niederlage fühlt sich schlecht an, weil sie unnötig war“, sagte Klopp.

Seine Mannschaft hatte zwar großen Aufwand betrieben, aber diesmal häufig die falschen taktischen Mittel gewählt. Auf einem stumpfen Rasen versuchte sie vergeblich, den Ball schnell zirkulieren zu lassen. Dazu seien einige Unkonzentriertheiten gekommen, speziell in der Anfangsphase, aber auch gegen Ende der Partie, als einige gute Möglichkeiten vergeben wurden. „Wir haben die ersten Minuten verschlafen“, sagte Innenverteidiger Mats Hummels selbstkritisch. Sportdirektor Michael Zorc („Es wurde zu viel Klein-Klein gespielt“) bemängelte – einmal mehr – die Chancenverwertung: „Wir haben einfach zu wenig Tore aus unseren Möglichkeiten gemacht.“

Götze gab nur wenig Impulse

Daran konnte auch Mario Götze nichts ändern. Eine Woche nach seinem starken Spiel gegen den HSV und drei Tage nach seinem umjubelten Auftritt im Nationalmannschaftstrikot gegen Brasilien gab er dem Dortmunder Spiel nur wenige Impulse. Der Mittelfeldspieler, um den am Mittwoch ein Riesenhype entstanden war – „Jahrhunderttalent“ (Felix Magath), „Instinktfußballer, der alles mitbringt“ (Franz Beckenbauer), „Götzinho“ („Bild“) – präsentierte sich in Hoffenheim müde. „Was sicher für einen 19-Jährigen auch ein Stück weit normal ist“, wie Michael Zorc befand.

„Mario hat vor dem Spiel gesagt, er wird es versuchen, so weit die Füße tragen“, erklärte Klopp, der dann aber in der Halbzeit Signale von Götze bekommen hatte, dass es nicht mehr lange gut gehen würde. Deshalb, so Klopp, habe er ihn in der 54. Minute ausgewechselt. Vor der Partie hatte der Trainer sogar überlegt, Götze aus der Startelf zu nehmen. Ob möglicherweise der Rummel, dem Götze in den vergangenen Tagen ausgesetzt war, auch zu einer „mentalen Müdigkeit“ bei dem Mittelfeldspieler beigetragen habe, wollte Klopp nicht beurteilen. Er sagte: „Ich weiß nicht, wie mentale Müdigkeit gemessen wird. Wir haben eine körperliche Müdigkeit festgestellt.“

Die Spekulationen von einem möglichen Durchmarsch in der Bundesliga haben nicht nur den Trainer, sondern auch die Spieler gestört. „Jeden hat das ein bisschen genervt, auch das Thema, was bei Mario los war. Da wurde teilweise keine Peinlichkeit ausgelassen“, sagte etwa Mats Hummels , der gemeinsam mit Sven Bender und Ilkay Gündogan Götze zur Nationalelf begleitet und die Aufregung um seinen BVB-Kollegen hautnah mitbekommen hatte.

So gesehen hat die Niederlage in Hoffenheim zumindest einen sinnvollen Effekt: Der Hype um die Dortmunder Himmelstürmer dürfte etwas nachlassen – und Jürgen Klopp und Michael Zorc werden wieder an Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn sie unaufhörlich westfälische Bodenständigkeit predigen. Der BVB bekomme eben nichts geschenkt, sagte Zorc: „Wir müssen uns alles immer wieder neu erarbeiten.“ In Hoffenheim hätten sie dies nicht getan.