"Auszeit"

Toni Schumacher fühlt sich als Ossi nicht wohl

Der 1. FC Köln versetzt einige seiner Idole auf die gegenüberliegende Tribüne – und beschwört einen neuen Ost-West-Konflikt herauf.

Foto: AFP

Hübsche Dokumentationen führen uns dieser Tage ja noch einmal Ost und West in allen grauen und bunten Facetten vor Augen. 50 Jahre Mauerbau gehen nicht spurlos am Fernsehkonsumenten vorbei. Also sehen wir Walter Ulbricht alle naselang und nasal sagen: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.“ Dann wurde doch eine gebaut, Ost und West standen sich unversöhnlich gegenüber.

Nun hat es sich der 1. FC Köln nicht nehmen lassen, passend zum Jubiläum seinen eigenen Ost-West-Konflikt herauf zu beschwören. Der Klub hat seine Fußball-Legenden von West nach Ost verbannt. Sie mussten ihre geliebte Tribüne verlassen und zwangsweise auf die andere Seite rübermachen.

Toni Schumacher oder Harald Konopka hat es getroffen, schwer sogar. Sie fühlen sich nicht wohl als Ossis, die Klagen über die Strafversetzung sind groß. So empörte Konopka sich dass „Leitkultur und Kommunikation“ hochgehalten werden, aber keiner mit den Altstars gesprochen habe.

Nun wissen wir ja, dass Kommunikation keine große Stärke des Ostens war. Wer das Wort „Jahresendflügelfigur“ als Synonym für Weihnachtsengel verwendete oder Fähnchen als „Winkelemente“ bezeichnete, dem kann schon eine gewisse Sprachstörung attestiert werden.

Särge sollen zu „Erdmöbeln“ gemacht worden sein, der Salat wurde als „Sättigungsbeilage“ abgestempelt. Wer Humor hat, findet das witzig. Aber eine Kuh als „Rauhfutter verzehrende Großvieheinheit“ dastehen zu lassen? Naja.

Doch was hören wir da aus Köln. „Äädäppel“ sollen da Kartoffeln sein. Muss Toni Schumacher noch einmal in sich gehen? Vielleicht sind sie links des Rheins ostiger, als sie bisher dachten.