Birgit Prinz

Deutschlands beste Spielerin verlässt den Rasen

Fußball-Nationalspielerin Birgit Prinz hat ihre Karriere offiziell beendet. Ihre Leistung bei der Frauen-WM habe bei der Entscheidung keine Rolle gespielt, sagt sie.

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Die Rekordnationalspielerin Birgit Prinz hat ihre Karriere offiziell beendet

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Farbenkundler wird das Violett der Sportjacke ins Auge gestochen sein, mit der Birgit Prinz zu ihrem letzten großen Auftritt antrat. Violett soll das seelische Gleichgewicht und die Entschlusskraft fördern. Das klappte ganz gut. Pathos oder überbordende Emotionen waren nie der Fall der Birgit Prinz, und so verkündete sie gestern Vormittag an der Grenze zur Emotionslosigkeit ihre Karriere für beendet: „Es ist eine bewusste und gut überlegte Entscheidung.“ Ohne Tränen oder erkennbare Wehmut.

Zwar presste sie zuweilen ihre Lippen zusammen, mal zuckten die Mundwinkel nach unten. Aber das war nur Prinz-Mimik in Reinform. Der Abschied war ein Abbild ihrer Karriere: großer Bahnhof und sie wie seit Jahren die beherrschte Regentin. Sie trat mit einem Strauß Sonnenblumen ab, was auch ganz gut zu ihr passte. Die hoch gewachsene Blume symbolisiert unter Umständen übertriebenen Stolz, der unnahbar macht.

Prinz war so. Sie war bekannt im Volk, ließ sich aber von ihm nicht vereinnahmen. Sie machte sich nie gemein mit irgendetwas, das Interesse an ihrer Person war ihr immer suspekt. Sie wollte nichts Besonderes sein, was als dreifache Weltfußballerin, zweifache Weltmeisterin und fünffache Europameisterin natürlich ein Ding der Unmöglichkeit ist. So war Birgit Prinz zwar das Gesicht des Frauenfußball, insbesondere des deutschen. „Selbst Laien bringen den Frauenfußball sofort mit ihr in Verbindung“, sagte Joseph Blatter, Präsident des Weltfußballverbandes Fifa. Zum Star aber taugte die bald 34 Jahre alte Ausnahmestürmerin a.D. jedoch nie. Sie setzte Glanzlichter, wollte sich aber für Hochglanzseiten in Magazinen nie hergeben.

Die WM in diesem Sommer hat ihr deswegen gleich mehrfach zugesetzt. Prinz spielte nicht gut, sie traf auch nicht. Öffentliche Kritik prasselte auf sie herein, Prinz sprach von einer Hetzjagd. Sie tat sich immer schwer mit Kritik. Weil das mediale Gewitter aber durch die Heim-WM unendlich größer als früher war, wirkte sie geradezu hilflos. Dann wurde sie von Bundestrainerin Silvia Neid erst kalt- und dann bloßgestellt („Sie ist mental nicht in der Lage zu spielen.“). Ihre internationale Karriere endete schließlich beim Viertelfinalaus gegen Japan unrühmlich auf der Ersatzbank. Das „sehr enttäuschende Abschneiden bei der WM“ habe eine „eher kleinere Rolle“ für ihren Entschluss gespielt, sagte Prinz zwar. Sie kündigte aber auch eine Aussprache mit der Bundestrainerin an, um den Bruch eventuell noch kitten zu können. „Ich gucke zurück und denke, meine Karriere ist gut gelaufen. Auch wenn das Ende suboptimal war“, sagte Prinz. Vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) war Nationalmannschafts-Managerin Doris Fitschen gestern gekommen. „Die Birgit“ sei mit sich „im Reimen“, sagte Fitschen, „zumindest habe ich das Gefühl“.

So ist es wohl auch, sie hat den Fokus schon vom Sport weg gerichtet. Ihre Nationalmannschafts-Karriere sollte nach der WM ohnehin planmäßig enden. Mit 214 Spielen und 128 Toren bleibt sie vielleicht auf ewig Rekordhalterin. Nun machte sie auch beim 1. FFC Frankfurt Schluss, mit dem sie drei Siege im Uefa-Cup, holte, neun Meisterschaften gewann und zehn Mal im DFB-Pokal triumphierte. Prinz hat drei Ausbildungen hinter sich. Sie ist Masseurin, medizinische Bademeisterin und Physiotherapeutin sowie diplomierte Psychologin. Mit Freunden will sie ein Psychologie-Institut gründen und Sportler beraten. „Das steht jetzt im Vordergrund, nachdem ich jahrelang zurückstecken musste. Ich bin bekannt dafür, keine halben Sachen zu machen“, sagte sie.

Deswegen kann sie auch nicht mit Michael Ballack verglichen werden, dessen Abgang aus der DFB-Auswahl ähnlich unrühmlich verlief. Beide waren zwar Kapitän ihres Teams, sie galten als unumstößliche Größen. Prinz aber sorgte schnell für klare Verhältnisse. Ballack dagegen lavierte monatelang herum, bis Bundestrainer Joachim Löw die Entscheidungshoheit beanspruchte und ihn vor die Tür setzte. „Jeder Sportler sollte einfach wissen, wann der richtige Moment gekommen ist. Und für mich ist dieser Moment gekommen“, sagte Prinz.

Im Alter von 15 Jahren wurde sie mit einer Sondergenehmigung Bundesligaspielerin in Frankfurt, mit 16 Jahren debütierte sie in der Nationalmannschaft, als sie 26 Jahre alt war, wurde sie erstmals Weltfußballerin. Diese Ehrung wurde ihr auch in den folgenden zwei Jahren zuteil. Frankfurts Manager Siegfried Dietrich, der Prinz auch privat vermarktet, würdigte sie als „Prototyp einer aufrichtigen, ehrlichen, angemessen kritischen und immer mannschaftsdienlichen Offensivspielerin“. Prinz wollte immer die Beste sein. Sie wird aber gespürt haben, dass es nicht mehr reichte. Am vergangenen Sonntag absolvierte sie ihr letztes Spiel, ein Test gegen den Zweitligaklub Würzburg. Das Spiel endete 4:1 für Frankfurt. Prinz blieb wie schon bei der WM ohne Tor.