Badminton

Berlinerin Schenk erobert WM-Bronze

Über ihrem Apartment kreisten Hubschrauber, auf der Straße brannten Autos – doch Juliane Schenk spielte in London völlig unbeeindruckt davon die beste Badminton-WM ihrer Karriere. Nach dem Gewinn der Bronzemedaille und der wohl aufregendsten Woche ihres Lebens zählt die willensstarke Berlinerin plötzlich zu den Medaillenkandidaten bei den Olympischen Spielen in einem Jahr an gleicher Stelle.

„Ich habe mit diesem Erfolg bewiesen, dass ich zurecht an eine Medaille bei Olympia glauben darf. Die Vorfreude auf Olympia wächst, und ich kann viele positive Emotionen mitnehmen“, sagt Schenk im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. Es sei eine besondere Woche gewesen, in der sie dem großen Ziel Olympia 2012 einen großen Schritt näher gekommen sei.

Bei der Generalprobe für die Olympischen Spiele in der riesigen Wembley Arena war Schenk erst im Halbfinale die Luft ausgegangen. Gegen Cheng Shao Chieh aus Taiwan war sie beim 18:21, 6:21 am Ende ohne Chance. Die Energie sei runtergegangen, ihr habe die Leichtigkeit gefehlt, sagt Schenk: „Es war ein kleiner Teufelskreis, es ist alles zusammengebrochen.“

Schenk fehlte ihr Anker, wie sie ihre Mentaltrainerin Gaby Frey nennt. Neben ihren Eltern ist sie der wichtigste Mensch in Schenks Leben. Immer wieder suchten ihre Blicke die Tribüne nach Frey ab, immer wieder vergebens. „Ich habe sie einfach nicht gefunden. Sie stellt eine wichtige Verbindung für mich dar“, sagt Schenk. Die Bronzemedaille sei auch der Verdienst ihrer Mentaltrainerin.

Schenk und Frey sind mittlerweile ein eingespieltes Duo, dem der Verband auch Sonderwege gestattet. Schließlich gibt der Erfolg immer Recht. Die beiden Frauen mieteten eine eigene Wohnung fernab des Teamhotels an und landeten dabei ausgerechnet im Stadtteil Ealing, der von den schweren Krawallen erschüttert wurde.

Es sei schon eine besondere Situation gewesen, nicht zu wissen, ob man nun auf die Straße gehen sollte oder nicht. Überall waren Fensterscheiben eingeworfen worden, die Geschäften hatten geschlossen, es herrschte gespenstische Stimmung.

Doch Schenk zieht selbst aus solchen Ausnahmesituationen die positiven Dinge. „Wir haben die Woche unbeschadet überstanden. Und es geschieht ja nichts durch Zufall. Ich habe jederzeit das Gefühl gehabt, am richtigen Ort zu sein“, sagt die 28-Jährige.

Diese innere Ruhe ist wohl eines der am deutlichsten vernehmbaren Ergebnisse ihrer Zusammenarbeit mit Frey. Vor sieben Jahren trafen die beiden Frauen erstmals aufeinander, als Schenk 2006 von einer schweren Schulterverletzung zurückgeworfen wurde, intensivierte sich die Zusammenarbeit.

Die Arbeit mit Frey gehört heute zum täglichen Trainingsprogramm. Sie hat Schenk in einem langen und immer noch fortlaufenden Prozess auf und außerhalb des Courts gefestigt. „Vor drei Jahren hätte ich bei den Krawallen vielleicht Angst gehabt. Heute ist das nicht mehr der Fall“, betont die Sportsoldatin.

Am Sonntagnachmittag genoss sie ihre erste WM-Siegerehrung in vollen Zügen. Der Flug zurück geht erst am Montagabend. Schenk wollte sich noch einmal Zeit nehmen. Zeit für die Stadt, Zeit für die unzähligen Sehenswürdigkeiten, Zeit, um sich nach einer besonderen Woche von der WM zu verabschieden.