Faustball

Deutschland erstmals seit 16 Jahren Weltmeister

Die deutschen Faustballer haben erstmals seit 16 Jahren wieder den Weltmeistertitel gewonnen.

Glücklicherweise hatten die deutschen Faustball-Amateure für den Montag vorsorglich Urlaub genommen. So konnten sie den ersten Weltmeistertitel seit 16 Jahren bis in die frühen Morgenstunden gemeinsam mit den anderen Teams im Stadion von Pasching feiern. Auch Bundestrainer Olaf Neuenfeld jubelte ausgelassen mit. Auch wenn der bekennende Fan und Kleinaktionär von Borussia Dortmund vor dem 4:2-Finaltriumph gegen Titelverteidiger Österreich die erste Bundesliga-Niederlage seiner Fußball-Lieblinge hatte verkraften müssen.

Aber Faustball ist ohnehin eine andere Welt als Fußball, und wie Neuenfeld findet, in vielen Punkten eine bessere. „Bei uns geht es um Ehrlichkeit. Es gibt kein Doping, keine Schwalben und falsche Schiedsrichter-Entscheidungen werden korrigiert. Das wäre im Fußball undenkbar“, sagte Neuenfeld der Nachrichtenagentur dapd: „Faustball war immer ein Amateursport und wird es immer bleiben. Durch den Weltmeistertitel verdienen die Spieler keinen Cent. Da gibt's in der Fußball-Kreisliga mehr.“

Immerhin mussten die Champions auch nichts zuzahlen, denn die Hotelkosten hatte der Veranstalter Österreich übernommen und die Anreise zahlten Verband und Liga aus der Heimat. Das ist durchaus bemerkenswert, schließlich sind die Weltmeister auch in ihren Hauptjobs keine Großverdiener. Es gibt einen Bauingenieur und einen Druckereiarbeiter, Angreifer Patrick Thomas („Es ist unfassbar. Ich weiß noch gar nicht, was hier los ist. Wir haben uns in einen Rausch gespielt“) ist noch Schüler, fünf sind Studenten und einer hat gerade ein freiwilliges soziales Jahr beendet.

Umso bemerkenswerter ist es, dass sich die deutschen Hobbysportler zu einer unschlagbaren Einheit zusammenfanden, und erstmals seit 1995 den wichtigsten Titel des Sports ins Mutterland zurückholten. Das am ehesten dem Volleyball ähnliche Spiel - allerdings mit einem gigantisch großen Spielfeld im Freien von 50x20 Meter und nur fünf Spielern – hatte sich nämlich von hier in die Welt verbreitet. Hauptsächlich durch deutsche Auswanderer, die nach neun deutschen WM-Titeln in Folge aber 1999 erstmals und seitdem bis zum Samstag in Pasching besser als ihre Lehrmeister waren.

Diesmal mussten die Deutschen auf dem Weg zum Finale unter anderem den späteren WM-Dritten Brasilien im Halbfinale (4:1) aus dem Weg räumen, auch die dahinter platzierten Spieler mit oft deutschen Wurzeln aus Argentinien, der Schweiz oder Chile spielten bei den Titelkämpfen eine wichtige Rolle. „Die WM hat gezeigt, dass es noch nie so viele Teams auf Augenhöhe gab. Umso wertvoller ist dieser Titel“, meinte Neuenfeld, der beim letzten Titel vor 16 Jahren noch als Spieler dabeigewesen war. Der erfahrene Abwehrspieler Sascha Ball meinte nach seiner letzten WM, dass das „junge deutsche Team noch einige Titel holen wird.“

An der Wertigkeit der Sportart verändern wird das vermutlich nichts. Zwar wurde erstmals in der Geschichte ein deutsches WM-Finale live auf einem Satellitenkanal im Fernsehen übertragen, aber in der Zukunft werden die deutschen Weltmeister wieder in der Bundesliga vor höchstens 300 Zuschauern agieren. Zumeist abseits der Metropolen in Städtchen wie Brettorf, Ahlhorn oder beim deutschen Meister Pfungstadt.

International ist Faustball bei den World Games der Randsportarten dabei. „Eine Chance auf die Aufnahme ins Olympia-Programmn haben wir nicht. Ich versuche darin aber vor allem die Vorteile zu sehen. Hier ist nichts durch Geld verdorben und die Sportler aller Teams sind nach dem Spiel Freunde“, sagte Neuenfeld. Dann machte sich der Weltmeister-Coach auf die fast 900 Kilometer lange Rückfahrt nach Schneverdingen – zu seinem Hauptjob als Außendienstmitarbeiter für Krankenpflegeartikel.