Münchner Leitwolf-Debatte

"Unnötiger Senf in doofen Blogs" – Hoeneß tadelt Kahn

Die Retourkutsche von Hoeneß auf die Kritik von Kahn ließ nicht lange auf sich warten. "Das ist alles Käse", sagte der Bayern-Präsident vor dem Spiel gegen Zürich.

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Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat den früheren Weltklasse-Torhüter Oliver Kahn nach seiner Internet-Kritik an Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger öffentlich die Leviten gelesen. „Ich halte davon nichts, das ist alles Käse“, schimpfte Hoeneß vor dem Play-off-Hinspiel des deutschen Rekordmeisters zur Champions League gegen den FC Zürich in Sat.1.

„Grundsätzlich denke ich, dass ein Ex-Spieler das nicht nötig hat, in irgendwelchen doofen Blogs seinen Senf zu allem dazuzugeben“, erklärte Hoeneß weiter: „Das ist so unnötig wie ein Kropf. Wenn er ein Problem hat, soll er das selber den Spielern sagen, aber nicht übers Internet, wo es innerhalb von zehn Sekunden von Feuerland bis Alaska durch die Welt geht.“

Auch Nerlinger sauer

In die Schelte gegen Kahn stimmte beim TV-Sender Sky auch Christian Nerlinger mit ein.

„Ich bin anderer Ansicht als Oliver Kahn und teile seine Meinung nicht. Im Gegenteil. Seine Kritik ist polemisch und respektlos gegenüber den beiden“, sagte Nerlinger: „Man muss sich vor Augen halten, mit wem man es zu tun hat. Sie sind das Aushängeschild des deutschen Fußballs und des FC Bayern München. Genauso wie es Oliver Kahn verdient, dass ihm Respekt gezollt wird für seine ausgezeichneten Leistungen in der Vergangenheit, so gehört es sich auch, dass den beiden der Respekt entgegengebracht wird.“

Sky-Experte Stefan Effenberg ergänzte: „Die Kritik kam zu einem falschen Zeitpunkt, zu früh in der Saison. Er hätte warten sollen. Aber wenn Oli das sagt, muss man das hinnehmen.“

Und Kahns ehemaliger Mannschaftskollege Lothar Matthäus meinte: „Ich glaube, dass der FC Bayern Führungsspieler hat, aber nicht mehr Führungsspieler wie Stefan, wie Oliver oder auch wie mich, die auch mal in der Öffentlichkeit auf den Tisch geschlagen haben oder öffentlich Kritik geübt haben. Diese Zeiten sind vorbei.“

Kahn hatte Bayern-Kapitän Lahm und dessen Vertreter Schweinsteiger eine Mitschuld an der zehnjährigen Titelflaute der Bundesliga-Klubs im Europapokal zugeschrieben. „Hängt die Titellosigkeit nicht vielleicht mit einer Spielergeneration zusammen, deren Stellvertreter Phlipp Lahm und Bastian Schweinsteiger vehement leugnen, dass eine Mannschaft heutzutage echte Führungsspieler braucht?“, hatte Kahn in einem Blog geschrieben.

Dies hatten bereits die beiden Betroffenen mit scharfen Worten gekontert. „Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass Oliver Kahn früher nichts mehr gehasst hat als Kritik von Ex-Kollegen, die über die Medien ausgeübt wird. Von so einem großen Spieler erwarte ich, dass er sich an seine Worte erinnert“, erklärte Schweinsteiger.

Lahm hatte gelassen reagiert: „Dazu brauche ich keine Stellung nehmen. Ich kenne Oliver Kahn, sie kennen Oliver Kahn, ich sehe das gelassen.“

Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer zeigt dagegen Verständnis für den langjährigen Nationaltorhüter.

„Ich kann Kahn verstehen. Unsere Mannschaften haben gerade immer dann Titel geholt, wenn starke Persönlichkeiten auf dem Platz standen, die ihren Mitspielern notfalls in den Hintern getreten und den Erfolg erzwungen haben“, sagte er der "Bild"-Zeitung, bei Sat.1 ergänzte er am Abend: „Durch ihre Leistung sind Lahm und Schweinsteiger anerkannt und Führungsspieler, aber sind auf dem Platz zu leise. Das hat er wohl gemeint.“