Golf

Clarke gewinnt British Open – Kaymer wird Zwölfter

Der nordirische Ryder-Cup-Held Darren Clarke hat bei der 140. British Open in Sandwich den ersten Majorsieg seiner 21-jährigen Profikarriere gefeiert.

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Martin Kaymers Traum vom Triumph bei der 140. British Open wurde an der englischen Südwestküste vom Winde verweht - dafür feierte Routinier Darren Clarke in seinem 54. Anlauf endlich seinen ersten Major-Sieg. Der 42 Jahre alte Nordire setzte sich auf dem schwierigen Kurs in Sandwich mit 275 Schlägen souverän mit drei Vorsprung vor beiden US-Profis Dustin Johnson und Phil Mickelson durch. „Jahr für Jahr habe ich versucht, dieses Turnier zu gewinnen. Dass ich es jetzt geschafft habe, ist unbeschreiblich“, sagte Clarke nach seiner 21. „Open“.

Kaymer, der nach zwei Tagen mit Runden von 68 und 69 Schlägen noch glänzend positioniert war, büßte am Wochenende (zweimal 73) bei extremen äußeren Bedingungen Schlag um Schlag ein und belegte am Sonntag nach sechs Bogeys bei nur drei Birdies mit 283 Schlägen den zwölften Platz. Damit verfehlte er beim ältesten Golfturnier der Welt (seit 1860) knapp sein zweites Top-10-Resultat nach Rang sieben im Vorjahr.

„Mein Spiel war an den letzten beiden Tagen nicht gut genug, um hier gewinnen zu können. Heute waren die Bedingungen schon ziemlich schwer, noch schwieriger als gestern“, sagte Martin Kaymer, der im August 2010 bei der US-PGA-Championship sein erstes Major gewonnen hatte. Das dies nun Darren Clarke glückte, freute auch Kaymer: „Das ist eine riesen Leistung - gerade in seinem Alter. Gut für uns, dass wir Europäer den Major-Titel gewonnen haben.“

Für den 26-Jährigen aus Mettmann war Sandwich dennoch ein weiterer Schritt vorwärts, nachdem er in den vergangenen Wochen im Zuge seiner Schwungveränderungen seine erste kleine Krise durchmachen musste. „Spielerisch bin ich sehr zufrieden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder vorne mitspielen kann“, bilanzierte Martin Kaymer.

Nach seiner Kampfansage am Samstagabend („Ich glaube, die fünf Schläge Rückstand sind gar nichts. Da kann alles passieren. Fünf Schläge sind wirklich nicht viel.“) war der Zug für Kaymer am Schlusstag schon früh abgefahren. Mit vier Bogeys auf den ersten neun Löchern fiel der Weltranglistendritte im Kampf um den Sieg und die begehrte Trophäe Claret Jug aussichtslos zurück. Zwar rückte er zwischenzeitlich nach zwei Birdies an der 10 und 12 noch einmal in die Top 10 vor, fiel dort aber nach weiteren Schlagverlusten wieder heraus.

Unterdessen setzte Darren Clarke auf dem Küstenkurs zu einem Triumphmarsch an. Unter dem Jubel der mehr als 40.000 zumeist britischen Fans wurde besonders sein Eagle an der 7 frenetisch gefeiert. Mit diesen beiden Schlaggewinnen setzte der 42-Jährige bei seiner 21. „Open“ endgültig die Weichen auf Sieg. Bangen um den Triumph musste er nur selten, allenfalls Phil Mickelson und Dustin Johnson rückten kurzzeitig bis auf zwei Schläge an den Führenden heran.


Tosender Jubel nach dem letzten Putt

Doch Darren Clarke, der zuvor 13-mal auf der Europa-Tour gesiegt hatte, ließ sich nicht beirren, spielte Par um Par, während die Konkurrenten patzten. Abschläge ins Aus (Johnson) oder auf die Tribüne (Mickelson) - mit diesen Aussetzern war dem Nordiren an diesem Tag nicht beizukommen. Als Clarke seinen letzten Putt versenkt hatte, brandete entlang der Küste tosender Jubel aus.

Clarke ist ein Sieger der Herzen, der sich 2006 in die Herzen der europäischen Golffans gespielt hatte. Drei Monate nach dem tragischen Krebstod seiner Ehefrau Heather erhielt der Brite von Kapitän Ian Woosnam eine Wildcard für den Ryder Cup im K-Klub nahe der irischen Hauptstadt Dublin. Mit drei Siegen hatte er dann entscheidenden Anteil am Triumph der Europäer, unter Tränen wurde der Held von „seinen“ Fans gefeiert. Bewegende Bilder, die damals um die Welt gingen.

Für einige der Favoriten endete das dritte Major-Turnier des Jahres mit einer Enttäuschung. Die beiden Führenden in der Weltrangliste, die Engländer Luke Donald und Lee Westwood, scheiterten beide am Cut nach zwei Runden. Und der Nordire Rory McIlroy, den viele nach seinem triumphalen US-Open-Sieg als ersten Sieganwärter eingestuft hatten, musste sich mit 287 Schlägen und Platz 26 zufrieden geben. „Ich mag es wirklich nicht, unter diesen bedingungen Golf zu spielen“, sagte McIlroy.

140. British Open in Sandwich/England (5,5 Millionen Euro, Par 70), Endstand nach vier Runden: 1. Darren Clarke (Nordirland) 275 Schläge (68+68+69+70), 2. Dustin Johnson 278 (70+68+68+72) und Phil Mickelson (beide USA) 278 (70+69+71+68), 4. Thomas Björn (Dänemark) 279 (65+72+71+71), 5. Rickie Fowler 208 (70+70+68), Anthony Kim 280 (72+68+70+70) und Chad Campbell (alle USA) 280 (69+68+74+69), 8. Raphael Jacquelin (Frankreich) 281 (74+67+71+69), 9. u.a. Sergio Garcia (Spanien) 282 (70+70+74+68), ... 12. u.a. Martin Kaymer (Mettmann) 283 (68+69+73+73), ... 22. u.a. Tom Watson (USA) 286 (72+70+72+72), ... 25. u.a. Rory McIlroy (Nordirland) 287 (71+69+74+73) und Miguel Angel Jimenez (Spanien) 287 (66+71+72+78), ... am Cut nach zwei Runden (143 Schläge) gescheitert: 73. u.a. Lee Westwood (England) 144 (71+73), Padraig Harrington (Irland) 144 (73+71), 87. Graeme McDowell (Nordirland) 145 (68+77), 94. Luke Donald (England) 146 (71+75), 101. Ian Poulter (England) 149 (69+78), 110. Bernhard Langer (Anhausen) 148 (75+73), ... ausgestiegen nach der ersten Runde: Retief Goosen (Südafrika) 76.