Neue Spieler

Die großen Hoffnungen der Berliner Sportklubs

Alba, Füchse, Eisbären, Hertha und Union haben sich erheblich verstärkt, um ihren Fans attraktiven Sport zu bieten und ihre ambitionierten Ziele zu erreichen. Morgenpost Online stellt fünf Spieler vor, mit denen große Hoffnungen verbunden sind.

Für Alba und die Eisbären geht es traditionell um den Meistertitel in Basketball und Eishockey; die Handball-Füchse sind in der kommenden Saison erstmals seit vielen Jahren wieder im internationalen Geschäft dabei. Sie wollen dort lernen, aber keineswegs nur Lehrgeld zahlen. Die beiden besten Fußball-Klubs sind schon in die Spielzeit gestartet und haben in den ersten Partien feststellen müssen, dass es für sie in Bundesliga und Zweiter Liga nicht leicht wird, die Erwartungen zu erfüllen. Morgenpost Online stellt Ihnen aus jedem der fünf Klubs einen interessanten neuen Spieler vor, mit dem große Hoffnungen verbunden sind.

Volle Kraft voraus für Herthas Sicherheit

Wenn es bei Hertha BSC einen Mann gibt, auf dem besonders viele Hoffnungen ruhen, dann ist es Thomas Kraft. Vor der Bundesliga-Saison kam der 23-Jährige von keinem geringeren Klub als dem FC Bayern München, wo er seit der Winterpause sogar Stammtorwart war. Dann aber verdichteten sich Gerüchte über eine Verpflichtung von Nationaltorwart Manuel Neuer, gegen den er wohl das Nachsehen gehabt hätte. Hinzu kamen einige unglückliche Äußerungen von Präsident Uli Hoeneß – zu diesem Zeitpunkt stand Hertha-Manager Michael Preetz längst in Kontakt zu dem Talent. Kraft betont, dass ihn vor allem die persönliche Art der Ansprache an die Spree gelockt habe – und er so zum größten Transfer-Coup der jüngeren Herthageschichte avancierte, noch dazu ablösefrei.

Bei Hertha soll er der Position zwischen den Pfosten neue Sicherheit verleihen. Dort war in der Vorsaison einiges schief gelaufen. Doch obwohl er mit Vorschusslorbeeren und dem vielzitierten „Bayern-Gen“ nach Berlin kam, reihte er sich artig in den Konkurrenzkampf im Tor ein. Dabei durfte er sich seiner Sache schon vorher ziemlich sicher sein, nur bei bösen Patzern in der Vorbereitung hätte er wohl auf der Bank Platz nehmen müssen. So aber setzte er sich ohne Mühe durch.

Im ersten Saisonspiel hatte Kraft kaum die Möglichkeit sich auszuzeichnen, am Sonnabend in Hamburg dagegen zeigte er phasenweise, wofür er geholt wurde: Mit exzellenten Reflexen hielt er Hertha im Spiel, zudem bringt er eine Ausbildung als Feldspieler mit. Und irgendwie auch ein bisschen Glamour aus der bayerischen Fußball-Metropole– obwohl Kraft eher ein ruhiger Typ ist. Abseits des Platzes, wohlgemerkt.

Ein bisschen brasilianischer Zauber

So sieht Leistungsdruck aus: Gut 500.000 Euro soll Union ausgegeben haben für den Brasilianer Silvio Carlos de Oliveira. In der großen Fußballwelt mag das nicht viel sein, in Köpenick reicht es aber zum teuersten Einkauf der Klubgeschichte.

Das verlangt natürlich nun ganz klar nach einem – und zwar nach Toren. Der Start war recht gut, im ersten Zweitliga-Spiel traf der 26-Jährige, der vorher gut fünf Jahre in der Schweiz gespielt hatte, gleich vom Elfmeterpunkt. Seither hakt es, nicht nur bei ihm, sondern bei allen Union-Stürmern. Trainer Uwe Neuhaus aber scheint überzeugt vom Neuling, bislang stand der Spieler, der in der vergangenen Saison 16 Treffer erzielte, immer in der Startelf. Als „wichtigen Transfer“ und Spieler mit dem Ziel Erste Liga beschreibt der Coach den Brasilianer, dessen Vertrag logischerweise auch in der Bundesliga Gültigkeit hat.

Silvio spielt zwar eigentlich lieber hinter den Spitzen, ist bei Union allerdings direkt als Angreifer vorgesehen. Er kann neben 13 Spielen in der ersten Schweizer Liga für den FC Zürich und 113 Partien in der zweiten Schweizer Liga auf sechs Einsätze in der Europa League zurückblicken. In denen erzielte er beachtliche fünf Treffer für den FC Lausanne-Sport. Die Hoffnungen der Köpenicker auf ein bisschen brasilianischen Zauber im Stadion an der Alten Försterei sind also durchaus berechtigt.

Romeros Erfahrung ist für die Füchse wertvoll

So sieht Bescheidenheit aus: Als Weltstar hat Handball-Bundesligist Füchse Berlin den Spanier Iker Romero vorgestellt. Immerhin hat der 32-Jährige in seiner schillernden Karriere einen WM-Titel gewonnen, zweimal die Champions League mit dem FC Barcelona, dazu Meistertitel und Pokalsiege. Gerade in Berlin angekommen, mochte der fast zwei Meter große Hüne von seiner exponierten Rolle aber nichts wissen. „Ein Star? Das finde ich übertrieben“, sagte er. Er wolle den Füchsen weiterhelfen, aber zu einem Star gehöre ja wohl etwas mehr.

Nach Deutschland ist er im Gegenteil gewechselt, weil die Bundesliga für ihn die stärkste Liga der Welt ist. Hier sind auch die besten Spieler. Und er ist nur einer unter vielen. Nun mag es sein, dass die vergangenen Jahre in Barcelona seine Bescheidenheit gefördert haben, denn unter Trainer Xavi Pascal war Romero am Ende kein Stammspieler mehr. Dabei ist er ein treffsicherer Siebenmeter-Schütze, ein gefährlicher Werfer aus dem Rückraum. Seine Erfahrung, gerade auf internationalem Parkett, ist für die Füchse umso wertvoller, als sie in der kommenden Saison erstmals in der Champions League antreten und mehr als Kanonenfutter sein wollen.

Von Romero wird besonders auf diesem Gebiet Hilfe erwartet. Der attraktive Single, der den Kurfürstendamm gern zum Flanieren nutzt, will sich dabei nicht nach vorn drängen, sondern einordnen. Er schätzt an Deutschland nicht nur die Bundesliga, auch die Mentalität gefällt ihm. „Ich mag die deutsche Ordnung, das ist komplett anders als in meiner Heimat“, sagt er, „was ich hier an einem Tag erledigen kann, dauert in Spanien zwei Wochen.“ Klingt so ein stolzer Spanier? Dann schon eher jemand, der die Veränderung als Chance begreift, Neues zu lernen. Romero unterschrieb bei den Füchsen einen Vertrag für drei Jahre.

Albas Macht unter den Körben ist ein Koloss

Viele fühlen sich geschmeichelt, wenn sie als „Kerl wie ein Baum“ bezeichnet werden. Albas Center Torin Francis sicher nicht. Denn auf ihn trifft diese Bezeichnung ganz einfach zu. Seine Rasta-Locken lassen ihn noch größer erscheinen als die 2,10 m, mit denen er in den Büchern des Weltbasketballs geführt wird. Auf die Waage bringt er stolze 120 Kilo, ohne auch nur annähernd in den Verdacht zu geraten, übergewichtig zu sein.

Wenn der Reggae-Fan mit den jamaikanischen Wurzeln aus den USA am Mittwoch mit Albas Mannschaft ins Trainingslager nach Peking fliegt, wird es in diesem Jahr nicht das erste Abenteuer sein. Anfang 2011 spielte er in der Türkei für Bornova Belediye, wechselte aber noch im Januar nach Griechenland zu Panellinios Athen. „Da haben wir nicht das Play-off erreicht, Anfang Mai war die Saison vorbei“, erzählt Francis. „Als ich drei Wochen zu Hause war, rief mich mein Agent an. Um es kurz zu machen: Ich spielte dann sechs Wochen lang in Venezuela.“

Francis (28) unterschrieb bei Alba einen Vertrag über zwei Jahre – kommenden Sommer wird er wohl kaum Zeit für weitere Ausflüge haben. Mit seiner physischen Präsenz will Alba um die Meisterschaft mitspielen. Und die wird hierzulande Ende Juni entschieden.

Große Herausforderung für den DEL-Topscorer

Vor vier Jahren kam Darin Olver nach Deutschland. Er heuerte in der Zweiten Liga (Bremerhaven) an und merkte schnell, welche Klubs hierzulande die attraktivsten sind. Deshalb wünschte er sich schon damals, mal bei den Eisbären in Berlin zu spielen. Nun trägt er das Trikot des Meisters – und damit auch die Erwartungen der Fans.

Denn Olver hat sich erstaunlich entwickelt. Über die Zweite Liga ging es nach Straubing, doch es lief nicht sonderlich gut, und der DEL-Klub ließ ihn schnell fallen. In Augsburg blühte er auf, verfünffachte seine Ausbeute, schoss Tore und gab Vorlagen wie kaum ein anderer. Vergangene Saison wurde der gebürtige Kanadier so zum besten Punktesammler der Liga, durfte die Ehrung als bester Spieler der DEL in Empfang nehmen – und zum deutschen Nationalspieler stieg er auch auf.

Bei den Eisbären allerdings ist der Konkurrenzkampf erheblich größer als in Augsburg. Dort stand der 26-Jährige in allen Situationen auf dem Eis, das Spiel war ganz auf ihn zugeschnitten. Das wird nun anders werden, denn die Berliner sind sehr viel ausgeglichener und verfügen über eine ganze Reihe von Profis mit hoher Qualität. Für Olver wird dieses Umfeld eine große Herausforderung.

Aber der Angreifer hat Hilfe dabei, sich in Berlin zu akklimatisieren – denn die Eisbären verpflichteten seinen Sturmpartner von den Augsburger Panthern gleich mit. Und Barry Tallackson war in der Scorerliste der DEL auf Rang drei. Beide spielen bei den Eisbären selbstverständlich in einer Reihe. Für Olver ein gutes Gefühl, in der European Trophy gelang ihm im zweiten Spiel für den EHC gleich sein erster Treffer.